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Volltext : Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 44 (1916)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1916.

des Problems verwertet werden können, Ich habe die Mitteilungen in zwei
Gruppen eingeteilt. Die erste enthält Mitteilungen über den Einfluß der Jahreszeit
 und die zweite mir wichtig erscheinende Auszüge aus kürzeren Zuschriften,


II. Einfluß der Jahreszeit.
1. Herr C. G. schreibt: »Schon seit Kriegsbeginn hörten wir an der
Mittelmosel fast täglich mehr oder weniger stark den Kanonendonner, Auch die
Kämpfe von Antwerpen konnten auf den Hängen des Hunsrücks deutlich gehört
und verfolgt werden. Auffallend war, daß seit Ende April, Anfang Mai 1915
bis Ende September, Anfang Oktober nichts mehr zu hören war.«
2. Frau E. S.-K.,, Dortmund, schreibt am 10. III. 1916 folgendes: »Ich verlebte
 den Sommer 1915 von Ende Mai bis Ende September in Peterstal im
Renchtale (badischer Schwarzwald). Der kleine Badeort liegt etwa 400 m hoch,
ist rings von Bergen bis zu 800 bis 900 m Höhe eingeschlossen. Nur nach NW
öffnet sich das Flußtal nach der Rheinebene zu. Mai, Juni und der Anfang des
Juli waren außergewöhnlich warm und trocken. Ich habe in dieser Zeit niemals
Kanonendonner gehört, trotzdem ich den ganzen Tag im Freien war. Zum
ersten Male vernahm ich ihn etwa Mitte Juli. Es klang wie dumpfes Dröhnen.
Meine Erinnerungen daran sind sehr klar und bestimmt. Wenige Tage darauf
hörte ich den Schall sehr laut auf der Paßhöhe des Kniebis in etwa 970 m Höhe.
Die einzelnen Schüsse waren sehr deutlich zu unterscheiden, Von da an nahm
die Hörbarkeit des Kanonendonners ständig zu, bis er im September fast täglich
 zu hören war. Der dem Renchtale zunächst liegende Abschnitt unserer
Front umfaßt die Vogesen etwa zwischen Masmünster und Markirch. Wie mir
ein befreundeter Offizier mitteilte, ist das Geschützfeuer in dieser Gegend immer
ziemlich lebhaft gewesen, auch im Mai und Juni.«
3. Frau M.T, Prüm a.d.Eifel, schreibt unterm 1. II. 1916: »1914 hörte
ich bei der Kartoffelernte auch Kanonendonner, aber längst nicht solch aufregendes
 Gebrumme wie 1915, ...,im Laufe des Krieges hatte ich mehr als
genug Gelegenheit zu beobachten, daß in der Zeit, da kein Laub mehr an den
Bäumen ist, man viel besser den Kanonendonner vernimmt als in der Zeit, wenn
die Bäume ihren Blätterschmuck tragen. Während des Hochsommers war es demnach
 angenehmer, im Freien zu verweilen, weil man fast nie Kanonendonner mit
solch erschreckender Deutlichkeit hörte wie im Herbst und Winter.«
4. Herr P.G., Antwerpen, berichtet am 4. II. 1916: »Der Geschützdonner
 verminderte sich, sobald der Frühling kam und die Bäume ihren Laubschmuck
 anlegten. Im Sommer hörte man sozusagen gar nichts mehr, trotzdem
 viele Kanonaden stattgefunden haben. Sobald die Bäume wieder kahl
wurden, hörte man das Grollen der Geschütze von neuem, Diese Tatsachen sind
positiv. Hier, wo das Volk dem Kanonendonner ein besonderes Ohr leiht, gab
gerade im vergangenen Winter 1914/15 der mehr oder weniger stark vernehmbare
 Geschützdonner oft zu allerhand Annahmen und Hoffnungen Anlaß.«
5. Eine Zuschrift eines Herrn aus Cöln a, Rh., der nicht genannt
sein will, enthält folgendes: »Ich besitze eine Jagd auf dem Hunsrück, Die
Kriegszeit läßt mich nur selten dorthin kommen, aber meine Wahrnehmungen
werden durch den ständig im Jagdgebiet wohnenden Jäger bestätigt. Sie bestätigen
 die Tatsache, daß der Kanonendonner von der rund 200 km entfernten
Westfront im Winter fast täglich, im Sommer fast gar nicht wahrnehmbar ist.
So war es im vergangenen Jahr, so ist es auch jetzt. Mein Jäger sprach die
Vermutung aus, daß diese Erscheinung mit der Belaubung bzw. Entlaubung des
Waldes zusammenhänge. Ich weiß nicht, ob diese Theorie eines Naturkindes
haltbar ist, möchte aber auch meinerseits bestätigen, daß der Kanonendonner im
letzten Jahre wieder zur Zeit der Hirschbrunft (Oktober) hörbar wurde, gerade
als der Laubfall begann.«
6. Herr A. S, Aachen, schreibt am 2. II. 1916: »1914 brachte uns
der Herbst, der Winter und der Vorfrühling den Geschützdonner. Auch im
Jahre 1915/16 war es so. Interessant ist die Beobachtung des allmählichen Er-
            
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