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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 44 (1916)

Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1916. 
Das astronomische Jahr enthält 365.2422 mittlere Sonnentage und 366.2422 
Sterntage. Das auf den Bruch 366:365 abgerundete Verhältnis dieser Tage 
gibt einen brauchbaren Wert für die Entwerfung der technischen Anordnung 
der Uhr. 
Äußerlich unterscheidet sich die Uhr von anderen ihrer Art dadurch, 
daß nur die beiden Minutenzeiger über das große Zifferblatt spielen, während 
für die Stundenzeiger und den Sekundenzeiger besondere Zifferblätter vorgesehen 
sind (s. Figur), Die für Sonnenzeit bestimmten Zeiger sind durch das Zeichen ©, 
die für Sternzeit bestimmten durch einen Stern gekennzeichnet. 
Das Sonnenzeitminutenrohr trägt an der einen Seite den entsprechenden 
Minutenzeiger und an der anderen ein Zahnrad A mit 36 Zähnen. Dieses greift 
in ein Zahnrad B mit 73 Zähnen ein, Ein 
drittes Zahnrad C, das mit B konzentrisch 
liegt, wird durch eine Feder gegen B ge- 
drückt, so daß unter gewöhnlichen Ver- 
hältnissen B und C gemeinsam laufen. 
Doch kann durch eine Schieber-Hebel- 
konstruktion die durch die erwähnte Feder 
verursachte Verbindung zwischen B und C 
gelöst und damit C von B unabhängig 
gemacht werden. Das Rad C hat 61 Zähne 
und greift in ein Zahnrad D mit 30 Zähnen 
ein. D sitzt auf einem Rohr, das sich um 
das Sonnenzeitminutenrohr drehen kann 
und den Sternzeitminutenzeiger trägt. Die 
Übersetzung zwischen A und D wird dann 
durch das Verhältnis 36.61: 30.73— 366: 365 
dargestellt. Der Sternzeitminutenzeiger 
geht also ungefähr in einer Sternzeit- 
stunde einmal um das große Zifferblatt 
porum, während der andere Minutenzeiger hierfür eine mittlere Sonnenstunde 
raucht, 
. Für die Übertragung der Bewegung auf den Sonnenzeitstundenzeiger dienen 
Übersetzungen, die durch das Verhältnis 42 . = = 74 dargestellt werden, für die 
Übertragung auf den Sternzeitstundenzeiger Übersetzungen von dem Verhältnis 
7 = x. Der Sonnenzeitstundenzeiger vollendet also den zwölften Teil, der 
Sternzeitstundenzeiger den vierundzwanzigsten Teil eines Umlaufes, wenn die 
entsprechenden Minutenzeiger je einmal herumgehen, N 
Der Fehler, der dadurch entsteht, daß statt der richtigen Übersetzung 
366.2422 : 365.2422 die genäherte 366 : 365 gewählt wurde, bewirkt ein Voraus- 
eilen der Sternzeituhr um 57.294 Sekunden im Jahr, oder von ungefähr 5 Sekunden 
im Monat. Durch einen Hebelarm, der durch einen Schieber nach Art der bei 
Repetieruhren verwandten bewegt werden kann, läßt sich das Zahnrad C nebst 
allen mit ihm in Verbindung stehenden Rädern zum Stehen bringen. Man kann 
also die beiden Sternzeitzeiger stillstehen lassen, während das Rad B, das nur 
durch eine schwache Feder gegen C gedrückt wird, weiterläuft, Mit ihm setzen 
die Sonnenzeitzeiger ihren Gang fort. 
Der Vorteil dieser Anordnung, die einmal die beiden Zeiten miteinander 
koppelt, das andere Mal beide voneinander unabhängig macht, ist sehr wesent- 
lich und einleuchtend. Hat z.B. die mittlere Sonnenzeit der Uhr einige Minuten 
und Sekunden verloren oder gewonnen, so stellt man die Sonnenzeitzeiger ein- 
fach vorwärts oder rückwärts, und dann korrigiert sich die Sternzeit ganz 
von selbst mit. Will man aber den schon erwähnten Fehler ausgleichen, 
der durch die Anwendung der nicht genauen Übertragung 366: 365 (statt 
366.2422 : 365.2422) entstanden ist, so stellt man die Sternzeitzeiger unter Be- 
tätigung des Schiebers und Hebels unabhängig zurück, also alle Jahre um 
57 Sekunden oder, wenn man größere Genauigkeit wünscht, alle Monate um 
5 Sekunden. Für Überschlagsrechnungen genügt eine einmalige Richtigstellung 
4A
	        
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