Köppen, W.: Kalender-Reform.
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jekt eines, Schweizers!), aber ohne sich an dieses zu binden. Auf Veranlassung des
Kongresses hat sodann die Schweizer Bundesregierung sich bereit erklärt, eine
staatlich beschickte Konferenz zur Beratung der Frage einzuladen; bei einer vor-
läufigen Umfrage hat sie aber nicht die genügende Bereitwilligkeit zu deren Be-
schickung bei den übrigen Regierungen, namentlich bei Rußland, gefunden?).
Die Gefahren, die eine Kalenderreform zu vermeiden trachten muß, sind aus
der Geschichte der beiden Kalenderreformen zu erkennen, die nach Cäsar in Europa
vorgenommen worden sind. Die erste, die Gregorianische, ist wegen ihres römisch-
katholischen Ursprungs in den protestantischen Ländern erst 118 bis 171 Jahre
später durchgeführt worden und in Rußland noch heute nicht. Die zweite, die der
französischen Revolution, hat nur 12 Jahre Bestand gehabt, weil sie ohne Not alles
geändert hatte: sämtliche Daten, den Jahresanfang, Länge und Namen der Monate
und die Ära, sowie namentlich auch die Woche abgeschafft hatte.
Um Aussicht auf nicht allzu langsame allgemeine Einführung auf der ganzen
Erde zu haben, muß also die Reform als weltliche Angelegenheit behandelt werden
und müssen allzu radikale Pläne zurückgewiesen werden. Ob alle ihre drei oben
genannten Teile besser gleichzeitig oder besser nacheinander eingeführt werden,
und ob ein einzelner Staat oder ein internationaler Kongreß den Anfang machen soll,
sind Opportunitätsfragen, die wir hier nicht behandeln wollen.‘
Zufällig ist gerade dieses Jahr vom 1. September an zur Einführung der
Reform ganz besonders günstig, weil Datum und Wochentag im September bis
Dezember 1916 genau so liegen, wie in unserem Vorschlag, also zunächst gar keine
Änderung erleiden würden. Das Publikum würde den Wechsel erst daran bemerken,
daß der erste Arbeitstag 1917 ein Montag und nicht ein Dienstag sein würde — und
das ist doch nicht so aufregend, wie der Verlust von 11 Tagen, der 1752 einem eng-
lischen Minister bei der Einführung des Gregorianischen Kalenders fast das Leben
kostete. Auch das Osterdatum ist im nächsten Jahre zufällig der 8. April.
Würden Deutschland und seine Verbündeten auch in dieser Sache, wie in der
Sommerzeit, vorangehen, so würden wahrscheinlich wie bei jener die anderen Staaten,
wenn auch erst in einigen Jahren, nachfolgen und auch Rußland den unvermeidlichen
Schritt tun. Die Menschheit käme dann, unter der Führung Deutschlands, wenn auch
nach einer etwas unbequemen Übergangszeit, zu einer vernünftigen und der ganzen
Welt gemeinsamen Zeiteinteilung.
Die Reform ist so einfach, daß man sich nachträglich nur wundern wird,
daß man so lange an einer so unbeholfenen Einteilung wie der bestehenden fest-
gehalten hat. W. Köppen.
Die Häfen der britischen Kolonie Neufundland.
(Amtlich) [Schluß des 3, Teiles.)
3. Häfen am südlichen Teile der Ostküste Neufundlands.
St. Johns. (Fortsetzung von S. 345.) ; .
Einsteuerung. Die Einfahrt zwischen Kap North im Nordnordosten und
Kap South im Südsüdwesten ist 302 m breit. Von der Einfahrt führt ein schmales
Fahrwasser, das bei der Chain-Klippe zwischen den beiden 9.1 m (5 Fad.)-Grenzen
nur 91 m breit ist, nach dem nordöstlichen Teil des Hafens.
Nördlich vom Kap North liegen die Washballs, Klippen iin der Wasserlinie,
bis 137 m weit von der Küste; Untiefen erstrecken sich ungefähr 91 m weit östlich
davon und eine Klippe mit 1.4 m (41/,’) Wasser darüber liegt rw. 54° (mw..05/,N)
1) Prof. L. A. Grosclaude in Genf. Auch dieses Projekt behandelt den Neujahrstag als
datumlosen Tag und ist darum und wegen der größeren Datumänderung nicht zu empfehlen.
2) Während der Drucklegung erhalte ich durch Herrn Rese Kenntnis von einem in der in
Hameln erscheinenden christlich - nationalen Wochenschrift für den 9. hannoverschen Reichstags-
wahlkreis, »Die Umschau«, am 26. Februar 1899 erschienenen Aufsatz des Generals v. Sichart
(Sichart von Sichatshoff), in dem unter der Überschrift » Vorschlag Sirius—-Sichart« genau die oben
geschilderte Einrichtung mit sehr guter Begründung empfohlen wird: 1. Januar ein Sonntag, erster
Monat jedes Quartals 31 Tage, dazu Schalttag 31. Juni und Sylvester 31. Dezember. Die einzige Ab-
weichung besteht darin, daß Ostern auf 1, April gelegt ist, was im Widerspruch mit (späteren) Be-
schlüssen des deutschen Handelstages und deutschen Pfarrertages steht. W K