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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1916.
Um dies zu sehen, muß man weiter hinaus, über die neuen amerikanischen
Beobachtungen westwärts hinaus gehen und aus Thorades, in dieser Hinsicht
zweifellos zutreffenden Temperaturkarten erkennen, wie in vielen Monaten des
Jahres das charakteristische Kennzeichen für kaltes Küstenwasser, nämlich eine
mit allmählicher Annäherung an Land abnehmende Temperatur, vorhanden ist.
Besonders in den Monaten Juli, August und September hat man auf der Breite
von San Diego unter 140° und 130° W-Lg. entschieden wärmeres Wasser als unter
120° W-Lg. Außerdem ist innerhalb des San Diego-Feldes 118° bis 117° W auf
knapp 80 km West-Ost-Erstreckung diese westöstliche Wärmeabnahme, wenn sie
auch im mehrjährigen Durchschnitt nicht mehr zur Erscheinung kommt, doch
im Mittel einzelner Monate und auf einzelnen Reisen von den amerikanischen
Forschern ebenfalls beobachtet worden, So läßt sich für den Juni des Jahres
1908 in dem schmalen Streifen 32° 35’ bis 32° 40’ N-Br. für Abschnitte von 5 zu
5 Längenminuten folgende Wärmeverteilung berechnen:
Zeit
oc, | 194 | 188 | 176 | 1723 ' 168 | 155 1] Junimittel 1908
Oder ein anderes Beispiel, von 32° 47’ bis 32° 44’ N, an einem einzelnen Tage:
117° | 85 | 32 . 30 1 26 1 2# | 2 | 2 Datum
06. | 219 | 215 | 208 | 205 | 202 | 198 | 195 | 186 | 16. Juli 19127
Aber 6 Tage später fehlte auf der gleichen Breite von rund 32° 45’N
diese Erscheinung; da war das Wasser an der Oberfläche ziemlich gleichmäßig
20°, wie die nächste Reihe zeigt:
117° |
co. | — |
a5 | 32 ' sw | 26 ' 2 | 20 | 16 | ır | Datum
| 205 | 205 | 199 | 2038 | 20.7 | 22. Juli 1912
Es ist schade, daß die an den betreffenden Tagen oder die in dem be-
treffenden ganzen Monate herrschenden Witterungsverhältnisse aus dem ameri-
kanischen Material nicht mitgeteilt werden, um zu beurteilen, ob vielleicht Wind
und Wetter und welche Witterungsbedingungen, wie z. B. Windänderungen, das
Auftreten dieser Auftrieberscheinungen kleinen Maßstabes hervorrufen.
Zusammenfassend kann der unmittelbar vor San Diego befindliche Meeres-
teil im System der Wärmeverteilung des nordöstlichen Stillen Ozeans dahin
gekennzeichnet werden: er besitzt einen durchaus regelmäßigen jährlichen
Temperaturgang, aber er gehört noch als Ganzes genommen zum verhältnis-
mäßig zu kalten Gebiet (also mit negativer Temperaturanomalie); in ihm kommt
auch zeitweise die Erscheinung des kalten Küsten- oder Auftriebwassers Ört-
lich zustande, aber ihm fehlen die besonderen Störungen des jährlichen Wärme-
ganges vor San Francisco.
Die grade in der Breite von San Francisco so überaus stark entwickelte
Eigenart der Wärmeverhältnisse des Meerwassers findet auch durch das neue
amerikanische Material weitere Beleuchtung, zunächst in einem Vergleich mit
der Diego-Gegend und mit atlantischen Temperaturen. Die Entfernung zwischen
San Francisco und San Diego auf dem Wasserwege beträgt rund 420 Sm. Gehen
wir von dem auf gleicher Breite mit San Francisco gelegenen Lissabon um die-
selbe Entfernung südwärts, so erreichen wir Safı an der marokkanischen Küste,
dessen Lage also, räumlich betrachtet, der von San Diego entspricht. Die Wärme-
grade und die Wärmeunterschiede zwischen den zwei Ortspaaren an der pazifischen
und atlantischen Küste stellen sich dann wie folgt: