z68
Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1916.
Die Sturmflut vom 16. bis 17. Februar 1916.
Die Entwicklung der Wetterlage bei der Sturmflut vom Februar ist auf
Tafel 11 in den unteren Karten dargestellt, die sich auf den Morgen und Abend
81V und 7hN M.E.Z. beziehen und, wie die darüber stehenden, nur stürmische
Winde durch Windpfeile anzeigen. Entgegengesetzt dem Verhalten der ersten
Januarhälfte waren die letzten Wochen vor dieser Sturmflut verhältnismäßig arm
an westlichen Winden gewesen, indem die Winde seit Anfang Februar, bis auf die
Tage vom 6. bis 9. mit südwestlichen Winden, meist aus Süd bis Südost geweht
hatten und erst am 13. wieder westliche Richtungen eingesetzt hatten; auch im
Gegensatz zum Januar waren in den Wochen vor der Sturmflut nur vereinzelt
stürmische Winde, ganz selten über Stärke 8 auffrischend — am 6., 7. und 14,
über der Nordsee aus meist südwestlicher Richtung — aufgetreten. Insofern
waren die Verhältnisse für hohe Wasserstände weniger günstig als im Januar.
Während die Januar-Flut durch ein mächtiges, südostwärts schreitendes
Tiefdruckgebiet hervorgerufen wurde, zeigen die Wetterkarten, daß es sich
diesmal um ein sogenanntes Teiltief gehandelt hat, das sich in dem Ausläufer
eines vom Nordmeer südwärts ausgebreiteten Tiefdruckgebiets entwickelte und
in großer Tiefe am 16, und 17. Februar in östlicher Richtung durch die mittlere
Nordsee nach dem Eingang des Rigabusens fortschritt, von wo es sich dann in
nordöstlicher Richtung nach Rußland entfernt hat. Die Wetterkarte vom Morgen
des 15. läßt drei solcher Ausläufer hervortreten, die nach Westrußland, dem
Osteingang des Kanals und nach Schottland gerichtet sind; der erste wanderte
nach Finnland, der zweite war bei außergewöhnlich schnellem Fortschreiten
schon am Abend dieses Tages bis Ostdeutschland und Österreich-Ungarn ge-
zogen, während der dritte am Abend über dem Osteingang des Kanals ange-
deutet ist und sich am folgenden Morgen über die Helgoländer Bucht nach
Mitteldeutschland erstreckte, in welcher Lage dann am 16. eine Vereinigung mit
einem von Schottland nachfolgenden neuen Ausläufer und die Entwicklung eines
tiefen Sturmwirbels erfolgte, Die Sturmflut stellte sich über der Nordseeküste
während des Vorübergangs des Tiefs (Minimums) ein, das wir am Abend
des 16. vor dem Eingang des Skagerraks und am Morgen des 17. bei der
Insel Gotland erblicken, beide Male mit Barometerständen unter 720 mm. Die
niedrigsten von den Berichtsstationen angegebenen Barometerstände waren am
Abend des 16. 719.8 mm bei Hanstholm und 719,6 mm bei Keitum, am Morgen
aber, wo das Tiefdruckgebiet bereits an Tiefe abgenommen hat, 721.2 mm in
Wisby auf Gotland. Ebenso wie das Tiefdruckgebiet vom Januar, nahm auch
dieses bei seinem Fortschreiten an Tiefe ab, was dann hervortritt, wenn man die
jeweilig von den gleichnamigen Isobaren bedeckten Flächengebiete miteinander
vergleicht. Des weiteren stimmen sie darin überein, daß auch dasjenige vom
Februar eine Linksdrehung seiner Achse erfuhr, indem diese am Abend des 16.
NW bis SO und am folgenden Morgen SW bis NO gerichtet erscheint. Der am
Morgen des 16. nach der deutschen Nordseeküste gerichtete Tiefausläufer ist am
Tage nach dem Süden der Ostsee fortgeschritten und hat sich in der Nacht vom
16. bis 17. über der Ostsee nordwärts verlagert, während gleichzeitig ein anderer
Tiefausläufer (am Abend des 16, von Jütland nordwestwärts verlaufend) über
dem Osten der Nordsee in südlicher Richtung vorgedrungen ist — beide haben
eine Linksdrehung gegeneinander ausgeführt. Nachdem ‚die Barometer zunächst
der Hauptsache nach unter dem Einfluß des herannahenden ersten Ausläufers
gefallen sind, verlangsamte sich das Fallen, als die diesem Ausläufer zukommende
Linie niedrigsten Drucks den Ort des Barometers erreichte und ging mit seinem
weiteren Fortschreiten sogar teilweise vorübergehend in ein geringes Steigen
über, bis sich der Einfluß des nachfolgenden zweiten Ausläufers bemerkbar
machte und abermaliges Fallen bewirkte; in Borkum und Keitum zeigte sich nur
eine Verlangsamung des Fallens und dann ein etwas stärkeres Fallen bis zu
tiefsten Barometerständen um 5% N bzw. 8b N, während sich auf den übrigen
Normalbeobachtungsstationen der Seewarte deutlich getrennte Niedrigstwerte in
den Barometeraufzeichnungen ergaben, die in Hamburg um 2 Stunden, in Kiel