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Annalen der Hydrographie. und Maritimen Meteorologie, Juni 1916.
des Salzgehalts außerhalb des Schelfs, der niedrigste Wert, zusammen mit dem
niedrigsten Salzgehalt, vor der Mündung der Chesapeake-Bai mit 1.0184 beob-
achtet. Im Norden, auf George-Bank und German-Bank, ist die Dichte bedeutend
höher als auf dem Schelf zwischen Kap Cod und Chesapeake-Bai (1.0249 bis
1.0255); aber abgesehen von dem Wasser auf den Bänken ist auch das Wasser
in der Mitte des Golfs von Maine an der Oberfläche von größerer Dichte als das
Wasser auf dem südlicher gelegenen Schelf, Dies gilt auch für 18 m Tiefe; was
die größeren Tiefen anbelangt, so sind bis etwa 50 m Tiefe die Unterschiede in
der Dichte gering, nur die südlichsten Stationen, wie Nr. 74 und 77, haben in-
folge der salzhaltigen Zwischenschicht höhere Dichtewerte. In den Tiefen von
91 m und darüber, d. i. bei den Stationen auf dem Steilabfall zur Tiefe, finden
wir erheblich höhere Werte der Dichte als in den entsprechenden Tiefen im Golf
von Maine, wie ein Vergleich der Stationen 76 und 88 zeigt.
C. Die Wasserbewegung auf dem Schelf an der Nordamerikanischen Ostküste.
Wie im Golf von Maine sind 1913 auch auf dem Schelf südlich von Kap
Cod vereinzelte Strommessungen von je etwa 6 Stunden Dauer ausgeführt worden.
Als Ergebnis kann die Wahrscheinlichkeit südwestlicher Trift an der Ober-
fläche und am Boden zwischen New York und Kap May verzeichnet werden; die
Geschwindigkeiten am Boden waren etwas kleiner als an der Oberfläche, wo sie
einen Maximalbetrag von %, Knoten erreichten, Im allgemeinen sind wir für
dies Gebiet ebenso wie für den Golf von Maine auf die Deutung der Beobach-
tungsergebnisse von Temperatur und Salzgehalt angewiesen,
Das nach der Arbeit von Bigelow reproduzierte Kärtchen der Oberflächen-
strömungen (Fig. 2) beruht in der Hauptsache auf dem Verlauf der Isohalinen,
indem dort, wo die Isohalinen Buchten zeigen, ein Vordringen salzarmen bzw.
salzreicheren Wassers angenommen wird, Wir haben so einerseits die Ausbreitung
des salzarmen Wassers aus den Fluß- und Buchtmündungen nach See zu und
anderseits abkurvendes Golfstromwasser nach Land zu mit einer Gesamtresul-
tierenden nach Süden; ein Bild, das den tatsächlichen Verhältnissen im ganzen
gerecht werden dürfte. Bigelow betont, daß das Ganze ein Versuch ist; eine
konstante, durchgehende Strömung sei nicht anzunehmen, sondern eine Reihe von
wirbelförmigen Bewegungen.
Ich glaube aber doch, daß man eine Zufuhr von salzarmem Wasser auf
dem Schelf längs der Küste und aus dem Golf von Maine annehmen darf —
wenigstens für den nördlichen Teil der Küste Nord von Kap May. Und zwar deutet
darauf hin der Verlauf der 32.4 %/.g Isohaline, die in ziemlich gleichem Küsten-
abstand von Kap Elizabeth im Golf von Maine bis nördlich Kap May verläuft,
und innerhalb welcher sich die Ansüßung durch Flußwasser durch weiter herab-
gesetzten Salzgehalt kenntlich macht. Wäre hier keine Zufuhr salzarmen Wassers
von Norden her anzunehmen, so erscheint der Salzgehalt zu niedrig in Anbetracht
der nicht sehr bedeutenden Zufuhr von Süßwasser einerseits und des Andrangs
von atlantischem Wasser anderseits, Gestützt wird diese Ansicht durch die
Ergebnisse von Untersuchungen über die Stromversetzungen, die auf dem nörd-
lichen der vereinbarten Dampferwege zwischen 60° W-Lg und der Küste beob-
achtet worden sind, indem die Versetzungen nach Südwesten ganz unabhängig
von der Jahreszeit die überwiegenden waren‘).
Was die Strömungen in den Tiefenschichten auf dem Schelf anbelangt, so
kommt Bigelow zu dem Schluß, daß weder die Dichte noch die Temperatur oder
der Salzgehalt eine Bewegung des Bodenwassers längs der Küste andeuten, indem
er von dem Profil C (Tafel 9) ausgeht. Er erklärt die Abkühlung der Gewässer
auf dem Schelf als eine Folge der winterlichen Abkühlung des Festlandes, dessen
niedrige Wintertemperaturen von Land nach See zu durch ablandige Winde (vor-
wiegend aus NW und W) verbreitet werden. Im Gegensatz zu Europas West-
küste wird hier nicht das Land durch das Meer erwärmt, sondern das Land wirkt
abkühlend auf die anliegenden Meeresgebiete, Die Hauptgedanken dieser Er-
'1y Siehe »Ann, d. Hydr. usw.« 1903 8. 281 ff,