268 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1916.
tritt infolge der schnelleren Erwärmung der Westküste das sekundäre Frühlings-
maximum hier schon im März, an der. vom Winter stärker abgekühlten Adria-
küste ebenso wie in der Poebene und ihrer nächsten Umgebung erst im Mai ein,
Wir kommen weiter unten noch auf die Gründe dieser Erscheinung zu sprechen.
Wenn auch das südliche Italien und die Insel Sizilien ihr Niederschlags-
maximum im Winter aufzuweisen haben, so empfangen größere Landesteile dieser
Gegenden doch auch noch bis in den Frühling hinein ergiebigere Regenfälle,
einerseits deswegen, weil die im Norden vorüberziehenden Tiefdruckwirbel noch
ausgedehnt genug sind, um ihren Wirkungsbereich auch auf diese Landschaften
mit zu erstrecken, anderseits aus dem Grunde, weil der Zyklonenzug vom
Tyrrhenischen Meere nach Südosten erst im Sommer zu erlöschen pflegt.
Im Sommer sind die Luftdruckunterschiede im Bereich des westlichen
Mittelmeerbeckens sowie auch über dem Gebiet der Adria ziemlich gering und
an Stelle des winterlichen Tiefdrucks finden wir ein flaches Hochdruckgebiet, das
wir uns als einen Ausläufer des in seiner Hauptmasse westlich von Spanien ge-
legenen subtropischen Hochdruckgebietes zu denken haben, Es zieht das ganze
westliche Mittelmeerbecken bis zum Gebiet der beiden Syrten sowie ganz Italien
in seinen Wirkungsbereich, und unter seinem Einfluß haben auch Korsika, Sizilien,
die Balearen und Pityusen völlige Sommertrockenheit. Da auch der Luftdruck
über dem westlichen Mitteleuropa infolge des sommerlichen Vorstoßes des Azoren-
hochs steigt, so wird der Einfluß des isländischen Tiefdruckgebietes auf das
westliche Mittelmeer gänzlich ausgeschaltet. Auch Italien hat daher Sommer-
trockenheit. Nur die Poebene. macht insofern eine Ausnahme, als hier auch der
Sommer noch regelmäßigere, wenn auch nicht gerade sehr ergiebige Regenfälle
bringt. Die Ursache hiervon ist darin zu suchen, daß sich in den Sommer-
monaten, hervorgerufen durch die beträchtlichen Temperaturunterschiede zwischen
Ebene und Gebirgen, ein sekundäres Gebiet niedrigen Luftdrucks erhält, das,
wie wir gesehen haben, sich bereits im Mai zu bilden beginnt, das jedoch in
größere Höhen nicht hinaufragt. Da gleichzeitig über der Adria der sonst zu
allen Jahreszeiten deutlich vorhandene Tiefdruck so gut wie gänzlich ver-
schwunden ist, so erklärt sich auch die sommerliche Häufigkeit der vom kühleren
Meere kommenden Winde aus östlicher Richtung über dem östlichen Teile der
Poebene, der naturgemäß zugleich feuchter ist als der kontinentalere Westen,
Daß im Sommer das Vorhandensein des Apenninengebirges kaum einen sehr un-
günstigen Einfluß auf den Regenfall in der Poebene ausübt, geht daraus hervor,
daß auch den Landschaften an der Südwestseite des Apennin nicht viel mehr
Regen zu dieser Zeit zuteil wird als dem Hinterland. Denn auch der westliche
Teil von Mittelitalien, wo sich im Sommer im allgemeinen die nördlichen und
südlichen Winde durchschnittlich das Gleichgewicht halten, während von den
beiden übrigen Quadranten die Winde aus dem westlichen überhand nehmen,
ist zur Zeit des höchsten Sonnenstandes trocken wie die Poebene, abgesehen von
den höheren Erhebungen des Apennin, Die Landschaften Emilia und die Marken
sind freilich absolut selbst da ziemlich trocken, wo die östlichen Luftströmungen
im Sommer vorherrschen. Der sommerliche Hochdruck über dem westlichen
Mittelmeer und die ihm entspringenden, mit einer absteigenden Tendenz ver-
sehenen Winde erstrecken eben ihren Wirkungsbereich bis zur Adria.
Am stärksten ist natürlich die sommerliche Trockenheit im südlichen
Italien ausgeprägt. Denn wenn auch hier die Winde zu dieser Jahreszeit aus
westlicher oder vorwiegend nordwestlicher Richtung kommen, so sind sie immer
nur abgelenkte Strömungen des verlängerten Passates. Nur im Gebirge finden
wir daher auch im Sommer noch ergiebigere und regelmäßigere Niederschläge,
z. B. in Perugia 288 mm, in Ariano 149 mm und selbst in Benevent noch 103 mm.
Im Herbst beginnt der Lultdruck von Osteuropa her wieder zu steigen,
während der Hochdruckwettercharakter im Bereich des westlichen Mittelmeer-
beckens allmählich verschwindet. Da bereits zu Beginn des Herbstes auch die
Adria wieder etwas mehr Tiefdruckcharakter aufweist, indem sich die der
kühleren Jahreszeit eigentümliche Tiefdruckrinne einstellt, so sind besonders für
Mittel- und Norditalien wieder bessere Niederschlagsbedingungen gegeben, ähnlich
wie im Frühjahr. Ferner ziehen im Herbst die Zyklonen häufiger als im Winter