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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 44 (1916)

Meinardus, Wi:: Über die meteorologischen Arbeiten der. Deutschen Südpolar-Expedition usw. 329 
Die deutsche Kriegs- und Handelsmarine hat. sich an diesem Unternehmen in 
anerkennenswerter Weise beteiligt, wofür auch bei dieser Gelegenheit noch ein- 
mal gedankt werden mag, Es handelte sich dabei um die Ausführung. eines be- 
sonderen täglichen Beobachtungssatzes im Greenwicher Mittag neben den gewöhn- 
lichen sechs Tagessätzen. Das so gewonnene Material hat sich dann noch 
dadurch wesentlich erweitern lassen, daß aus den meteorologischen Schiffs- 
journalen bei der Deutschen Seewarte Beobachtungswerte interpoliert werden 
konnten, die zur weiteren Verarbeitung verwendbar waren. : 
In Gemeinschaft mit Professor Dr. Mecking-Kiel hat dann der Referent 
das gesamte Material zu einer synoptischen Darstellung der Witterungsverhältnisse 
für die Zeit vom 1, Oktober.1901 bis 31. März 1904 benutzt. So entstand der 
eingangs erwähnte Meteorologische Atlas, der die.913 täglichen Wetterkarten 
jenes Zeitraums für die Zone zwischen 30° und 70° S-Br. (in Mercator-Projektion) 
enthält. Die umfangreichen Vorarbeiten, die. zur Sammlung der Beobachtungen 
und zur Herstellung der Karten notwendig: waren — im Ganzen sind etwa 
100000 Beobachtungssätze mit je 6 Einzelwerten darin niedergelegt —, sowie die 
Methoden der Bearbeitung haben wir in einer besonderen Abhandlung des Text- 
bandes unter dem Titel: »Das Beobachtungsmaterial der Internationalen Meteoro- 
logischen Kooperation und seine Verwertung nebst Erläuterungen zum Meteoro- 
logischen Atlas« eingehend geschildert (Bd. III, 2. Hälfte, 1. Heft, 1911). Die 
Verteilung des Beobachtungsmaterials nach Zeit und Raum innerhalb der ge- 
nannten Beobachtungszeit und Zone ist naturgemäß eine ungleichmäßige gewesen, 
so daß die Wetterkarten entsprechende Lücken aufweisen. Trotzdem kann wohl 
behauptet werden, daß die Karten eine geeignete Grundlage für eine vielseitige 
und fruchtbare Diskussion der Witterungserscheinungen in den höheren südlichen 
Breiten darbieten werden; Diese Untersuchungen sind noch nicht zum Abschluß 
gebracht, doch ist bereits eine ausführliche Arbeit aus. den 51 Monatskarten des 
Luftdrucks hervorgegangen, die mit Hilfe der täglichen Wetterkarten entworfen 
und ebenfalls im Atlas veröffentlicht wurden. Sie. stammt aus der Feder 
Meckings und behandelt »Die Luftdruckverhältnisse und ihre klimatischen 
Folgen in der atlantisch-pazifischen Zone südlich von 30° S-Br.« (Bd. III, 2. Hälfte, 
2, Heit, 1911), Darin wird der Nachweis geführt, daß enge Beziehungen zwischen 
den Witterungserscheinungen über der Westantarktis (Grahamland, Weddellmeer, 
Belgica-Meer) und über Südamerika bestehen, Beziehungen, die z. T. auf die 
wechselnden Eisverhältnisse der beiden genannten Meere zurückgehen, 
So hat sich über den engeren Rahmen der Deutschen Südpolar-Expedition 
hinaus durch die internationale Kooperation das Arbeitsfeld über die ganze süd- 
liche gemäßigte Zone erweitert und ist eine Verknüpfung von unzähligen Einzel- 
beobachtungen: herbeigeführt, die von Beobachtern aller seefahrenden Nationen 
nach gemeinschaftilichen Gesichtspunkten zusammengetragen wurden. Deshalb 
darf. der Meteorologische Atlas auch als ein bemerkenswertes Denkmal. inter- 
nationaler Friedensarbeit ‚gelten, dessen Vollendung unter den erschütternden 
Ereignissen des Weltkrieges freilich nur mit einem gewissen Gefühl der Weh- 
mut angezeigt werden kann. W. Meinardus. 
Beobachtungen über die Sichtigkeit der Luft. 
Von Kapt. 6. Reinicke, - 
Ein Gegenstand, mit dem sich die Meteorologie verhältnismäßig wenig be- 
schäftigt hat, der aber für den Seemann, den Soldaten und namentlich auch für 
den Luftschiffer außerordentlich wichtig ist, ist die Sichtigkeit der Luft. Die 
Angaben darüber beschränken sich in den meteorologischen Tagebüchern fast 
ausschließlich auf die (mehr oder weniger unterstrichenen) drei Vermerke: sehr 
sichtig (v), dunstig (m) und neblig (f), wohinzu dann noch als vierter, gewisser- 
maßen selbstverständlicher und daher nicht besonders anzugebender Sichtigkeits- 
zustand auch noch die gewöhnliche Sichtigkeit käme. . 
Aber, was ist gewöhnliche Sichtigkeit? .Wann ist. sie vorhanden oder ünter 
was für Bedingungen pflegt sie einzutreten? 
Ann. d. Hydr. usw. 1916. Heft VI.
	        
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