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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1916,
Kleinere Mitteilungen.
1. Ein Pendelsextant für Gestirnshöhenmessungen zur See und in der
Luft. Kurz vor Ausbruch des Krieges zeigte mir Prof. Becker, der Direktor
der Sternwarte in Glasgow, einen von ihm konstruierten Pendelsextanten, der
mir nach flüchtiger Erprobung gewisse Vorteile gegenüber den Libellenquadranten,
die ebenfalls zu Höhenmessungen bei unsichtiger Kimm dienen, zu haben schien.
Zu gründlicher Untersuchung wurde mir die Übersendung dieses Instrumentes in
Aussicht gestellt, doch hinderte der Krieg die Ausführung des Planes, Da ich
mich bei Kriegsbeginn-. der Militärbehörde wieder zur Verfügung gestellt hatte
und zunächst längere Zeit im Felde war, entschwand die Angelegenheit zunächst
meinem Gedächtnis, Nach Rückkehr aus dem Felde infolge einer Erkrankung
erinnerten mich die weiten Fahrten unserer Luftschiffe wieder an das Instrument,
das möglicherweise bei der Ortsbestimmung in der Luft brauchbar ist, Wegen
dieser Möglichkeit veröffentliche ich eine Beschreibung des Sextanten.
Professor Becker legte damals Wert auf Bekanntwerden seiner Erfindung
in See- und Luftfahrerkreisen, so daß ich glaube, mich keines Vertrauensbruches
schuldig zu ınachen, wenn ich eine Beschreibung des Instrumentes veröffentliche,
das möglicherweise noch während des Krieges von einem gewissen bescheidenen
Nutzen für die Ortsbestimmung in der Luft sein kann.
An einem Sextanten ABC (Fig. 1) wird ein Spiegel S” ungefähr parallel mit
der Achse F des Fernrohrs fest angebracht.
Von ihm werden die von dem Alhidaden-
spiegel S kommenden und durch den unbe-
legten Teil des festen Spiegels S’ gehenden
Strahlen nach dem Spiegel X zurückgeworfen,
der mit dem Pendel P fest verbunden und
kardanisch aufgehängt ist, so daß er bei jeder
Stellung des Sextanten stets die gleiche Lage
zum Horizont einnehmen würde, wenn er
nicht in ein hier nicht mitgezeichnetes enges
Gehäuse eingeschlossen wäre, das ihm be-
sonders in der Richtung rechtwinklig zur
Sextantenebene nur einen sehr geringen
Spielraum läßt. Sobald der Sextant auch
nur ein wenig schräg gehalten wird, d. h.
sobald seine Ebene nur um wenige Grade
von der vertikalen Ebene abweicht, liegt
der Pendelapparat durch Reibung an der
Wandung seines Gehäuses fest und bewegt
sich nicht mehr.
Die Beobachtung gestaltet sich folgendermaßen: Man hält den Sextanten
so, daß das Fernrohr ungefähr horizontal liegt, und »holt« durch Drehung der
Alhidade das Bild des Gestirns »herunter«, Die von dem Gestirn G ausgehenden
Strahlen werden dann von dem Alhidadenspiegel S nach dem nur zur Hälfte
belegten festen Spiegel S’ reflektiert und von dessen spiegelndem Teile in das
Fernrohr F geworfen. Einige Strahlen gehen jedoch durch den unbelegten Teil
von S’ hindurch zu dem zweiten festen Spiegel S”. Hier werden sie nach dem
Pendelspiegel X reflektiert und von diesem noch einmal zurückgespiegelt. Die
Spiegel S” und X stehen so zueinander und zu dem Sextanten, daß die von X
zurückgeworfenen Strahlen nur dann parallel mit der Fernrohrachse in das Fern-
rohr eintreten können, wenn das Fernrohr F horizontal liegt. Nur in diesem
Falle decken sich auch die beiden Gestirnsbilder, nämlich das durch Spiegelung
an S und S’ entstandene mit dem durch dreimalige Spiegelung an S, S” und 3
erzeugten. Neigt man das Objektiv des Fernrohrs nach unten oder oben, so
wandert das dreimal gespiegelte Bild ebenfalls nach unten oder oben.
Hält man den Sextanten in freier Hand, so wird der Pendelspiegel X’ nie-
mals ganz in Ruhe sein und das von ihm ins Fernrohr geworfene Bild wird
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