306 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1916.
größer werdenden Tiefen mehr und mehr vom Boden abzuheben und in etwa
50 m Tiefe mit einem deutlich ausgeprägten Temperatur-Minimum von weniger
als 10°C auch über größeren Tiefen zu verharren. Dadurch, daß sich diese
kalte Schicht zwischen die reguläre Temperaturabnahme von der Oberfläche
zum Boden einschiebt, kommt außerhalb des Schelfs in etwa 100 bis 140 m ein
Temperatur-Maximum zustande, von dem aus die Temperatur sodann boden-
wärts weiter abnimmt. Hierbei sei bemerkt, daß Station 10 anscheinend Fehler
in der Temperaturbestimmung aufweist, daß aber im allgemeinen die Bestimmungen
einen recht zuverlässigen Eindruck machen.
6 7 8 9 10
40° 0 50 4 30° 39° 20 N-Br.
71° 30 W-Lg.
0m
%
an
4
1
4
50
kb
‚00
ex
150
Fig. 3.
200
Temperaturschnitt
querab von Rhode Island im August 1889,
nach Libberv.
500fache Übertiefung.
e 250
O0
_ Als eines der wesentlichsten Ergebnisse der Untersuchungen Libbeys
ist anzusehen, wie aus dem Schnitt klar hervorgeht, daß Auftrieb aus den
größeren Tiefen des Atlantischen Ozeans an der Bildung des kalten,
auf dem Schelf befindlichen Wassers nicht beteiligt ist. Dies erweisen
klar die Bodentemperaturen der Stationen 5 und 6 des Libbey-Schnittes, die
höher sind als die Temperaturen der darüberlagernden Schicht, so daß im
Gegenteil wärmeres Wasser gegen das kalte Wasser auf dem Schelf andringt
und sich mit ihm auf den äußeren Teilen des Schelfs mischt,
Das kalte Tiefenwasser auf dem Schelf und die hohe Temperatur des
darüberlagernden Wassers iühren zur Bildung einer scharf ausgeprägten Sprung-
schicht, die meist zwischen 20 m und 40 m Tiefe liegt; die größten Temperatur-
unterschiede sind in Küstennähe, dort, wo die Bodentiefe am geringsten und die
Bodenschicht am kältesten ist. Hier wurden mehrfach auf 9 m Tiefenzunahme
9° bis 10° Temperaturabnahme festgestellt, bei Station 1 sogar 12°! — Dies sind
mit die größten sprunghaften‘ Temperaturunterschiede, die wir bislang vom
Ozean kennengelernt haben. Weniger scharf ausgeprägt ist die Sprungschicht