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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1916,
Neuschottland durchaus wahrscheinlich. Wenn auch Bigelow in dem homo-
thermen und homohalinen Wasser auf der German-Bank (Station 29, Schnitt A
und Station 95, Schnitt B) nur das Mischungsprodukt der äußerst heftigen Ge-
zeitenbewegung sehen will, so glaube ich doch aus dem Grade der Durchmischung
des Wassers und seiner niedrigen Temperatur schließen zu dürfen, daß es zum
Teil aus nördlichen Gebieten stammt und längs seines Weges auf dem Schelf von
Neuschottland durch stetige Gezeitenwirkung verhindert worden ist, eine aus-
geprägte sommerliche Schichtung anzunehmen. Als sein Ursprungsgebiet wäre
mit Schott!) die Cabotströmung anzunehmen, deren Oberflächensalzgehalt schon
Werte von 32,8% ., erreicht; gegen einen Ursprung aus dem Labradorstrom spricht
neben den von Schott angeführten Tatsachen auch die gleichmäßige Temperatur
von 8° bis 10° in allen Tiefen, während der Neufundlandstrom auch im Sommer
bei Neufundland in 55 m Tiefe Temperaturen von nur +1° bis —1°C auf-
weist?). (Siehe auch den letzten Abschnitt.)
Was die Temperaturverhältnisse des Golfs von Maine anbelangt, so bezieht
sich das von Bigelow gesammelte und diskutierte Material nur auf die Monate
Juli und August, so daß die Eigenart des Gebietes — die abnorm große Jahres-
schwankung der Temperatur des Oberflächenwassers — nicht in die Erscheinung
tritt. So sei denn hier auch nur verwiesen auf die Isothermenkarten von Schott
für die Monate Februar und August?) sowie auf seine Karte der Jahresschwankung
der Oberflächentemperatur des Atlantischen Ozeans*); letztere zeigt uns, daß der
Golf von Maine dasjenige Gebiet des Atlantischen Ozeans ist, wo die Jahres-
schwankung der Temperatur ihre höchsten Werte erreicht — bis zu 19° C!
Bigelow schließt sich in seinen allgemeinen Betrachtungen der Temperatur-
verhältnisse des Golfs der Erklärung von Verrill an, der früher ausgeführt hat,
daß der Golf nicht abnorm kalt sei, wenn man seine geographische Lage und die
Temperatur der umgebenden Landmassen in Betracht ziehe. Hierzu kommt, daß
der Golf im Winter durch ablandige Winde, aus Westen und Nordwesten, sehr
stark abgekühlt wird und daß die tief in das Land einschneidende Fundy-Bai
die Erkaltung noch steigert. Daß der Wasserzufuhr von Norden längs Neuschott-
land kein allzu großer Einfluß auf die Temperatur des Golfs zugeschrieben werden
kann, zeigen unsere Profile A und B, nur auf dem Schelf im östlichen Teil des
Golfs zeigt sich eine beträchtliche Abweichung von der Durchschnittstemperatur.
Die Verfrachtung sowohl tropischen wie auch arktischen Wassers in den Golf wird
erhärtet durch die Feststellung von tropischen und arktischen Planktonformen
im GolH.
Die Küstengewässer von Kap Cod bis Chesapeake-Bai.
A. Die Temperatur.
Die Untersuchungen Bigelows mit dem Fischerei-Schoner »Grampus« auf
dem Schelf zwischen Kap Cod und der Chesapeake-Bai sind sämtlich im Monat
Juli oder Anfang August 1913 ausgeführt; die meisten Stationen liegen auf dem
Schelf selbst, einzelne jedoch auch auf dem Steilabfall zur Tiefsee nahe dem
Golfstrom. So wurde ein Überblick über das in Frage stehende Gebiet gewonnen;
leider war die für die Arbeiten zur Verfügung stehende Zeit knapp, so daß bei
jeder Station nur wenige Tiefenstufen untersucht werden konnten; infolgedessen
ist die Deutung der gefundenen Tatsachen nicht immer gesichert, auch die
Linienführung in den hier gezeichneten Schnitten nicht ganz zweifelsohne. Die
Hauptbeobachtungsergebnisse sind in gleicher Weise wie beim Golf von Maine
sowohl in Schnitten wie in Tabellen wiedergegeben und in Meter und C° um-
gerechnet worden. Ein ganz einheitlicher Maßstab konnte bei den verschiedenen
‘') Siehe Petermanns Mitteilungen 1897, S. 200.
% Siehe Mecking in »Ann. d, Hydr. usw.« 1905, S. 149,
3) Petermanns Mitteilungen 1897, Tafel 15 (Die Temperatur des Golfs von Maine dürfte nach
den ‚bach von Bigelow etwas höher sein, als sie auf den Kärtchen von Schott an-
CcgcCHEN 18%.
58 4) Geographie des Atlantischen Ozeans, Tafel XII.
3.