Grossmann: Die Sturmfluten an der deutschen Nordseeküste am 13. Jan. u. 16./17. Febr. 1916. 369
um 3 Stunden, von Swinemünde bis Memel aber um 7 bis 8 Stunden auseinander
lagen — die niedrigsten Luftdrucke traten dabei in Hamburg um 7* N, Kiel zwischen
7 und 8? N, Swinemünde um 1% V am 17,, Rügenwaldermünde um 4* V, in Danzig-
Neufahrwasser um 5b V und in Memel um 9» V am 17. ein. Da der Luftdruck
schon am 15. niedrig gewesen war, ist das Barometer. trotz der erreichten Tiefe
unter dem Einfluß dieses Sturmwirbels nicht so stark wie,‚im Januar, sondern seit
Mitternacht an der Nordsee nur um 16 bis 21 mm gefallen, und gegenüber dem
Januar fehlte im Rücken des Sturmwirbels das starke Vordrängen eines Hoch-
druckkeiles, so daß ein verhältnismäßig schwaches Barometersteigen nach Er-
reichung der niedrigsten Stände, bis Mitternacht auch nur um 14 bis 20 mm
über der Nordsee, eintrat. Abweichend vom Verhalten im Januar haben die
Aufzeichnungen der Anemographen keine bemerkbaren Änderungen der Stellung
der Windfahne oder der Windgeschwindigkeiten (Stundenwerte) zur Zeit dieser
besonderen (sekundären) aufgelagerten kleinen Luftdruckschwankungen zu er-
kennen gegeben, so daß das Tiefdruckgebiet gegenüber den Winden als ein
einheitlicher Sturmwirbel in die Erscheinung trat, der ostwärts nördlich von der
Küste vorbeizog.
Aus den‘ zur Zeit der geraden Stunden angestellten Beobachtungen der
Sturmwarnungsstellen ergibt sich zusammenfassend, wenn man von Borkum ab-
sieht, wo bereits morgens St und bis 4#N SW 9 notiert wurde und kleinere
lokale Abweichungen nicht berücksichtigt werden:
sh V
10h V
12h V
20 N
ih N
5a N
bh N
Ostwärts bis zur Elbmündung Nördlich von der Elbmündung
Richtung Stärke Richtung Stärke
S bis SW 4— 6 SO bis S 4— 6
SW 6— 7 S 14— 6
SW. bis W ö— 8 SW bis W 5— 8
WSW « WNW ‘— 9 SW. W 5— 7
WSW « WNW ‚— 9 SW « W 6— 9
WSW « WNW 9—10 | SW « WNW 8—10
WSW « NW Q—11 WSW ı« WNW I10—11
Nach denselben Beobachtungen herrschte in der Nacht vom 16. bis 17. Sturm
aus WSW bis WNW mit Regen-, Schnee- und Hagelböen, der aber am frühen
Morgen abnahm, so daß um 8% V am 17. nur noch vereinzelt Stärke 8 beob-
achtet wurde. Über besonders schwere Winde liegen die folgenden Beobachtungen
dieser Stellen vor: Norderney 5PN WNW Stärke 10—11, Friedrich-Schleuse bei
Karolinensiel 5 bis 6k N orkanartige Böen, Wangeroog gegen Abend Stärke 9—11,
Brake zwischen 61/, und 7® N Stärke 11—12, Geestemünde nachts vom 16. bis 17.
orkanartige Böen mit Schnee und Regen, Glückstadt von 5® N ab und nachts vom
16. bis 17. starker Sturm aus WSW, Süderhöft 8? N SW Stärke 11, Wyk a. F.
nachts vom 16. bis 17. orkanartiger Sturm aus West, 9% bis 112 N Stärke 9—11,
Tönning von 8? N ab Böen aus West Stärke 8—10, Keitum nachts vom 16. bis 17.
in Böen Stärke 11.
Wir entnehmen diesen Beobachtungen der Sturmwarnungsstellen, daß die
Winde in Borkum sich bereits in der. Nacht zu Südweststurm entwickelt hatten
und in dieser Stärke anhielten, während sie im übrigen am Morgen meist mäßig
bis stark, nördlich der Elbmündung aus südöstlicher, im übrigen aus südlicher
bis südwestlicher Richtung wehten und am Vormittag unter Auffrischen an der
ganzen Küste südwestlich bis westlich wurden; ein weiteres Rechtsdrehen, be-
sonders auf den Inseln im Westen, wo die Winde vielfach bis WNW, abhängig
im Einzelfall von dem Verlauf der Küste, drehten, erfolgte gegen Abend und
zugleich auch der Eintritt der außergewöhnlich schweren Böen von teilweise
orkanartiger Stärke, nahe der Zeit, wo das Barometer seinen tiefsten Stand er-
reichte und zu stetigem Steigen überging.
Ann. d. Hydr, usw. 1916. Heft VII