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Volltext : Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 44 (1916)

Barkow, E.: Über die Meteorologie des südlichen Rossmeeres usw. 391

remarkably low pressure« hat, eine Erscheinung, die er mit dem. von
Meinardus theoretisch geforderten Tiefdruckgebiet oberhalb 2000 m Höhe in
Zusammenhang bringt.‘
Betrachten wir aber die Gradienten, die dieses Tiefdruckgebiet haben
müßte! Schon nach den Gruppenwerten der Schlittenreise selbst würde zwischen
86° S-Br. und dem Pol, also auf vier Breitengrade eine Druckdifferenz‘ von rund
20 mm herrschen müssen, Nehme ich dagegen die gleichzeitigen Werte von
Framheim; so wird die Differenz: noch bedeutend größer, Um noch mehr die
zufällige Verteilung auszuschalten, nehme ich das Gesamtmittel des Monats Dezember
 für Framheim und das Polarplateau (rund 88° S-Br.) und erhalte als
Differenz der beiden Werte 30.5 mm. Da-der Luftdruck auf der Eisplatte, wie
auch die vorherrschenden Winde zeigen, nach Süden hin ansteigt, und die auf
dem Plateau überwiegend beobachteten SSO—SO-Winde eine Druckabnahme in
der Richtung auf Framheim zu aufweisen, so wird die wahre Differenz noch
größer sein müssen und vielleicht. bis an 40 mm herankommen. Eine andere
Annahme der vertikalen Temperaturverteilung würde die Verhältnisse nur unwesentlich
 zu ändern vermögen. Nehme ich z, B. Isothermie an, was_nach obigen
Darlegungen noch im Bereich der Möglichkeit läge, so würde sich der Gradient
um rund 10 mm abschwächen, Gehe ich näher an adiabatische Verhältnisse
heran, so verstärkt sich. die Luftdruckdifferenz noch. Es bleibt auf jeden Fall
ein unwahrscheinlich großer Luftdruckgradient übrig, wie er nur bei schweren
Stürmen vorkommen dürfte, aber nicht mehr in Monatsmitteln.
Auch in einem Einzelfalle, den. ich hier anführen möchte, und bei dem
ich noch unabhängig gewonnene Zahlen verwenden. kann, zeigt sich eine. derartige
 Druckdifferenz. Vom 1, bis 3. Dezember herrschte auf dem Plateau ein
stürmischer SO-Wind, der nach Mohn ein. Steigen des aufs Meeresniveau reduzierten
 Luftdruckes von dem für den antarktischen Sommer ungewöhnlich tiefen
Druck von 715 mm auf 725 mm am Abend des 3. brachte. Wohl identisch mit
diesem Sturm ist derjenige, von dem Scott am Fuß des Beardmore-Gletschers
mehrere Tage aufgehalten wurde. Dort brachte der sehr warme S-Sturm (dynamische
 Erwärmung beim Herabwehen vom Plateau) am Abend des 3. ein Steigen
des Luftdrucks von 747 auf 759 mm, was’ als besonders auffällig von Scott hervorgehoben
 wird. Wenn an diesen Zahlen wohl auch noch Korrektionen anzubringen
 sind, :so ist doch jedenfalls eine erhebliche Differenz zwischen beiden
Angaben vorhanden, und dabei weht der Wind sehr nahe in der Verbindungslinie
 beider Orte, die rund 400 km voneinander entfernt sind, also auch annähernd
 in der Richtung der Isobaren. Daß diese Stürme keine lokale Erscheinung
 sind, werde ich weiter unten nachzuweisen versuchen. '
Wie lassen sich diese Widersprüche lösen? . Die einfachste Annahme wäre
die, worauf schon die Differenz zwischen den definitiven Mohnschen Höhen und
den vorläufigen Amundsens und Scotts deutet, daß die ersteren zu gering
sind. Wenn der Luftdruckgradient von 30 mm verschwinden soll, so würde das
ungefähr einer Vergrößerung der Meereshöhe von 300 bis 400 m entsprechen.
Selbst dann würde .auch noch ein relatives Tiefdruckgebiet um den Pol vorhanden
 sein. ‘Diese Annahme scheint aber wegen der guten inneren Übereinstimmung
 der Mohnschen Höhenberechnung, der mittlere Fehler ist ja recht
gering, zu scheitern. Und doch :;dürfte ‚sie die gegebene sein, wie ich im folgenden
zu zeigen versuchen will, 8 ; .
. Die Höhenberechnung nach der Staffelmethode setzt voraus, daß der Luftdruck
 zwischen dem Anfangs- und Endwert jeder Stufe sich in gleicher Höhe
nicht ändert, sei es zeitlich, sei es räumlich. Ein Steigen des Luftdrucks zwischen
beiden Beobachtungen läßt die Höhenstufe zu gering erscheinen und umgekehrt.
Steigt der Luftdruck im Verlauf einer längeren Reise systematisch, so werden
natürlich auch‘ die berechneten Meereshöhen zu gering. Geht man denselben
Weg wieder zurück, und fällt zufällig der Druck wiederum systematisch in demselben
 Betrage, wie er auf der Hinreise gestiegen ist, so werden die Höhen von
Doppelstationen gute Übereinstimmung zeigen; der mittlere: Fehler ist gering,
Die absoluten Meereshöhen sind aber doch unrichtig. Dieser an und für: sich
            
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