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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 44 (1916)

298 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1916. 
liche Tiefenangaben in Faden, sämtliche Temperaturmessungen in Fahrenheit- 
Graden mitgeteilt, und da ferner die Originalarbeiten nicht überall zugänglich 
sind, so wurden eine große Anzahl von Stationen von mir umgerechnet und neue 
Schnitte gezeichnet; die diesen Schnitten zugrunde liegenden Reihenmessungen 
sind am Schluß der Abhandlung beigefügt. — Wie wertvoll die vorliegenden 
Untersuchungen auch sind, so muß doch bemerkt werden, daß bei dem Versuch, 
die Wasserbewegungen in dem Untersuchungsgebiet aus dem Beobachtungs- 
material zu erklären, der Mangel an Beobachtungen zu einer anderen Jahres- 
zeit als im Sommer Schwierigkeiten macht; auch im Jahr 1914 ist wieder nur 
im Juli und August beobachtet worden, 
1. Das Untersuchungsgebiet, 
Das in den Jahren 1912 und 1913 sowohl hydrologisch wie biologisch 
untersuchte Gebiet erstreckt sich längs der Ostküste Nordamerikas von 37° bis 
45° N-Br., oder von der Chesapeake-Bai bis Neu-Schottland (siehe Tafel 7). 
Zuerst wurde im Sommer 1912 nur der Golf von Maine in Angriff genommen, 
einerseits wegen seiner Bedeutung für die Fischerei und sodann, weil über seine 
Temperatur, seinen Salzgehalt und sein Plankton in der Tiefe wenig bekannt 
war; mit maßgebend war auch, daß er ein in sich abgeschlossenes Gebiet bildet. 
Während die Arbeiten des Jahres 1912 also alle nördlich der Linie Kap Cod— 
Kap Sable gelegen sind, liegt das Schwergewicht der Arbeiten des Sommers 1913 
südlich Kap Cod in der Erkundung der Verhältnisse auf dem Küstenschelf bis 
zur Golfstromgrenze, gleichzeitig wird aber auch der Golf von Maine wieder 
mit in das Arbeitsgebiet einbezogen. In beiden Jahren wurden je etwa 50 Reihen- 
Beobachtungen ausgeführt, zu denen stündliche Oberflächentemperatur-Beobach- 
tungen, gelegentliche Salzgehaltsbestimmungen und eine Anzahl Strommessungen 
hinzutraten. Sowohl 1912 wie 1913 fanden die Fahrten in den Monaten Juli und 
August statt. 
Da die Bodengestaltung in unserem Gebiet von weitreichendem Einfluß 
auf die ozeanographischen Faktoren ist, auch eigenartige Züge aufweist, sind die 
Tiefenverhältnisse nach der deutschen Admiralitätskarte Nr. 442 (1912) auf 
Tafel 7 wiedergegeben, die gleichzeitig die Lage der ausgewählten Schnitte enthält. 
Folgen wir der 200 m-Isobathe, welche die Grenze des der Küste anliegenden 
Schelfs kennzeichnet, so ergibt sich folgendes Bild. Der bei Kap Hatteras etwa 
30 bis 40 km breite Schelf nimmt nordwärts an Breite stetig zu, bei der Chesa- 
peake-Bai beträgt diese schon etwa 95 km, bei der Delaware-Bai und bei Rhode 
Island etwa 130 km, während gleichzeitig die mittlere Tiefenlage von 40 m auf 
50 bis 70 m zunimmt!). Auf etwa 40° N-Br, nördlich der Hudson-Rinne, schwenkt 
die 200 m-Isobathe in weitem Bogen nach Osten aus, um etwa 2 Grad nörd- 
licher nach Westen in den Golf von Maine umzubiegen. Sie umgrenzt hier die 
George-Bank, die dem Golf von Maine, anschließend an die Nantucket Shoals, 
vorgelagert ist, dringt sodann in mannigfachen Windungen, zum Teil durch 
Bänke unterbrochen, tief in den Golf ein, um schließlich in nur 26 km Entfernung 
von ihrer westlichen Abbiegung wieder zu erscheinen, so daß das Schelfplateau 
nur durch eine Furche unterbrochen ist, Der Golf von Maine bringt also in die 
großen Züge des allgemeinen Schelfs keine Abänderung, er erweist sich lediglich 
als eine Vertiefung in dem durch Zurücktreten des Landes verbreiterten Schelf 
oder als ein Schelfbecken, das durch einen schmalen Ausgang mit der See ver- 
bunden ist. Die George-Bank bildet nach Ziemendorff ein Glied in dem von 
Neufundland über Neuschottland ziehenden Faltensystem und kann als Fortsetzung 
der nach Nordost streichenden Alleghani-Kette gelten. Auf der George-Bank 
sind zahlreiche seichtere Bänke vorhanden, die zum Teil nur wenige Meter unter 
dem Wasserspiegel liegen, eine ähnliche Bildung weisen die Nantucket Shoals 
auf. Zu erwähnen ist, daß sich zwischen den Nantucket Shoals und den geringen 
1) Vergleiche hierzu die gute Darstellung von G. Ziemendorff: Der Kontinentalschelf des 
Nordatlantischen Ozeans. Diss. Leipzig (W. Engelmann) 1910.
	        
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