362 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1916.
Morgen des angegebenen Tages bis zum nächstfolgenden Morgen gerechnet), an
welchen Tagen an mehr als der Hälfte der Stationen 8 als höchste Windstärke
beobachtet wurde und auch teilweise Stärken 9 bis 10 verzeichnet wurden, Nachdem
dann am 12, ruhigere Witterung geherrscht hatte, brach am 13. Januar der
die Sturmflut hervorrufende schwere Sturm aus westlichen Richtungen über die
Nordsee herein, in dem die Winde an der Mehrzahl der Stationen die Stärke 10
erreichten und in den Böen vielfach orkanartig wehten.
Die oberen Karten auf Tafel 11 zeigen die Verteilung des Luftdrucks über
Europa je am Morgen und Abend des 12, bis 14. Januar und die Ausdehnung
der Sturmfelder, indem alle stürmischen Winde der Berichtsstationen durch Windpfeile
und deren Befiederung angezeigt sind. Der Sturm erscheint hiernach im
Gefolge eines in diesen Tagen vom fernen Nordwesten her südostwärts über
Mitteleuropa nach Südosteuropa ziehenden Tiefdruckgebiets, In einer Tiefe unter
730 mm erblicken wir das Tief am Morgen des 13. Januar an der Südwestküste
Norwegens und am Abend vor der Ostküste Schleswig-Holsteins; die niedrigsten
Barometerstände der Wetterkarte waren am Morgen 729.0 mm in Skudenes und
732.6 mm am Abend in Kiel, . ;
Betrachten wir die durch die Isobaren angezeigte Umlagerung in der Umgebung
des Tiefs näher, so bemerken wir eine am 13. Januar erfolgende Linksdrehung
der Achse, dadurch verursacht, daß das Tief von der Südwestküste
Norwegens südostwärts vorrückte (13. 8: V bis 7h N), während der am Morgen
des 13. nach Mecklenburg gerichtete Ausläufer. nach dem Süden der Ostsee fortschritt;
wir sehen hier am Abend des 13, ein Teiltief in östlicher Richtung vom
Haupttief gelegen und erblicken dieses am Morgen des 14. in ungefähr nördlicher,
am Abend aber schon in nordwestlicher Richtung von diesem, das sich
inzwischen stetig weiter südostwärts verlagert hat. Jene Entwickelung findet
sich auch in den Aufzeichnungen des Luftdrucks und der Winde auf den
Normalbeobachtungsstationen der Seewarte angezeigt und des weiteren durch
die zweistündlichen Beobachtungen der Winde auf den Sturmwarnungsstellen bestätigt.
Das Fallen des Luftdrucks, das auf den Stationen der westdeutschen
Küste in der Nacht zum 13. stark und ziemlich gleichmäßig war, verlangsamt
sich dort gegen 6 morgens und gelangt, allmählich fast ganz nachlassend, zu
einem vorläufigen Stillstand, in Borkum und Keitum gegen 8h V (Zeit der
3. Wetterkarte), in Hamburg und Kiel gegen 9h V; während der nächsten Stunde
Äindet wieder eine geringe Zunahme des Luftdrucks statt, dann aber sinkt das
Barometer von neuem, und zwar ungefähr ebenso stark wie zur Zeit des stärksten
Barometersturzes in der Nacht — in Keitum bis gegen 4e N, Borkum bis gegen
41/„b N, Keitum bis gegen 7b N, Hamburg bis gegen 8!/,%® N —, um sodann alsbald
wieder stetig und ziemlich gleichmäßig stark bis zum folgenden Abend zu
steigen. Die Erklärung ist darin zu suchen, daß der Fall des Barometers am
frühen Morgen unter der Einwirkung des südostwärts vordringenden Haupttiefs
und des von der Nordsee heranziehenden Ausläufers stand, die beide eine Abnahme
des Luftdrucks hervorriefen, ihre Wirkungen also gegenseitig verstärkten;
sobald aber die ostwärts fortschreitende, dem Ausläufer zugehörige Linie
niedrigsten Drucks einen Ort erreichte, hörte an diesem die den Luftdruck erniedrigende
Einwirkung dieses Ausläufers auf, und mit dem Fortschreiten des
Ausläufers nach Osten hin hatte dieser als Teilwirkung ein Steigen des Luftdrucks
zur Folge, das im vorliegenden Fall teilweise so stark gewesen ist, daß
es die Einwirkung des heranziehenden Haupttiefs überwog. Diese Vorgänge
zahlenmäßig im einzelnen zu verfolgen, bietet große Schwierigkeit, da dabei
auch die aus den Wetterkarten hervorgehende gleichzeitige Verflachung des
Tiefs berücksichtigt werden müßte,
Die Gesamtänderungen des Barometers im Gefolge dieses Sturmwirbels
waren auch recht erheblich: Vom Abend des 12. Januar sank das Barometer in
Borkum um 33.1, Keitum 28.6 und Hamburg 30.6 mm, um dann bis zum Abend
des 14. wieder um 27.2, 33.0 und 30.9 mm zu steigen,
Diesem Verlauf der Luftdruckumlagerung entsprach auch der Wind, wie
dies besonders schön die auf den Wetterberichten der Seewarte veröffentlichten