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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 44 (1916)

Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1916. 
ihr ein deutliches Minimum vorangeht), der in den letzten Tagen des Monats ein jäher 
Absturz folgt. 
Soweit herrscht Übereinstimmung. Die individuellen Abweichungen der 
Einzelheiten beider Diagramme sind aber auch augenfällig. So sieht man z. B. 
bei Bornö ein scharfes sekundäres Maximum am 10,, dem ein ebenso deutliches 
Minimum am 8. vorangegangen ist, welch letzteres dadurch besonders interessiert, 
daß am selben "Tage eine sehr seltene Erscheinung, Wasser von 35%. Salzgehalt 
in 50M. Tiefe, bei Bornö gefunden wurde. Auch am 13. tritt ein sekundäres Maximum 
bei Bornö auf, am deutlichsten in der 33%) Isohaline, am selben Tag wo die Iso- 
halinen bei Grisbädan ihren tiefsten Stand erreichten. 
Bei Grisbädan sieht man nur ein Anzeichen eines sekundären Maximums 
am 9. oder 10., wogegen vier Tage früher eine bedeutende Erhebung von sämtlichen 
Isohalinen eintrat. Es erscheint nicht unmöglich, daß dieselbe mit dem zwei Tage 
später erfolgenden Anschwellen von 35%°/ Wasser bei Bornö korrespondiert. Nach 
dem großen Minimum am 13. sieht man in dem Grisbädan-Diagramm eine Reihe von 
sehr interessanten sekundären Maxima, besonders deutlich in den 33°, und 34°, Iso- 
halinen, wellenartige Bewegungen von zweitägiger Periode, welche die ganze Zeit 
vom 14. bis zum Ende des Monats andauern. In der Bornö-Kurve macht sich dabei 
keine entsprechende Bewegung bemerkbar, obwohl ähnliche Schwankungen des 
Tiefenwassers daselbst sonst häufig genug sind. 
Man kann das Hauptresultat dieses Vergleichs in wenige Worte zusammen- 
fassen: 
1. Die großen, lange andauernden Niveauänderungen der Isohalinen mit 
einer Periode von etwa einer bis zwei Wochen sind unzweifelhaft für beide Orte 
gemeinsam. 
2. Daneben treten aber in jedem der Diagramme individuelle Verschieden- 
heiten auf, welche wahrscheinlich auf lokale Verhältnisse zurückzuführen sind. 
Unter diesen gibt es bei Grisbädan eine Art ausgeprägt periodischer Bewegungen 
mit einer Periodenlänge von etwa zwei Tagen, während die analogen Bewegungen 
bei Bornö, wenn sie überhaupt periodischen Charakters sind. eine Periodizität von 
drei bis vier Tagen haben dürften. 
Wenn man auch die Diagramme der landfernen Stationen berücksichtigt, 
so sieht man, daß an sämtlichen drei Beobachtungsorten ein scharfes Minimum 
der Isohalinen um den 13. des Monats eintrat, dem je ein deutliches Maximum vor- 
angeht und folgt, welche am schärfsten bei Skagen auftreten, wo auch der Zeit- 
verlauf zwischen den beiden Maxima am größten erscheint. Am 24. und 25. zeigt 
sich wie bei Bornö ein neues, von einer steigenden Tendenz gefolgtes Minimum. 
(Die Beobachtungen wurden bei Skagen am 25., bei „‚Extra II“ und ‚‚Vinga“ 
am 27. beendigt). 
Weil die Beobachtungen von den drei landfernen Stationen so verstreut 
vorliegen, können sichere Schlüsse auf individuelle Verschiedenheiten zwischen 
diesen Diagrammen kaum gezogen werden. Es erscheint indessen, als ob die Am- 
plituden der Niveauänderungen von Skagen, wo sie am größten erscheinen, bis 
Vinga, wo sie relativ abgestumpft vorkommen, bedeutend abnähmen. 
Soviel man aus der vorliegenden, allerdings relativ kurzen Beobachtungsreihe 
schließen kann, unterliegen also die Wasserschichten im ganzen System Skagen-— 
Vinga— Grisbädan gemeinsamen internen Bewegungen allgemeinen Charakters 
mit beinahe gleichzeitigen bis etwa einen halben Monat andauernden Erhebungen 
des Tiefenwassers, Auf diese generellen Bewegungen superponieren sich, wenigstens 
im Küstengebiet, individuelle Schwankungen der Schichtgrenzen, die wahr- 
scheinlich nur innerhalb relativ begrenzter Lokalitäten gleichförmig ausfallen. 
Ob diese letzten Bewegungen seicheartigen Charakters sind, also stehende interne 
Wellen in begrenzten Fjordbecken oder Meeresbuchten darstellen, kann nur durch 
künftige Untersuchungen in größerem Maßstabe entschieden werden. Allerdings 
scheint die Möglichkeit nicht ausgeschlossen, daß auch die generellen Bewegungen 
auf stehende Wellen des ganzen Meeresgebiets Kattegat— Skagerrak (und vielleicht 
auch angrenzender Teile der Nordsee) zurückgeführt werden können. 
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