Eckardt, W. R.: Über die Ursachen der jahreszeitl. Regenfälle in d. westlichen Mittelmeerländern, 269
auch direkt über Norditalien, wie Karte 18 auf Tafel 5 zeigt. Wir haben daher
im Herbst ähnliche Verhältnisse wie im Frühling.‘ Nur muß die Zyklonentätig-
keit trotz weniger tiefen Barometerstandes noch allgemeiner und intensiver sein,
weil das Barometer namentlich östlich vom Mittelmeer höher steht als im Frühling.
Diese Verhältnisse erfahren während des Oktobers noch eine Steigerung und
verschärfen sich noch mehr zum November hin; die Zyklonen vertiefen sich
immer mehr. Ein. neues Tief hat sich außerdem südlich von Italien gebildet,
so daß nunmehr auch wieder häufiger Tiefdruckwirbel vom westlichen Mittel-
meer südostwärts wandern!), während im September über Sizilien noch hoher
Druck lagerte. Da gleichzeitig der Luftdruck über Nordafrika gestiegen ist, so
haben sich auch noch dadurch die Luftdruckunterschiede verstärkt. Daher
kommt es, daß nunmehr auch in ganz Süditalien die eigentliche Regenzeit ein-
getreten ist, nachdem hier schon im Oktober reichlichere Regen eingesetzt haben.
So haben wir im ganzen Umkreis des westlichen Mittelmeerbeckens im Herbst,
besonders natürlich in den nach diesem Meere sich abdachenden Landschaften,
die Hauptregenzeit.
Was die räumliche Regenverteilung und ihre Ergiebigkeit während der
einzelnen Jahreszeiten anlangt, so zeigt sich nach Eredia naturgemäß im all-
gemeinen eine Zunahme der Regenmenge mit der Entfernung von der Küste
und der Annäherung an den Kamm der Apenninen. Auf der Mittelmeerseite
nehmen die Winter- und Herbstregen mit der Entfernung von der Küste im
allgemeinen ab, die Frühlings- und. Sommerregen nehmen zu, Auch die Ostseite,
d.h. die Abdachung zur Adria, hat allem Anschein nach geringe Unterschiede
in dieser Beziehung aufzuweisen. Es heben sich daher, wie Hann wohl mit
Recht vermutet, die zunehmende Entfernung von der Küste und Annäherung an
das Gebirge in ihren Einflüssen teilweise auf. Immerhin ist an der kontinen-
taleren Adria der Sommer wenigstens relativ etwas regenreicher, der November
und Dezember dagegen regenärmer, ebenso Februar und März. Das sekundäre
Frühlingsmaximum tritt an der Mittelmeerküste im März ein, im Innern und
an der Adria im Mai.
Wenn die Landschaft Apulien und die nördlich sich anschließenden Küsten-
teile der südlichen Marken die am wenigsten gut bewässerten Teile der Halb-
insel darstellen, so liegt das nicht nur an der südlichen Lage, sondern auch
daran, daß es ein Regenschattengebiet im Bereich der Winde aus westlicher
Richtung ist, und daß anderseits das Adriatische Meer für die ganze östliche
Abdachung der Halbinsel als Feuchtigkeitsspender ersten Ranges überhaupt
nicht in Frage kommt. Nord- und Ostwinde aber, die das Gebirge mehr oder
weniger senkrecht treffen, haben auch im östlichen Italien vielfach antizyklonalen
Charakter, - Daß jedoch die Ostküste sich in bezug auf die jahreszeitliche Ver-
teilung des Regenfalles nicht sehr bedeutend von der Westküste unterscheidet,
worauf wir wiederholt hingewiesen haben, liegt darin begründet, daß das west-
liche Mittelmeerbecken zufolge der ihm charakteristischen Luftdruckverteilung
eine klimatische Einheit bildet, und zwar von der Ostküste Spaniens bis zur
Westküste der Balkanhalbinsel. Die langgestreckte Apenninenhalbinsel vermag
es nur wenig zu modifizieren; ihr Vorhandensein führt nur zu einer Zweiteilung
des das westliche Becken in der kühleren Jahreszeit charakterisierenden Tief-
drucks: zur Entstehung des ligurisch-tyrrhenischen Minimums im Westen und
des adriatischen Tiefdrucks im Osten; verstärkt sich das eine Luftdruckgebilde,
dann ist dasselbe auch beim anderen der Fall, und umgekehrt. Denn im Sommer,
wo über dem Ligurischen und Tyrrhenischen Meer kein Tiefdruck vorhanden ist,
sondern sich hoher Druck ausbreitet, ist auch das Adriatief so gut wie gänzlich
geschwunden und auch dieser Meeresteil bekommt die Einwirkung des westlichen
Hochdrucks zu spüren, abgesehen davon, daß das sommerkühle Adriatische Meer
selbst den Ursprung des verlängerten Passates ziemlich weit nach Norden ver-
legt, Eine derartige Luftdruckverteilung erklärt ohne weiteres die Tatsache,
daß in Ligurien und. Westitalien die nördlichen Winde im Winter, die südlichen
im Sommer am häufigsten sind, während in Kalabrien und Sizilien das umge-
kehrte Verhältnis eintritt,
+ Vol. Karte 20 auf Tafel 5,