Möller, J.: Eine Taschenuhr, die gleichzeitig mittlere Sonnenzeit und Sternzeit angibt. 335
jedes Jahr, Weiter aber ist man in der Lage, die beiden Zeiten auf zwei ver-
schiedene Meridiane zu beziehen, die. Sonnenzeit z. B. nach Greenwicher, die
andere nach Ortszeit gehen zu lassen. — Hat die Uhr eine Zeitlang stillgestanden,
so ist es notwendig, sowohl die Sternzeitzeiger als auch die Sonnenzeitzeiger
wieder richtig einzustellen. Man stellt in. der gewöhnlichen Weise, ohne auf den
Hebelarm einzuwirken, die Sternzeitzeiger auf ‚eine bestimmte Sternzeit ein.
Dann hält man sie durch den Schieber fest und rückt die Sonnenzeitzeiger an
die richtige Stelle.
Die Uhr würde meines Erachtens an Wert gewinnen, wenn sie noch einen
zweiten Sekundenzeiger bekäme, also je einen für Sonnen- und Sternzeit. . Doch
ist sie auch in der jetzigen Anordnung für verschiedene Zwecke der Nautik von
Nutzen, besonders für Überschlagsrechnungen, bei denen. nur die Genauigkeit
der Minute verbürgt sein soll, z. B. für die Einstellung des Sextanten auf zu
beobachtende Gestirnshöhen, für Deviationsbestimmungen und dergleichen mehr.
— Wenn nach Beendigung des Weltkrieges für die Seeschiffe vielleicht Gelegen-
heit gegeben ist, täglich auf der ganzen Erde ein oder mehrere funkentele-
graphische Zeitsignale zu erhalten, könnte die Uhr, deren Preis sehr mäßig ist,
sehr wohl die teuren Schiffschronometer ganz entbehrlich machen. Man würde
das mit dem Sekundenzeiger verbundene Sonnenzeitwerk nach Zonenzeit, also
auf See am besten nach mittlerer Greenwichzeit gehen lassen und durch die
funkentelegraphischen Zeitsignale täglich unter Kontrolle halten und das Stern-
zeitwerk entweder täglich auf Ortssternzeit einstellen oder auch nach Green-
wicher Sternzeit gehen lassen. Die Anbringung des Längenunterschiedes macht
ja keine Schwierigkeiten. Aber auch andere Kombinationen zwischen Sonnen-
zeit und Sternzeit sind möglich, und dieser Umstand gibt der Uhr sehr viel-
seitige Verwendungsmöglichkeiten.
Besondere Bedeutung hat die Uhr aber in pädagogischer Beziehung, also
in erster Linie für den Unterricht an Seefahrtschulen. Erfahrungsgemäß machen
die zahlreichen Rechenübungen, die für die Sicherheit in der Anwendung der
nautischen Methoden unumgänglich nötig sind, das Arbeiten der Schüler schließ-
lich so mechanisch, daß das Verständnis oft darunter leidet. Der Schüler prägt
sich durch diese Übungen meist ein bestimmtes Rechenschema ganz mechanisch
ein und verliert dadurch den Blick für die Zusammenhänge der Größen, mit
denen er automatisch arbeitet. Die dauernde Benutzung der Uhr ist’ nun ein
ausgezeichnetes Mittel, um das Verständnis der Schüler für so fundamentale
Begriffe der Astronomie, wie Sternzeit und Sonnenzeit es sind, dauernd wach zu
erhalten. . Der Schüler sieht den verschiedenen Stand beider Uhrzeiger auf einem
Zifferblatt vereinigt und bemerkt bei täglicher Beobachtung deutlich das raschere
Vorwärtsschreiten der Sternzeitzeiger gegen die Sonnenzeitzeiger und das zyklische
Auseinandergehen und Wiederannähern im Laufe des Jahres und wird durch
diese Beobachtung zum Nachdenken angeregt und zu tieferem Verständnis hin-
geleitet. Diese Verbindung von Anschauung und Überlegung ist pädagogisch
sehr wertvoll, und schon der Hinblick auf sie empfiehlt die Einführung der Uhr
in den Unterricht der Seefahrtschulen, ganz abgesehen von der rechnerischen
Erleichterung, die durch sie geboten wird. Dr. J. Möller, Elsfleth.
Die Häfen der britischen Kolonie Neufundland.
(Amtlich)
[Fortsetzung.]
3. Häfen am südlichen Teile der Ostküste Neufundlands,
Conception-Bucht (Fortsetzung von S. 224).
Spaniards-Bucht, südlich von Grace-Hafen, ist 1 Sm breit und in westsüd-
westlicher Richtung 3!/, Sm lang. Die Nordseite der Bucht ist im allgemeinen bis
auf kurzen Abstand davon rein.
Der einzige sichere Ankerplatz befindet sich nördlich von der Green-Huk,
die nahe beim inneren Ende der Bucht zu 34 m (112’) Höhe ansteigt. Man ankert