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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 44 (1916)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1916, 
Die Eisplatte ist durchweg kälter als das Gebiet um den Mac Murdo- 
Sund. Das zeigen schon die gleichzeitigen Messungen bei Kap Armitage und 
der Discoverystation 1902/03; ferner unter andern sehr treffend die winter- 
liche Schlittenreise Wilsons nach Kap Crozier im Juni bis August 1911; 
schließlich, als für einen noch längeren Zeitraum gültig, die Beobachtungen in 
Framheim. Gleichzeitig mit der Temperatur ist aber auch der Luftdruck vor 
allem im Winter in Framheim beträchtlich tiefer als bei Kap Evans. Diese 
beiden Tatsachen lassen sich nur unter der Voraussetzung in Einklang bringen, 
daß die mittlere Temperatur der Luftsäule über Framheim höher ist als über 
Kap Evans, trotz der tieferen Bodentemperatur in Framheim. Da es sich 
bei diesen Mittelwerten um stationäre Zustände handelt, ist dies eine notwendige 
Folgerung. Danach den Ballonaufstiegen im Mac Murdo-Sund bereits Temperatur- 
zunahme mit der Höhe herrscht, so muß demnach diese über der Eisplatte be- 
trächtlich größer sein. Um auch einen quantitativen Einblick zu erhalten, nehme 
ich als weitere Beobachtungstatsache hinzu, daß die Zugrichtung der mittelhohen 
Wolken sowohl wie des Erebusrauches am häufigsten NW ist, während der 
häufigste Wind im Mac Murdo-Sund SO bis O ist, womit die vorherrschend 
östliche Windrichtung in Framheim gut übereinstimmt. In 4000 m Höhe muß 
also ein umgekehrtes Druckgefälle vorherrschen als am Boden. In irgendeiner 
Höhe dazwischen wird ein Ausgleich stattfinden, d.h. es wird der Druckunter- 
schied verschwinden. Da in Framheim keine Zugrichtungen der Wolken be- 
stimmt sind, liegt von dieser Seite keine Bestätigung vor, ob die Druckverteilung 
in der Höhe derartig ist. Im übrigen halte ich mich mit diesen Annahmen im 
Rahmen der Ausführungen von Meinardus‘). 
Mit diesen Voraussetzungen kann ich weitergehen. Ich nehme den Monat 
August, weil in ihm die Ballonaufstiege liegen. Als Ausgleichshöhe, in der der 
Druckunterschied verschwindet, nehme ich 2000 m an und führe zur Kontrolle 
die Rechnung auch für 3000 m durch. Ich berechne mir aus der Temperatur- 
verteilung bei den Ballonaufstiegen nach graphischer Darstellung die mittlere 
Temperatur der Schicht von 0 bis 2000 m, und finde sie 3'/,° C höher als die 
Bodentemperatur, Diese Differenz bringe ich an dem beobachteten August- 
Monatsmittel bei Kap Evans von —29,5° C an. Die mittlere Temperatur der 
2000 m-Schicht wird also — 26.0° C. Der Luftdruck beträgt unten 741.3 mm. 
Nach der barometrischen Höhenformel 
Ah == 67.25 (273 +) Ig 
1 
Ah 
1g bı = 15% — 57 
oder umgeformt 
erhalte ich nach Einsetzen der betreffenden Werte als Luftdruck in 2000 m Höhe 
560.5 mm. Dieser Druck muß nach obigem auch über Framheim in 2000 m 
Höhe herrschen. Aus der barometrischen Höhenformel ergibt sich dann die 
mittlere Temperatur der untersten 2000 m über Framheim, wenn ich in die 
entsprechend umgeformte Formel 
Ah 
= lb 88 
by, = 736.2, by = 560.5 mm, Ah = 2000 m einsetze, Ich erhalte — 19.7° C, während 
das Augustmittel am Boden — 44.8° C beträgt. Führe ich dieselbe Rechnung 
für 3000 m als Ausgleichshöhe durch, so bekomme ich als Mitteltemperatur der 
3000 m-Schicht — 22,4° C. Das Resultat ändert sich dadurch wenig. Die Zahlen 
besagen, daß über der Eisplatte im Winter eine außerordentlich große Temperatur- 
umkehrung herrscht. Im August 1911 betrug sie allermindestens 25 bis 30° C. 
Wenn ich auch den absoluten Werten der Zahlen keinen übermäßig. großen Wert 
beilege, so dürfte auf jeden Fall der Sinn erhalten bleiben. Nehme ich z. B. 
Temperaturabnahme mit der Höhe um 0.5° C auf 100 m im Mac Murdo-Sund 
i) u. a. Geographische Zeitschrift 1914, 20, S. 18—34,
	        
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