Brennecke, W.: Neue oOzeanographische Forschungen an der Ostküste der Vereinigten Staaten. 301:
Bai (Station 25, 1912) und vom Westabhang der German-Bank (Station 94, 1913)
wieder. Die Unterschiede gegenüber den Stationen auf großer Tiefe sind in die
Augen springend; auf den Bänken niedrige Oberflächentemperatur. und. hohe
Bodentemperatur und infolgedessen nur geringe. Temperaturänderung mit. zunehmender
Tiefe, besonders. ausgeprägt auf German-Bank an der Südseite von
Neu-Schottland (in beiden Jahren), entgegengesetzt schnelle Temperaturabnähme
(mit Sprungschicht) über den größeren Tiefen. 0
Für diese Erscheinung liefert Bigelow eine ansprechende Erklärung, die
schon auf Verrill zurückgeht, der 1873 die Temperaturen im Golf untersucht
hat: »Die dauernde Mischung des kalten Bodenwassers mit dem wärmeren Öber-Mächenwasser
infolge der heftigen Gezeiten- und lokaler Windströmungen verursacht
die bemerkenswert niedrigen Temperaturen, die in den flachen Gewässern
dieser Küste beobachtet werden.« Da die Gezeitenbewegung am stärksten unter
der Küste von Neu-Schottland und am Eingang der Fundy-Bai ist, so sind hier
auch die Wassermassen am besten durchgemischt und die Temperaturunterschiede
zwischen Oberfläche und Tiefe am geringsten (Oberfläche relativ kalt und Boden
relativ warm); auf Jeffrey-Bank ist die Gezeitenbewegung schwächer, daher auch
der Temperaturunterschied größer, und unter der Westküste herrschen normale
Temperaturunterschiede zwischen Oberflächen- und Bodenwasser, gleich denen
über den großen Tiefen des Golfs. Ob diese von Bigelow gegebene Erklärung
den Erscheinungen ganz gerecht wird oder ob noch andere Verhältnisse mitwirken,
läßt sich ‚schwer jetzt schon entscheiden, aber ohne Zweifel kann die durch
Gezeitenstrom auf den Bänken hervorgerufene Mischung als wesentlich mitbestimmender
Faktor für die relativ niedrigen Temperaturen auf den Bänken betrachtet
werden,
B. Der Salzgehalt und die Dichte.
Einen Überblick über die Salzgehaltsverteilung an der Oberfläche des Golfs
von Maine gewährt uns Fig. 2, die für den Golf von Maine die Verhältnisse im
August 1913, für das übrige Gebiet im Monat Juli 1913 auf Grund der Bestimmungen
des »Grampus« veranschaulicht. Die beiden Jahre 1912 und 1913 zeigen
gewisse kleine Unterschiede. So lagen 1912 die regionalen Unterschiede im Golf
(nördlich der Linie Kap Cod—Kap Sable) zwischen 31.1 %/, und 32.8 %/,o, 1913
dagegen zwischen 31.8 %/,, und 32,8 9/0, jedoch war der Grundzug der Salzgehaltsverteilung
in beiden Jahren derselbe, indem der Westteil des Golfes salzärmer
war als der Ostteil. Im allgemeinen findet man an der Küste zwischen Kap Elizabeth
und Kap Ann den geringsten Salzgehalt, der durch den Süßwasserzufluß
vom_ Lande. her bedingt ist, Soweit sich Schlüsse aus dem immerhin spärlichen
Material der beiden Sommer ziehen lassen, kann man annehmen, daß sich das
salzarme Wasser von der Penobscote-Bai aus hauptsächlich längs der Küste nach
Südwesten ausbreitet, zuweilen, wie im Jahre 1912, findet auch ein zungenförmiges
Vordringen salzarmen Wassers in den zentralen Teil des Golfs statt. Vereinzelte
Flecken etwas salzreicheren und kälteren Wassers an der Nordküste der Massachusetts-Bai
zeigten auch Auftrieberscheinungen, bedingt durch ablandige Winde, an.
Der höchste Salzgehalt an der Oberfläche wurde mit 32.8% 7 an der Ostseite
des Golfs bei German-Bank beobachtet; da hier gleichzeitig am Boden der
Salzgehalt relativ niedrig und nur um 0.15°/,9 höher als an der Oberfläche war,
so deutet auch diese Tatsache gleichfalls auf intensive Durchmischung der Wasserschichten
infolge Gezeitenbewegung hin.
Die beiden Schnitte A und B (Tafel 8) veranschaulichen (unten) die vertikale
Verteilung des Salzgehalts in den Jahren 1912 und 1913. Wenngleich die Unterschiede
nur gering sind, so ergibt sich doch im Westbecken 1913 ein etwas höherer
Salzgehalt sowohl an der Oberfläche wie in der Tiefe als 1912; der Verlauf der
82.5% 09 Isohaline zeigt uns den Einfluß, den die von den Flüssen zugeführten
Süßwassermengen auf die Salzgehaltsverteilung an der Oberfläche ausüben, der
noch deutlicher hervortritt, wenn man z. B, ein Profil senkrecht zur Küste bei
der Penobscote-Mündung zeichnet. .Die mittlere Tiefenlage der 83° 9 Isohaline
ist etwa 60 m, diejenige der 34°, Isohaline etwa 200 m; das Maximum wurde am
Boden der Station 28 mit 34.5402 beobachtet.