Grossmann: Die Sturmfluten an der deutschen Nordseeküste am 13. Jan, u. 16./17, Febr. 1916. 377
aufwärts, in Wilhelmshaven sowie von Norderney bis Emden war die Verfrühung
des Hochwassers im Februar größer als im Januar, bei den übrigen
Orten aber trat das Hochwasser im Februar verhältnismäßig spät ein; auffällig
ist auch hier die verhältnismäßige Verspätung um fast eine Stunde in Brake
gegenüber der Verfrühung längs der Elbe von Glückstadt aufwärts. Jedenfalls
lassen diese zeitlichen Verschiebungen der Höchstwasserstände der letzten Spalten
keinen. Unterschied zwischen dem Westen und Norden der Küste erkennen, wie
er für die Höhe der Wasserstände charakteristisch hervortrat. Um diese Verschiebungen
der Eintrittszeiten des Hochwassers in ihren Ursachen erkennen zu
lassen, bedarf es jedenfalls einer erheblich größeren Zahl durchaus zuverlässiger
Beobachtungen. Mutmaßlich wird die von der gewöhnlichen Flutwelle geschaffene
Schrägung des Wasserspiegels unter dem Einfluß des Sturmes zeitiger als sonst
den allgemein den Wendepunkt des Steigens des auflaufenden Flutstroms kennzeichnenden
Grenzwert erreichen, bei dem der hydraulische Überdruck der gehobenen
Wassermassen von dem nachdrängenden Wasser nicht mehr getragen
werden kann, so daß ein Zurückfluten eintreten muß; die vertikale Komponente
des Winddruckes wird dabei dieses Gleichgewicht nur wenig zu beeinflussen vermögen,
falls er auf dem ganzen Wasserspiegel gleichmäßig lastet,
Vergleich der erreichten Hochwasserstände mit früheren Sturmfluten.
Die folgende Tabelle 4 gibt eine Zusammenstellung von einigen Hochwasserständen
von 1825 bis jetzt und bedarf der folgenden Erläuterungen:
1.: Die Grundlage der Tabelle bilden die Angaben für Cuxhaven und
Hamburg; diese setzen sich zusammen aus denjenigen für 1825 und die Zeit von
1841 bis 1895, die der Abhandlung von Chr. Nehls: »Die Sturmfluthen in der
Elbe, insbesondere die Sturmfluthen vom 12. Februar und vom 22,, 283. Dezember
1894, sowie vom 5. und 8. Dezember 1895« (aus dem Hydrologischen Jahresbericht
von der Elbe für 1895) entnommen wurden und einer handschriftlichen
Mitteilung des Hamburger Wasserbaudirektors Geheimrat Prof. Bubendey für
die Zeit. von 1896 an. Dabei ist von Nehls die Auswahl der 17 Sturmfluten
der ersten Reihe so getroffen worden, daß außer der Flut vom 12. Februar 1894
nur diejenigen Fluten aufgeführt wurden, die in Cuxhaven höher anstiegen als
die Flut vom 12. Februar 1894 (3.67 m über N. N.), während die Reihe von 1896
an‘ diejenigen Fluten berücksichtigt, bei denen das Hochwasser in Hamburg
wenigstens 7 m über Hamburger Null (3,46 m über N. N.) erreichte; diese zweite
Reihe berücksichtigt also niedrigere Hochwasser als die erste, doch sind die
Daten mit solchen schwächeren Sturmfluten durch Hinzufügung eines Sternchens
zur Jahreszahl kenntlich gemacht, um äußerlich die Homogenität der beiden
Reihen herzustellen.
2. Wertvolle ältere Angaben für den Nord—$Süd verlaufenden Teil der
Nordseeküste konnten ‚einem Aufsatz von E. Möller, Husum: »Die Sturmflut
vom 12./13. März 1906« (in den »Mitteilungen des Nordfriesischen Vereins für
Heimatkunde und Heimatliebe«, Jahrgang 1905/06) entnommen werden. . Dort
fanden sich die Angaben für 1854/74 von Nordstrand, Pellworm und Wyk, für
1880/85 von Husum, für 1894/06 von Husum, Dagebüll, Hoyerschleuse, Ellenbogen
auf Sylt und Föhr, sowie für den 13. März 1906 von Büsum und den
15. Oktober 1881 von Pellworm. Die Wasserhöhen fanden sich durchweg auf
Mittelhochwasser bezogen und sind, mit Ausnahme von Husum, mangels genauer
Kenntnis der Höhen der mittleren Hochwasser durch Hinzufügen von 1,3 m auf
N. N. umgerechnet worden. Die in solcher Weise erhaltenen Wasserstände sind
in der Tabelle dadurch kenntlich, daß sie nur mit einer Dezimalstelle gegeben sind.
3, Die Angaben für die Knock- und Nesserlandschleuse sowie für Wilhelmshaven
sind von den zu Tabelle 3 angegebenen Behörden gewonnen worden. Die
ersteren umfassen alle Hochwasser seit 1894 höher als 4.00 über N, N., diejenigen
für Wilhelmshaven die stärkeren Hochwasser seit 1855.
4. Soweit Hochwasserstände in der Tabelle aufgeführt sind, die in der
Reihe für Cuxhaven und Hamburg nicht vorkommen, sind die Jahreszahlen der
betreffenden Daten in Klammern gestellt worden.