276 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1916.
näher gebracht wird, wobei wir gern erwarten, daß die Amerikaner selbst in
absehbarer Zeit eine vollkommene Bearbeitung noch liefern werden.
Voraus gehen einige Angaben zur Geschichte und Methodik dieser amerikanischen
Untersuchungen vor San Diego.
San Diego, nur etwa 25 km von der mexikanischen Grenze entfernt, liegt
unter rund 32° 45’ N-Br. Das am besten erforschte Meeresgebiet geht im allgemeinen
nicht über das Gradfeld 32 bis 33° N-Br., 118 bis 117° W-Lg. hinaus
(s. Fig. 1); es handelt sich also um geographische Breiten, die etwa den atlantischen
der marokkanischen Küste von Tanger südwärts entsprechen würden. Doch
beschränken sich die Arbeiten durchaus nicht streng auf diese Gegend; die ganze
weite Meeresbucht von Kap Conception ab (34° 27’N), in der die Inseln Santa
Cruz, Santa Rosa, Santa Catalina (zeitweise hier das zoologische Laboratorium
zu Avalon) u. a. m. liegen und an deren flachgeschwungenem Gestade auch San
Pedro mit Los Angeles im Binnenlande als wichtiger Hafenplatz bekannt ist,
wurde in die Erforschung der Fauna des Stillen Ozeans häufig hineingezogen.
Dabei war die Gesamtheit dieser Untersuchungen im Süden wieder nur
ein Teil der vom Department of Zoology der Universität zu Berkeley verantwortlich
geleiteten allgemeinen Meereserforschung des Pazifischen Ozeans, die
nordwärts bis zum Puget-Sund, zeitweise sogar bis Alaska ausgedehnt wird.
Aus ganz kleinen, bis 1891 zurückgehenden Anfängen wuchs allmählich eine feste
Organisation heraus; an die Stelle von offenen Booten, später von kleinen
Schoonern und Seripps Jacht »Loma« trat 1908 das gut ausgestattete Forschungsfahrzeug
»Alexander Agassiz«, und damit begann die systematische Arbeit, mit
neuer Ausrüstung und nach neuen Methoden,
Der »Agassiz« stellt ein als Schoner getakeltes, 28 m langes und 1,5 m
tiefgehendes Schiff dar, besitzt Doppelschrauben, die von Gasolinmotoren getrieben
werden, kann 9 Personen unterbringen und ist natürlich mit einer großen
Dredge-Winde, Lotmaschinen, Laboratorium, Netzen aller Art u. s. f. versehen.
‚Agassiz« ist offenbar nicht unerheblich größer als das neue, für die zoologische
Station in Rovigno bestimmte deutsche Forschungsfahrzeug »Albatroß« (s. Zeitschrift
der Gesellschaft für Erdkunde Berlin 1915, S. 468).
Der »Alexander Agassiz« hat übrigens auch zwei größere Reisen ausgeführt;
gleich im ersten Jahre, 1908, eine nach Süden bis Guadalupe und den
Cerros-Inseln (27° N), und im Jahre 1912 eine mehrmonatige nach Norden über
San Francisco bis zum Puget-Sund. Seinen regelmäßigen Arbeiten in den Gewässern
vor San Diego kommt das überaus gleichmäßige Klima, die im ganzen
sehr ruhige Witterung dieser Gegenden, zugute. So liegt ozeanographisches
Material aus fast allen Monaten des Jahres vor.
In La Jolla, einem etwa 25 km nördlich von San Diego, aber frei und unmittelbar
am Ozean gelegenen Orte, ist seit 1905 die zoologische Station eingerichtet,
für die E. W. Scripps erst eine Jacht, dann wohl auch sonstige Mittel
bereit gestellt hat: daher die Bezeichnung »Scripps institution for biological
research«,
Die Beschreibung der für die pelagische Fischerei und die Grundfischerei
verwendeten Netze ist nur sehr kurz, Erwähnt sei eine instrumentelle Vereinigung
des Kofoidschen Schließnetzes mit zwei Ekmanschen Wasserschöpfern —
deren einer zwei Richtersche Tiefseethermometer trägt — und mit einem Ekmanschen
Strommesser: angeblich hat die Kombination von diesen sechs Tiefseeapparaten
recht befriedigend gearbeitet. Dabei soll der Strommesser nicht als
solcher dienen, sondern die Anzahl Meter angeben, durch die das Schließnetz
tatsächlich hindurch gezogen ist, was bei starker Abtrift allerdings nicht ohne
weiteres ermittelt werden kann, Es setzt eine solche Benutzung des Ekman-Apparates
natürlich voraus, daß das Fahrzeug treibt und nicht vor Anker liegt,
denn sonst würde etwaiger Strom auch registriert werden,
Die bei der ozeanographischen Arbeit befolgten physikalischen und chemischen
Untersuchungsmethoden, deren Beschreibung in großer Ausführlichkeit,
ja Weitschweifigkeit auch manches ganz Bekannte bringt, weichen von den unter
den europäischen Fachgenossen üblichen ab; dies muß Wunder nehmen, da die