Ann. d. Hydr. usw., XXXXIV. Jahrg. (1916), Heft VI,
7
A
A.
Neue ozeanographische Forschungen an. der Ostküste der Vereinigten
Staaten.
Von Dr. W, Brennecke,
(Hierzu Tafel 7 bis 10)!
Einleitung.
Ebenso wie die europäischen Staaten zu der Erkenntnis gekommen sind,
daß eine gesunde Ausnutzung der anliegenden Meeresgebiete nur möglich ist,
wenn man das Meer und die Veränderungen, welche sowohl jahreszeitlich wie
aperiodisch sich in ihm abspielen, gründlich kennt, in gleicher Weise haben auch
die Vereinigten Staaten von Nordamerika neuerdings die systematische Erforschung
ihrer Küstenmeere als notwendig erkannt. Wenngleich also in erster Linie die
Förderung praktischer Interessen die Triebkraft der Unternehmungen ist, so
schaffen diese anderseits ein umfangreiches Material, das unsere Kenntnis
von den Erscheinungen des Meeres vermehrt und die Meereskunde als solche
fördert.
An der Westküste der Vereinigten Staaten sind in den Jahren 1912 und
1913 die Gewässer der Bucht von San Francisco eingehend von der California
Universität in Berkeley in Verbindung mit dem U, S. Bureau of Fisheries untersucht
worden‘). Ebenfalls im Jahre 1912 setzt die neuzeitliche Forschung an
der Ostküste der Vereinigten Staaten ein, unternommen von dem U. S. Bureau
of Fisheries in Verbindung mit dem Museum of Comparative Zoology.
Das hier zu den Arbeiten benutzte Fahrzeug war der Fischerei - Schoner
»Grampus«, welcher schon in den Jahren 1889—1891 Libbey zu seinen Untersuchungen
über die Temperaturverhältnisse der Tiefenschichten im gleichen
Gebiet gedient hatte?). Die Ausrüstung war zunächst ziemlich primitiv, wurde
jedoch 1913 durch Aufbau eines Laboratoriums, durch Beschaffung einer Lucas-Lotmaschine
und verschiedener Wasserschöpfer und Thermometer ergänzt, Aber
erst 1914 wurden Kipp-Thermometer vom neuesten Typ (wahrscheinlich Thermometer
von Richter) beschafft, so daß das bislang uns vorliegende Material der
Jahre 1912 und 1913 noch durchweg auf Messungen mit Negretti- und Zambra-Thermometern
in Propeller-Rahmen beruht, Wenn diese geschickt gehandhabt
werden — und dies ist auf Grund der ganzen Darstellung anzunehmen — so sind
doch Fehler leichter möglich als mit Richter-Thermometern, die gleichzeitig mit
dem Schöpfer durch Fallgewicht ausgelöst werden, jedenfalls ist die Genauigkeit
der: Temperaturmessungen mit den alten Thermometern im Propeller-Rahmen
nicht sehr groß; der mögliche Fehler wird auf 0.15° C angegeben. Die Bestimmung
des Salzgehalts ist dagegen nach modernen Methoden mittels Chlortitration
erfolgt, auch sind alle Proben zweimal titriert und ist die Zuverlässigkeit
der Flaschen geprüft worden.
Leiter und Herausgeber der Untersuchungen ist Henry B. Bigelow, an
den ozeanographischen Untersuchungen ist namentlich W, W. Welsh beteiligt.
Über die Fahrten 1912, 1913 und 1914 liegen kurze vorläufige Berichte in Science
(N. S. Bd. 38, 1913 S. 599 und Bd. 40, 1914 S. 881) vor. Die Ergebnisse der
Fahrten in den Jahren 1912 und 1913 sind außerdem in ausführlicher Bearbeitung,
ausgestattet mit Karten und Profilen, erschienen ®). Da bedauerlicherweise sämt-8.295
che hierüber das ausführliche Referat von G. Schott. Die Naturwissenschaften 1915,
2 W. Libbey, Report upon a physical investigation of the waters off the southern coast
of New England. Bulletin of the U. S. Fish. Commission, Bd. IX for 1589, S. 391—459. Washington 1891
3 H. B. Bigelow: Explorations in the Gulf of Maine, July and August 1912 by the U. S.
Fish. Schooner „Grampus“, Ozeanography and Notes on the plankton. Bull. of the Museum of
Comparative Zoology at Harvard College. Bd. 58, No. 2, Cambridge, Mass. U. S. A. 1914. Ferner:
Exploration of the coast, water between Nova Scotia and Chesapeake Bay, July and August 1913.
Ebendort. Bd. 59, No. f 1915. . / u
Ann, 8. Hydr. usw. 1916, Heft VI.