Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1916,
Von diesen Stellen liegen für die Nacht vom 183. bis 14. nur die folgenden
Angaben vor:
Nesserland-Schleuse nachts stürmischer Nord.
Friedrich-Schleuse bei Karolinensiel nachts heftiger Sturm aus
bölg.
Wangeroog nachts NNW 7 bis 8, zeitweise Regen- und Schneeböen.
Geestemünde nachts schwere, stürmische Böen mit Hagel, Schnee
und Regen.
Brunshausen nachts NW 10 bis 12, gegen Morgen ruhiger,
Glückstadt bis 1 Uhr heftiger Sturm aus NW.
Wyk a. Föhr nachts Sturm aus Nord.
Der Sturm nahm allgemein in der Nacht ab; am 14, wehten die Winde
morgens 8 Uhr ostwärts bis zur Elbmündung meist aus Nord in der Stärke 6 bis 8
und nördlich von der Elbe überwiegend aus NNO in der Stärke 5 bis 7.
Zur Vervollständigung des Bildes möge noch hinzugefügt werden, daß die
Ostseeküste am 13. Januar kaum stürmische Winde erfahren hat, indem solche
nur in der Stärke 7 bis 9 aus südwestlicher Richtung an der schleswig-holsteinschen
Küste und aus südöstlicher Richtung an der pommerschen Küste auftraten,
während am 14. am Vormittag ostwärts bis Rügen und am Nachmittag weiter
ostwärts bis Pommern in großer Verbreitung stürmische Nordostwinde beob-
achtet wurden.
Vergleichen wir mit den an der Nordsee beobachteten Windstärken die
mitgeteilten mittleren stündlichen Windgeschwindigkeiten, so ist zunächst zu be-
achten, daß solche mittleren Werte von den während der einzelnen Stunden
wirklich erreichten größten Windgeschwindigkeiten um so mehr abweichen, im
Verhältnis kleiner ausfallen, je ungleichmäßiger der Wind weht; vereinzelt auf-
tretende besonders schwere Böen werden das Stundenmittel nur in geringem
Maße erhöhen. So ist für die Stationen der Seewarte Hamburg und Keitum be-
rechnet worden, daß mit dem Auftreten von stürmischen Winden zu rechnen ist,
sobald von den dort aufgestellten Windschreibern Stundenmittel der Wind-
geschwindigkeit von 12 m/sek. erreicht werden, und etwa derselbe Zahlenwert
wird diesem von der Seewarte als Sturmnorm bezeichneten Grenzwert des Stunden-
mittels, entsprechend der Mehrzahl der Stationen der Seewarte, auch für Bremen
zukommen. Dabei entsprechen den Windstärken Beaufort nach den von Köppen
angestellten Untersuchungen die folgenden Windgeschwindigkeiten in m/sek.:
Beaufort-Grade 0 1 2 3 4 5 6 7 S 9 10 121 12
Mittel m/sek. 0.3 1.7 3.1 48 67 88 10.7 1229 154 180 210 23
Grenzen + Ö—11—2 24 4—6 6—8 8—10 10—12 12—14 14—17 17—20 20—23 23—30 über 30
Zufolge den Registrierungen wehten also stürmische Winde in Bremen von
44 V bis Mitternacht (vielleicht mit Ausnahme der Zeit von 8 bis 9h V), in
Hamburg von 1? N bis Mitternacht (ausgenommen vielleicht von 7% bis 8? N) und
in Keitum von Mittag bis 8b N, während solche für Kiel nicht angezeigt sind.
Die Stundenmittel ergeben in allen drei Fällen an der Nordseite zwei getrennte
Höchstwerte der Stundenmittel:
Bremen. . . 3—6h N bei WSW 16 m/sek. 8— Oh N bei NW 19 m/sek.
Hamburg!), . 5—h N «SW 14 « 9—10h N « NW 14 «
Keitum!) ,‚ . 1—3bN « WSW 15 « 6— AN = NNW 14 +
Während die mittleren größten Stärken der Winde zufolge diesen Stunden-
werten in Hamburg und Keitum nahezu gleich waren, erreichten sie in Bremen
höhere Werte, zumal am Abend, nachdem die Winde nach NW gedreht waren,
welches gegensätzliches Verhalten gegenüber den vorangehenden stürmischen
SW-Winden für Hamburg und Keitum nicht hervortritt.
1) Es sei hier darauf hingewiesen, daß die in den Meteorologischen Jahrbüchern der Deutschen
Seewarte bis 1898 veröffentlichten registrierten stündlichen Windgeschwindigkeiten infolge Benutzung
des Robinson-Faktors bei der Reduktion im folgendem Verhältnis gegen den seit 1899 gegebenen Wert
zu groß waren: Alte Werte 5 10 15 20 25 30 35 m/sek,
Neue «= 4 8 12 16 19 23 927