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; Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1916.
westliches und östliches Becken bei ersterem schärfer hervortritt. — Bemerkens-
wert ist zunächst, daß wir schon in etwa 100 m Tiefe, ja im Osten sogar in
60 bis 70 m Tiefe Temperaturen von nur 4° bis 5° finden, während außerhalb des
Golfes diese Temperaturen erst in mehr als 400 m Tiefe vorkommen (soweit das
Beobachtungsmaterial uns Aufschluß gibt). Es ist dies die Folge der Gesamtlage
des Golfes als ein in den Schelf eingesenktes Randmeer, dessen Tiefen nur durch
eine schmale Furche in Zusammenhang mit dem freien Ozean stehen. Hierdurch
ergeben sich zum Teil ähnliche Verhältnisse wie in der deutschen Ostsee, wo
auch im Sommer die Tiefenschichten sehr kalt sind, so daß ein großer Gegensatz
zwischen der stark erwärmten leichteren Deckschicht und der kalten schwereren
Bodenschicht besteht, der durch die Sprungschicht charakterisiert wurde. Die
vorliegenden Reihen aus dem Golf von Maine sind zu lückenhaft, um die Sprung-
schicht überall feststellen zu können, doch sei hingewiesen auf Station 6 und 2
(1912), bei denen der Unterschied zwischen der Oberfläche und der 18 m-Tiefe
etwa 9° beträgt! Aber der Golf von Maine zeigt anderseits beträchtliche Unter-
schiede gegen ein Binnenmeer wie die Ostsee, indem er lebhafte Gezeiten-
strömungen aufweist, auch ist er nicht in dem Maße vom offenen Ozean ab-
geschnitten wie die Ostsee, so daß die Wassermassen im Golf von Maine sowohl
durch den Golfstrom wie auch durch Wasser aus nördlichen Gebieten beein-
flußt werden,
Die beiden Temperaturschnitte 1912 und 1913 weichen in der Anordnung
der Temperaturen bedeutend voneinander ab, zeigen auch in einzelnen Teilen
deutliche Unterschiede in bezug auf die Höhe
der Temperatur. So war das westliche
Becken 1913 wärmer als 1912, während um-
gekehrt das Ostbecken 1912 wärmer war als
1913. In ersterem Jahr war die vertikale
Verteilung der Temperaturen im Golf derart,
daß die Temperatur von der Oberfläche nach
der Tiefe zu je nach der Lage der einzelnen
Stationen mehr oder weniger schnell ab-
nahm, bis von einer gewissen Tiefe ab meist
Homothermie eintrat. Im Jahr 1913 finden
wir dagegen, daß das kälteste Wasser in
etwa 80 bis 100 m Tiefe lagert, und darunter
sich wieder wärmeres Wasser befindet. Die
Erklärung für diese Temperaturanordnung
ist wahrscheinlich in der Beeinflussung vom
Ozean zu suchen, indem im Jahre 1913
wärmeres Tiefenwasser, das durch den Kanal
zwischen George- und Brown-Bank ein-
gedrungen ist, die Temperatur der Tiefen-
schichten des Golfs erhöht hat, und zwar
am meisten in der Bodenschicht. Im Jahr
1912 lagert in den Tiefen noch das durch winterliche Abkühlung erkaltete
Wasser, und nur Station 28 im Ostbecken zeigt schon eine ziemlich beträchtliche
Erwärmung. Für diese Erklärung sprechen auch die etwas höheren Salzgehalts-
werte im Westbecken 1913 und bei Station 28 1912; ferner auch der Umstand,
daß die Reihen im Westbecken 1912 im Juli, 1913 im August ausgeführt worden
sind. Es können hier nicht alle Eigenheiten der Temperaturverteilung im Golf,
die auf den beiden Fahrten des »Grampus« festgestellt sind, erörtert werden,
nur der Einfluß der Bodentiefe auf die Temperatur bedarf noch einiger Aus-
führungen. In Fig. 1 sind einige Temperaturkurven zusammengestellt, die diesen
Einfluß veranschaulichen. Station 7 (1912) und Station 88 (1913) kennzeichnen
die vertikale Temperaturverteilung im westlichen Becken, sie zeigen, daß trotz
der oben erwähnten Unterschiede in den beiden Jahren die tatsächlichen
Differenzen gering sind gegenüber den regionalen Unterschieden. Die beiden
anderen Kurven geben die Verhältnisse auf Jeffrey-Bank südlich der Penobscote-