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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 44 (1916)

Ludewig, P.: Neue Beobachtungen über die Ausbreitung starker Schallwellen in der Atmosphäre. 383 
sterbens dieses fernen, dumpfen Grollens im erwachenden Frühjahr bis zum 
völligen Erlöschen während des Sommers.« 
Frau Oberlehrer- A, Mayen i. Rh, schreibt: »Die große Mai- 
offensive haben wir nur noch schwach verfolgen können, lange nicht mehr so 
intensiv wie die anderen Schlachten. Von da an herrschte Ruhe bis Mitte Sep- 
tember. Die Champagneschlacht‘ und die anschließenden Kämpfe waren wieder 
sehr vernehmbar.« 
8. Herr Assistent E., Zell (Mosel), schreibt am 3. II. 1916: »Bei 
Beginn des Krieges, als die großen Schlachten bei Metz geschlagen wurden, 
war Geschützdonner nicht vernehmbar, trotzdem es damals die nächste Ent- 
fernung war. Die Festung Longwy liegt nämlich ungefähr 110 km Luftlinie von 
hier. Gegen den Herbst, als das Laub begann abzusterben, wurde der Schall 
mit jedem Tag stärker hörbar und erreichte seinen Höhepunkt bei gänzlicher 
Entlaubung des Waldes. Den ganzen Winter 1914/15 war der Kanonendonner 
stark hörbar bei einer Entfernung der nächsten Front (Lagarde— Pont & Mousson— 
Verdun) von ungefähr 140 km Luftlinie. Während des Angriffs der Franzosen 
zwischen Maas und Mosel in der Woche vor und nach Ostern war ein dauerndes 
Hämmern, ein sogenanntes Trommelfeuer vernehmbar, derartig stark, daß es bei 
geschlossenen Fenstern zu hören war. Nachdem hörte man nichts mehr bis zu 
dem großen Angriff der Franzosen im Herbst 1915. Seitdem ist der Schall des 
Donners den einen Tag mehr, den anderen weniger stark hörbar.« 
9. Herr’ L. G., Kreuznach, schreibt am 10. IL 1916: »Sehr lebhafter 
Kanonendonner ist jetzt wieder auf unseren Bergen zu vernehmen. Im Sommer 
hört man ihn in unserer Gegend nicht«, Der Schreiber des Briefes gibt dazu 
noch weiter an, »daß der Donner im Mai an Stellen, wo er sonst gut zu hören 
war, nicht wahrnehmbar gewesen sei. Nur an ganz wenigen Stellen des Waldes 
sei noch schwaches Grollen vernehmbar gewesen. Im Juni war auch an diesen 
Stellen nichts mehr zu hören«, 
10. Herr M. A, Prüm a.d. Eifel, berichtet am 9. II. 1916: »Vor allem 
ist der Donner mit Ausnahme weniger Schüsse nur sehr deutlich hörbar in 
der Zeit vom September bis Mai. Wenn der Aufwuchs der Wiesen, der Roggen- 
und Weizenfelder, der Kartoffeläcker beginnt, wenn die Bäume sich belaubt 
haben, dann läßt der Donner an Stärke nach, bis er zuletzt überhaupt kaum 
noch vom geübten Ohre vernehmbar ist. Mit dem Abernten der Felder beginnt 
auch wieder die Zeit, wo fortschreitend mit der Ernte immer mehr und mehr 
wieder der Donner zu hören ist, bis er seinen Höhegrad erreicht hat, wenn die 
Felder leer sind und die Bäume ihre Blätter fallen gelassen haben. Letzteres 
ist aber bedeutend unwesentlich, was daraus zu ersehen ist, daß wir die Offen- 
sive im September 1915 sehr genau gehört haben, trotzdem die Bäume noch alle 
belaubt waren.« 
11. Herr Stabsarzt Dr. H. bei einem Landsturm-Bataillon in 
Belgien teilt auf Grund seiner Tagebuchaufzeichnungen mit, »daß er in der Zeit 
vom 19. VHIL 1915 bis 7. IX. 1915 keinen Kanonendonner gehört habe. Die 
ersten Septembertage sind schon kalt gewesen. Am 7. IX. 1915 ist der Donner 
das erste Mal hörbar und von da ab fast täglich den ganzen Winter hindurche. 
12. Herr Dr. A. Ph, Bonn, schreibt am 8. II 1916: »Bei einer Ex- 
kursion in die Eifel, und zwar in das Gebiet der oberen Ahr bei Aremberg und 
Ahrdorf, hörte ich am 26. September 1915, zur Zeit der französischen Offensive 
in der Champagne, fast ununterbrochen rollendes Geschützfeuer mit einzelnen 
heftigen‘ Schlägen. Die Leute in Ahrdorf, das im Tale liegt, sagten aus, daß sie 
den ganzen Winter den Kanonendonner gehört hätten, aber nicht im Sommer.« 
13. Herr Dr. K. P.,, M.-Gladbach, berichtet am 6. II. 1916 folgendes: 
»Ich habe den Kanonendonner zuerst vernommen im November 1914 (in meiner 
Jagd in der hiesigen Gegend). Im Mai bis Juni bin ich wiederholt draußen 
gewesen und habe manche Stunde auf dem Hochsitze zugebracht, ich habe aber 
kein einziges Mal Schüsse gehört, Wohl aber wieder nach Eröffnung der Hühner- 
jagd, etwa Ende August und in den folgenden Monaten. An einem Sonntage im 
September hörten wir das Schießen besonders deutlich: wir unterschieden starke 
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