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Volltext : Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 44 (1916)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1916.

Gegen den letzten Teil der Auffassung Krümmels sprechen neben Schotts
Angaben neuere Beobachtungen von Kapitän Johnston‘!), der angibt, daß die
Strömungen auf der Großen Bank meist Gezeitenströme sind, die durch den Wind
verändert werden; die Windströmung sei zuweilen stärker als die Gezeitenströmung.
 Anderseits stützt Johnston den ersten Teil der Ausführungen
Krümmels, indem er ausführt: »Der kalte Strom (Labradorstrom) kommt die
Küste von Neufundland entlang und spaltet sich am Nordende der Großen Bank
in zwei Teile, deren einer über die größeren Tiefen zwischen der Bank und der
Insel nach Westen und Süden fließt, indessen der andere dem allgemeinen Verlauf
 der Bank an ihrer Ostseite folgt; der erstere Zweig vereinigt sich später
mit der Strömung, die aus dem St. Lorenz-Golf kommt.« Auch Schott hat schon
eine schwache Strömung von St. Johns an längs der Südküste Neufundlands bis
zur Cabotstraße angenommen, faßt diese aber nicht als Zweig der Labradorströmung
 auf; daß an der Südost- und Südküste von Neufundland ein ausgesprochener
 Weststrom vorhanden ist, geht gleichfalls aus den Beobachtungen
von Dawson hervor ®).
Es erscheint mir nach obigem sehr wahrscheinlich, daß Wasser aus dem
Labradorstrom auf dem Wege längs der Küste Neufundlands sich der Cabotströmung
 zugesellt und auf den Schelf an die Küste von Neu-Schottland und
somit weiter südwärts verfrachtet wird, aber dies Wasser wird immer nur von
untergeordneter Bedeutung gegenüber dem Wasser aus dem St. Lorenz-Golf sein,
wie sich schon aus der vertikalen Verteilung der Temperatur auf dem Schelf im
Gegensatz zu der Verteilung im Labradorstrom bei Neufundland ergibt (vgl. S. 304).
Daß Wasser von der großen Bank selbst einen Anteil an dem Wasser auf dem
amerikanischen Küstenschelf hat, ist nicht anzunehmen, mit Ausnahme gelegentlicher
 Verfrachtung infolge stärkerer Winde aus östlichen Richtungen.
Nicht ganz geklärt ist bislang das Ende des Hauptstroms der Labradorströmung,
 wenn er an der Südspitze der Neufundland-Bank angelangt ist. Schott
sagt:3) Ȁhnlich wie die kalten und darum schweren Fluten der Rhone an ihrer
Einmündung in den Genfer See förmlich verschluckt werden von dem warmen,
leichten Wasser des Sees, indem sie, dem Gesetz der Schwere folgend, augenblicklich
 untersinken, findet auch der kalte Labradorstrom ein Ende durch Hinabtauchen
 unter den warmen Golfstrom; immerhin mögen einzelne kalte Stromfäden
nach westlicher Richtung auch an der Meeresoberfläche nach vorwärts dringen.«
Hiergegen wendet Krümmel in seinem Handbuch ein, »daß es undenkbar sei,
daß ein Meeresstrom in einem anderen sein Ende finde, ohne daß dieser das zugeführte
 Wasser mit seinen sehr ausgeprägten physikalischen Eigenschaften
irgendwie aufnehme . . . ferner: ein Hauptzug der Eisberge gehe von der Südspitze
 der Bank nach Westen«,
Ganz spruchreif scheint mir die Frage des Endes der Labradorströmung
noch nicht zu sein, da es gerade hier bislang an regional ausgedehnten Beobachtungen
 fehlt. Ein einfaches Untertauchen des Labradorstromes ist nicht unbedingt
 notwendig, da sein geringerer Salzgehalt, verbunden mit niedriger Temperatur,
 annähernd gleichgroße Dichtewerte ergeben mag wie der hohe Salzgehalt
und die hohe Temperatur des Golfstroms. In eisreichen Jahren dringen jedenfalls
die Eisberge an der Südspitze der Großen Bank bemerkenswert weit westlich
vor*), werden aber in normalen Jahren meist vom Labradorstrom direkt in den
Golfstrom geführt und alsdann ost- und nordwärts versetzt, wie auch Kapitän
Johnston ausführt: »Zwischen dem Ende der Bank (tail of the Bank) und dem
Golfstrom, etwa 2° südlicher, steht gewöhnlich eine schlechte See, ohne Zweifel
verursacht durch das Zusammentreffen der beiden Strömungen. Im April und
Mai ändern die Berge hier in der Regel ihre Triftrichtung, indem sie mit dem
stärkeren Golfstrom wieder nordwärts zurücktreiben.«

') Siehe darüber das Referat in »Ann. d. Hydr.< 1913 S, 612,
°) Vgl. Mecking in »Ann, d, Hydr.« 1905 S. 149 und 150.
3) Geographie des Atlantischen Ozeans. Hamburg 1912 S. 175.
4 Siehe »Annalen d. Hydr. usw.« 1903, Tafel 10.
            
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