Reinicke, G.: Beobachtungen über die Sichtigkeit der Luft, . 333
5. Im Sommer sind die geringen: Sichtweiten seltener und bei Westwind
nur eingetreten, wenn die Sichtigkeit vorübergehend durch eine Böe beein-
trächtigt wurde.
6. Im Winter sind geringe Sichtweiten bei östlichen Winden, selbst bei
mäßigen bis frischen, als Regel anzusehen. Sie kommen im Winter aber auch
bei schwachen westlichen Winden vor,
Wenn sich auch wegen des dürftigen Beobachtungsmaterials weiteres Ein-
gehen, z. B. die Untersuchung der Beziehungen zwischen Sichtweiten und Feuchtig-
keit der Luft oder Bewölkung oder Niederschlägen verbietet, so mögen doch
noch einige Wahrnehmungen hierhergesetzt werden, die, angeregt durch die
Frühbeobachtungen der Sichtweite, gemacht worden sind,
Zunahme der Sichtweite mit der Tageszeit war im Sommer häufig.
Nicht selten, wenn um 9!/, Uhr kleine Sichtweiten waren, wobei höchstens der
Haake-Kamm (11 km) erkannt worden war, trat nach kurzer Zeit, zuweilen schon
nach weniger als !/„, Stunde, die Höhe über Neukloster (26 km) hervor, ohne daß
der meistens schwache Wind zugenommen hätte. In der Mittagszeit wurde dann
auch wohl gesehen, wie der Rauch eines Fabrikschlotes hinter Neukloster und
dem Kamm dort in nur wenig geneigter Richtung, also bei schwachem Winde,
aufstieg. Solche Erscheinungen sind. im Winter nicht beobachtet worden; die
Zunahme kleiner Sichtweiten bei zunehmender Tageszeit trat im Winter ge-
wöhnlich nur mit zunehmendem Winde ein. .
Abnahme der früh beobachteten Sichtweite, namentlich wenn sie
verhältnismäßig groß war, trat im Sommer — abgesehen. von vorüberziehenden
Schauern — wohl am häufigsten bei südöstlichem bis südlichem Winde ein, wenn
Neigung zu Regen- oder Gewitterbildung vorhanden zu sein schien; die Ab-
nahme der Sichtweite fand dann (so weit beobachtet worden ist) zuerst im
Westen statt. Im- Winter hingen auffällige Abnahmen der früh beobachteten
Sichtweiten fast ausnahmslos mit einem Abflauen des Windes zusammen.
Größere Sichtweiten als 26 km konnten wegen der Begrenzung des Hori-
zontes durch. den Kamm hinter Neukloster (abgesehen vom Rauch eines Fabrik-
schornsteins) nicht beobachtet werden, offenbarten sich aber durch klares Her-
vortreten der Landschaft, der Turmspitze von Buxtehude u. a., am häufigsten bei
frischen nordwestlichen bis nördlichen Winden, meistens nach dem Vorüber-
ziehen eines Tiefs.
Die vorstehende, kleine Arbeit macht auf Gründlichkeit keinen Anspruch,
vielleicht regt sie aber zu Beobachtungen auf einem Gebiet an, das sicherlich
mehr Beachtung verdient, als ihm bisher geschenkt ist. An vielen Stellen ist es
möglich, beobachtete Sichtweiten in Kilometern anzugeben. Wenn nur einmal
die Entfernungen verschiedener Objekte festgestellt sind, genügt schon die Nieder-
schrift einer Zahl, und es dürfte zweifellos sein, daß aus einer großen Zahl
solcher Angaben, namentlich wenn die Beobachtungen auch zu verschiedenen
Tageszeiten, vielleicht in Verbindung mit den sonstigen meteorologischen Beob-
achtungen angestellt werden, nicht nur wertvolle Anhaltepunkte für die Praxis
— Nebelsignale usw. — abgeleitet, sondern auch neue Gesichtspunkte für die
Wissenschaft gewonnen werden. können.
Eine Taschenuhr, die gleichzeitig mittlere Sonnenzeit und Sternzeit angibt.
Von erheblichem Wert für alle, die sich mit Zeit- und Ortsbestimmungen
zu beschäftigen haben, also für Astronomen, Geodäten, Nautiker und wohl auch
für Luftschiffer, ist eine neue Taschenuhr,. die von. Prof, Dr. Strömgren,
dem Direktor der Kopenhagener Sternwarte, und dem dänischen Mechaniker
Jens Olsen konstruiert ist. Die Uhr gibt gleichzeitig mittlere Sonnenzeit und
Sternzeit an, und zwar in der Weise, daß die beiden Zeiten beliebig ge-
meinsam oder einzeln für sich verstellt werden können. Ihre Konstruk-
tion beruht. auf. folgenden. Überlegungen: