Barkow, E.: Über die Meteorologie des südlichen .Rossmeeres usw. . 327
im August 1911 im Mittel an, so erhalte ich als Mitteltemperatur der 2000 m
dicken Schicht über Framheim — 33.8° C, ein Wert, der immer noch 11° höher
ist als die Augusttemperatur in Framheim und noch 3° höher als dem auf
die fünfjährige Reihe reduzierten. Mittel entspricht. Wir haben also selbst in
diesem Fall noch eine nicht unbeträchtliche Bodeninversion. Daß im Mittel eine
derartige Temperaturverteilung vorhanden ist, muß zunächst überraschen, da
von keinem andern Punkt der Erde, selbst nicht aus dem Nordpolargebiet, wie
u.a. A. Wegener!) gezeigt hat, eine derartige mittlere Temperaturverteilung
herrscht. Aber nach den Erfahrungen, die ich selbst während der Deutschen
Antarktischen Expedition in der Weddel-See machen konnte, halte ich das
errechnete Resultat nicht nur dem Sinne nach, sondern auch den Zahlenwerten
nach für durchaus wahrscheinlich. Bei dem Vorhandensein solcher Temperatur-
gegensätze in geringer vertikaler Erstreckung ist. eine große Veränderlichkeit
der Temperatur am Boden, auch abgesehen von den oben angeführten Gründen,
wahrscheinlich.
Wende ich dieselbe Methode für den Sommer an, wo sowohl die Tempera-
tur- als auch Luftdruckgegensätze zwar im selben Sinne, aber stark abgeschwächt
vorhanden sind, so wird das Resultat ebenfalls eine Verringerung des vertikalen
Gradienten sein müssen gegenüber den Verhältnissen bei Kap Evans. Die sechs
sommerlichen Ballonaufstiege Simpsons fallen in die Monate November und
Dezember. Ich nehme daher als Basiswerte das Mittel aus diesen beiden Monaten
und erhalte als mittlere Temperatur der untersten 2000 m — 12.3° C, während
das Bodenmittel in Framheim — 11.1° C beträgt. Unter Voraussetzung linearen
Ganges erhalte ich als mittlere Temperaturabnahme für je 100 m 0.06° C, also
einen. sehr ‚geringen Gradienten. Im .Einzelfalle dürften. viele Inversionen, sei
es am Boden, sei es in der Höhe, vorhanden sein; ein Resultat, das auch Mohn
aus den Beobachtungen Amundsens während der Polreise gezogen hatte. Wir
können jetzt wohl allgemein sagen, daß die tiefe Temperatur der Eisplatte
nur eine Erscheinung der untersten Luftschichten ist,
Über die meteorologischen Arbeiten der Deutschen Südpolar-Expedition
1901 bis 1903.
Im verflossenen Jahr ist mit der Herausgabe eines meteorologischen Atlas
die Veröffentlichung des Beobachtungsmaterials abgeschlossen worden, das von
der. Deutschen Südpolar-Expedition. selbst und von der mit ihr in Zu-
sammenhang stehenden »Internationalen Meteorologischen Kooperation«
zusammengetragen wurde, In diesem Stadium der Arbeiten dürfte es für die
Leser dieser Zeitschrift erwünscht sein, einen Überblick über die bisherigen
Veröffentlichungen der Expedition auf meteorologischem Gebiet zu erhalten.
Daher entspricht der Unterzeichnete, unter dessen Leitung jene Arbeiten zu-
standegekommen sind, gerne dem Wunsche der Redaktion, kurz darüber Bericht
zu erstatten.
Die meteorologischen Ergebnisse der Expedition sind in zwei Bänden und
einem Atlas niedergelegt worden, die.im Rahmen des gesamten, bisher 16 Bände
und 2 Atlanten umfassenden »Südpolarwerkes«?) als Band III und IV bzw. als
I. Atlas bezeichnet werden. Der eine, im Sommer 1913 abgeschlossene soge-
nannte Tabellenband (Band IV) enthält das zahlenmäßige Beobachtungsmaterial
in tabellarischer Form, der andere, der Textband (Band IHM), ist den Unter-
suchungen gewidmet, die sich aus den Beobachtungen ergeben. Der Tabellen-
band gliedert sich in drei Hauptteile, welche die meteorologischen Beobachtungen
hand 1 ) A. Wegener, Drachen- und Fesselballonaufstiege. Danmark Expedition nach Nordostgrön-
and, II. Nr. 1. .
2) Titel des Werkes: Deutsche Südpolar-Expedition 1901 bis 1903. Herausgegeben von
E. v. Drygalski. Berlin. D. Reimer.