348 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1916.
polar-Expedition unter v. Drygalski war durch einen Sturm zwischen Blaueis-
Bergen festgekommen und wurde nur durch einen günstigen Zufall, daß sich
die Eisstauung löste, am Ende des nächsten Sommers frei. Wie unangenehm
die Situation für ein Schiff am Rande des Inlandeises werden kann, haben wir
auf der 2. Deutschen Südpolar-Expedition 1912 vor Prinzregent-Luitpold-Land
erlebt. Ein kleiner, natürlicher Hafen, der zwischen dem Inlandeis und der Eis-
barriere zur Überwinterung ausersehen war, veränderte seinen Charakter im
Februar vollständig durch das Abtreiben großer Teile der Eisbarriere, Sowie
sich Jungeis Anfang März bildete, wurde das Schiff davon besetzt und befand
sich in Gefahr, entweder gegen den Rand des Inlandeises gepreßt zu werden,
oder aber mit dem Jungeis aus der Bucht herauszutreiben, so daß bei der Be-
wegungsunfähigkeit des Schiffes ein Zusammenstoß mit den vor der Bucht
treibenden Eisbergen unvermeidlich schien. Es ist das große Verdienst des ver-
storbenen Kapitäns der »Deutschland« R. Vahsel, die Situation noch rechtzeitig
erkannt zu haben; dadurch, daß er das Schiff aus der Jungeisscholle heraus-
arbeitete und am nächsten Tage darauf drängte, mit dem Schiff nach Norden zu
fahren, hat er wahrscheinlich Schiff und Mannschaft vor dem Untergang bewahrt,
So sollte es denn bei der Ausführung späterer Expeditionen ins Südpolar-
gebiet zum Grundsatz gemacht werden, stets das Schiff zurück in einen eisfreien
Hafen zu senden. W. Brennecke.
Neuere Veröffentlichungen.
A. Besprechungen und ausführliche Inhaltsangaben.
J. van Roon: Zeevaartkundige Tafelen voor Waarnemingen nabij den
Meridiaan., 8%. 6058. Te Helder 1914. C. de Boer, Jr.
Die Tafelsammlung will die Berechnung der Polhöhe aus Cireummeridianhöhen erleichtern,
Sie schließt sich eng an die bekannte Entwicklung an: = d -+Z-—C, +0, WO
c, = 2 sin? 5 cos g cos $ cosec (p — $):sin 1’ und
ca = 2 sin* T [cos cos 6 cOsec (p — 6)| cotg (gg — 6): sin 1’
ist. Der Verfasser bezeichnet den Stundenwinkel mit P, Polhöhe und Deklination mit b und d,
b—d mit N und setzt 2 sin? 3 : sin 1’ = 3437.75 sinvers P,
so daß C, = 3437.75 sinvers P cos b cos d cosec N
wird. Tafel I enthält die Grenzen der Stundenwinkel für Circummeridianbeobachtungen. Tafel II
den Wert log 3437.75 sinvers P, Tafel III die log cos, log cosec, log sec und log sin innerhalb der
Grenzen der Tafel I und Tafel IV gibt den Wert der ersten Korrektion, d. h. die numeri für
log 3437.75 sinvers P + cos b- cos d'+ cosee N, In Tafel V findet man dann die zweite Korrektion c, mit
den Argumenten N und c,. Das Azimut wird mit Hilfe der Tafel ITL nach der Formel
sin T = sin P cos d sech
gefunden.
Der Fehler, der dadurch entsteht, daß man die erste und zweite Korrektion zunächst mit der
gegißten statt mit der wahren Breite entnehmen muß, wird schließlich durch die in "Tafel VI gebrachte
Korrektion berücksichtigt, in die man mit dem Azimut und dem Unterschied zwischen gegißter und
berechneter Breite eingeht. Dr. M.
B. Neueste Erscheinungen im Bereich der Seeiahrt und der Meeres-
kunde sowie auf verwandten Gebieten,
a. Werke.
Witterungskunde.
Dreis, J.: Die Wunder der Atmosphäre. 8. 96 S. m. 35 Abbildgn, Leipzig 1916, Th. Thomas,
Verlag. 1.00.04.
Physik. „
Berg, A.: Ätherströmungs- und Ätherstrahlungshypothese z. Erklärung der kosm. Strahlungs-
erscheinungen mit besonderer Berücksichtig. d. Erde, d. Jupiter u. vor allem d. Sonne.
8% VI, u. 253 8, München 1916. Verlag Natur u. Kultur, . 3.50 MA.
Verschiedenes.
Fritze, G. A.: Das Schicksal der Seekabel im Kriege und die Leistungen der deutschen
Seekabel-Industrie in Vergangenheit und Zukunft. 8°. 64 S. Essen 1916. G. D. Baedeker.
1.00...