Schott, G.: Meeresuntersuchungen im Stillen Ozean vor der Bucht von San Diego, Californien. 279
Fig. 3 bringt Diagramme der drei Temperaturreihen. Gehen wir von der
untersten Kurve und. der letzten Reihe aus, so dürfte der aus den Messungen
zahlreicher deutscher Segelschiffe und Dampfer durch Thorade ermittelte, über-
aus merkwürdige jährliche Gang der Wassertemperatur im Ozean außerhalb des
Goldenen Tores vor San Francisco Fie. 3.
in der Hauptsache durchaus richtig xy ı ww. V. VIL VI. IX, X, XL XI
sein, so: im besonderen das sekün- ;
däre Minimum im August und das ©
Maximum im Oktober. Denn dieser
Wärmegang des Wassers entspricht 16
gut dem sicher bekannten Wärme-
gang der Luft über San Francisco
und erklärt die höchst seltsamen,
oft geschilderten Erscheinungen des
Klimas dieser Meeresküste, worüber
man außer Hanns Klimatologie
auch Thorade (a. a. O. S. 70
bis 73) und Schott (»Die Natur-
wissenschaften«, 1915, S. 228) nach-
lesen kann. Zudem hat für diese
Gegend vor San Francisco jeden-
falls reichliches Beobachtungs-
material der Wassertemperatur zur
Verfügung gestanden. .
Anders steht es mit der
zweiten Reihe (der mittleren Kurve
in Fig. 3), die den Tafeln der
Thoradeschen Arbeit entnommen
ist. Wenn auch durch Anfertigung von Isoplethendiagrammen und auf andere. Weise
der Bearbeiter bestrebt gewesen ist, Ungleichheiten und Lücken des Materiales aus-
zubessern, so hat er offenbar doch nicht das Richtige getroffen. Die Beobachtungen
sind wohl zu spärlich gewesen, und wenn auch weiter draußen im Ozean ein der
zweiten Kurve einigermaßen entsprechender jährlicher Gang der Wassertemperatur
an der Meeresoberfläche vielleicht bestehen mag, so gilt er keinesfalls für das
unmittelbar an die Küste grenzende Gradfeld 32 bis 33° N, 118 bis 117° W. Denn
an dem Ergebnis der viele Hunderte von Einzelmessungen der amerikanischen
Forscher umfassenden Reihe läßt sich nicht rütteln. Wahrscheinlich durch die
Verhältnisse vor San Francisco beeinflußt, hat Thorade sein nicht zureichendes
Material für die Diego-Gegend so gedeutet, daß ein im wesentlichen gleicher
jährlicher Gang wie vor San Francisco auch für die Gewässer direkt vor San
Diego herausgekommen ist; und das stimmt nicht.
Die oberste Kurve in Fig. 3 und die erste Reihe in der Tabelle
auf S. 278 haben für die San Diego-Gegend alleinige Gültigkeit. Der
jährliche Temperaturgang des Meeres vor San Diego ist somit im Gegensatz zur
San Francisco-Gegend durchaus normal und zeigt im mehrjährigen Mittel keinerlei
Störungen. Das Minimum fällt, wie fast überall auf dem Weltmeer, in den
Februar und nicht in den Mai, wie Thorade a. a. O. auf Taf. 11, Fig. 20 an-
nimmt, das Maximum in den August. Die Jahresschwankung mit 5.7° erreicht,
bei Berücksichtigung der Landnähe, keinen übermäßig großen Wert,
So angesehen, scheint das neue amerikanische Material zunächst zu dem
Schlusse zu berechtigen, daß der Ozean vor San Diego überhaupt nicht mehr zu
der Auftriebregion gehört, innerhalb deren durch aufquellendes Tiefenwasser,
wie allgemein angenommen wird, die großen Störungen in Meer und Atmosphäre
vor Frisco hervorgerufen werden, Die äquatoriale Grenze des Auftriebgebietes
müßte dann irgendwo zwischen San Francisco und San Diego liegen. Man würde
aber mit solcher Auffassung auch wieder nach der anderen Seite zu weit gehen;
die San Diego-Gegend liegt trotz des normalen Wärmeganges noch
innerhalb des Bereiches des kalten Küstenwassers.