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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 44 (1916)

366 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1916, 
Nähe der Kajung stehende Holzschuppen und ein kleines massives Gebäude unterspült und einer der 
Schuppen von 21 m Länge, 10 m Breite, mit 100 t Kohlen sowie ein kleinerer von 15 m Länge, 5 m 
Breite, mit 30 t Kohlen vollständig fortgeschwemmt, die anderen Schuppen und Gebäude dermaßen 
Er daß sie abgebrochen werden mußten. Es hatten sich Auskolkungen von 4 bis 5 m Tiefe 
gebildet. 
Die Strandbefestigungen haben keinen erheblichen Schaden genommen. Jedoch haben infolge 
des sehr hohen Seeganges, wodurch das Wasser stellenweise in die.Straßen des Ortes getrieben wurde, 
die Dünen stellenweise sehr abgenommen, so daß auch die sogenannte Wilhelmshöhe, welche vor dem 
Sturm noch etwa 15 m vom Dünenrande entfernt lag, sehr gefährdet wurde, indem sie nach der Flut 
am Rande des Abbruchs stand. 
Die Stärke des Seegangs läßt sich in etwas daran ermessen, daß ein 500 kg schwerer Stein 
vom Strande auf die 4.5 m über gewöhnlichem Hochwasser liegende Steinbrüstung der Promenade 
geworfen ist. Dieser hohe Seegang hat denn auch an dem Restaurant » Victoriahalle« am Weststrande 
durch Einschlagen sämtlicher Fenster und Türen, Zertrümmern der Einrichtungen usw, einen Schaden 
von etwa 8000 M. verursacht. 
An den Gebäuden sind sonst keine wesentlichen Beschädigungen vorgekommen. . 
Ein kleines Fischerfahrzeug von hier, welches sich auf Seemuschelfang im Juister Watt be- 
fand, trieb nach Verlust von Anker und Ketten hier vorbei und strandete in den Dünen östlich vom 
Leuchtturm. 
Auf der Insel Juist sind die Dünen stark abgebrochen. Der an der Südseite der Insel ge- 
legene Landungsbahnhof und die Landungsbrücke sind erheblich beschädigt. 
In Baltrum ist das Dünenschutzwerk in beträchtlicher Länge zerstört und ist ein breiter 
Streifen der Dünen abgespült, Janssen, Vorsteher der Sturmwarnungsstelle der Deutschen Seewarte, 
Brake. Am 13. Januar wehte es vormittags aus WSW und West, begleitet von starkem 
Regen mit Windstärke 8 bis 9. Gegen 3!/, Uhr nachmittags drehte der Wind nach WNW und NW, 
Windstärke 10 bis 11, starke Regenböen, Das Barometer fiel von 2 Uhr nachmittags an noch an- 
dauernd, Nachmittags 3b 5min lief von Norderney folgendes Telegramm ein »Wasserstand 2h 30min 
nachmittags 150, steigt stark, Nordwest«, Hierauf wurden sämtliche Schaartthore geschlossen und die 
außerhalb des Deichs wohnende Bevölkerung gewarnt. Um 7h 15min nachmittags hatten wir in Brake 
den höchsten Wasserstand mit 2 m 86 cm über Normal zu verzeichnen, Die größte Windstärke war 
bei einsetzender Ebbe .abends zwischen 8 und 10 Uhr zu verzeichnen. Es wehte in den Böen mit 
Stärke 11 und 12, Abends 9!/, Uhr war der Wind ganz nach Nord herumgegangen und wurde hier- 
durch bei Brake in der Weser ein mächtiger Wellenschlag erzeugt, der bei dem Hochwasser in den 
Gärten und Häusern viel Schaden angerichtet hat. In den Gärten und Häusern am Deich und außer- 
halb des Deichs waren die Anpflanzungen zerstört, Zäune, Gartenhäuser, Bänke usw, zerbrochen und 
weggeschwemmt, Die Keller waren größtenteils vollgelaufen und wurde so viel Proviant verdorben. 
Der Signalmast der Seewarte wurde durch die Gewalt des Sturmes abgebrochen, Dächer von Häusern 
teilweise abgedeckt und viel sonstiger Schaden angerichtet. Bei der Sturmflut am 13. März 1906 war 
in Brake der höchste Wasserstand 3 m 6 cm über Normal, doch blieb der Wind damals mehr west- 
lich und wurde deshalb, weil kein Wellenschlag entstehen konnte, auch nicht so viel Schaden an- 
gerichtet. Gollin, Vorsteher der Agentur der Deutschen Seewarte. 
Glückstadt. (»Glückstädter Fortuna.<«) Mit kurzen Unterbrechungen hat auch in dieser 
Woche das stürmische Wetter fortgedauert. Ganz besonders schlimm hat der Sturm es gestern ge- 
trieben. Von nachmittags 5 Uhr an tobte ein orkanartiger Nordweststurm. Schnell stieg Se Wasser 
und überflutete in kurzer Zeit die Kaianlagen des Außenhafens und die Deichvorländereien. Gegen 
9 Uhr abends hatte die Sturmflut hier eine Höhe von etwa 20 Fuß erreicht, der höchste Wasserstand, 
der seit langen Jahren hier festgestellt wurde. Die große Stöpe (Tor im Deich) mußte geschlossen werden; 
das Wasser erreichte an ihr noch eine Höhe von fast einem Meter. Auch an den niedrigen Deichen reichte 
die Flut vielfach bis zum Kamm, wo jetzt die großen Massen angeschwemmten Unrats lagern, Mehrere 
Schiffe suchten schutzsuchend unseren Hafen auf. Der gewaltige Wellenschlag richtete großen Schaden 
an, Der Außenhafen bietet heute das Bild einer Zerstörung. Die Mole ist aus ihrem Lager gehoben 
und schwer beschädigt, Der Kohlenschuppen des Kaufmanns W. Lübcke ist zum größten Teil zer- 
trümmert, ebenso die Umfassung des Kohlenlagers, Viele Hölzer kamen ins Treiben und lagen heute 
morgen kreuz und quer über der Straße und den Gleisen. Eine große Schute ist auf die Kaianlagen 
getrieben und sitzt auf einem Poller. Auch in der Umgegend hat das Unwetter an Häusern und 
Bäumen großen Schaden angerichtet, 
Hamburg - Altona und Untereibe. (»Hamburger Nachrichten.«) Eine außergewöhnlich, 
hohe Sturmflut brachte uns die letzte Nacht. Schwere Regen- und Schneeböen hatten sich im Laufe 
des gestrigen Tages eingestellt, die zuerst aus südwestlicher Richtung daherfegten, am Nachmittage 
aber aus nordwestlicher Richtung kamen und die Stärke eines Orkans annahmen. Besonders heftig 
wehte der Sturm in der Zeit des Spätnachmittags zwischen 5 und 7 Uhr. Aber auch während der Nacht 
tobte er mit nur wenig geringerer Stärke, die erst erheblicher abnahm, als der Wind nördlicher ging. 
Die Folge war, daß der an sich schon hohe Wasserstand der Elbe in ganz außergewöhnlicher Weise 
zu einer abnormen Höhe aufgestaut wurde. War doch die nordwestliche Richtung, aus der der Sturm 
wehte, die allergünstigste zur Bildung eines Hochwassers, wie wir es seit 1881 in Hamburg nicht 
wieder beobachtet haben. Damals hatte die höchste Flut am 15, Oktober 8.17 m über Neu- 
Null = 18 Fuß 6 Zoll über Alt-Null erreicht, die Sturmflut der letzten Nacht wurde mit 8.10 m 
über Neu-Null bzw. mit 15 Fuß 3 Zoll über Alt-Null am Pegel verzeichnet, Die nächste, fast gleich 
hohe Sturmflut war am Abend des 23. Dezember 1894, sie erreichte die Höhe von 8.01 m über Neu- 
Null bzw. 17 Fuß 11 Zoll über Alt-Null. Im Jahre 1906 folgte dann in weitem Abstande eine anor- 
male Sturmfluthöhe mit 7,89 m über Neu-Null, die am Morgen des 13, März war. Die im der letzten 
Nacht eingetretene Sturmflut hatte denn auch zur Folge, daß die ganze Wasserkante, soweit sie nicht
	        
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