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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 44 (1916)

Eckardt, W. R.: Über die Ursachen der jahreszeitl. Regenfälle in d, westlichen Mittelmeerländern. 267 
schläge des Winters geringer ‚sein als in den Übergangsjahreszeiten, weil zu 
dieser Jahreszeit die regenbringenden Südseiten. ausgedehnter Tiefdruckwirbel 
zumeist ziemlich weit südlich an der Poebene vorüberziehen, wie Karte 19 auf 
Tafel '5 zeigt. Denn die Bahnen der Tiefdruckwirbel, die über Italien führen, 
überschreiten, wenn sie nicht zumeist den hindernisfreien Seeweg nehmen, das 
Tor von Genua, die tiefe Einsattlung der Apenninen daselbst und gelangen hier- 
durch in die Poebene; oder sie gehen, was weit häufiger der Fall ist, auch von 
Livorno, wo sich der Sammelpunkt zahlreicher Depressionen befindet, über den 
Futapaß nach Pesaro, um die Adria zu durchqueren‘?). 
In Friaul und im Küstengebiete von Triest und Venedig gestalten sich 
die Windverhältnisse infolge veränderter Lage zum Meere zwar anders als in 
der eigentlichen lombardischen Tiefebene, weil hier im Winter das näher liegende 
Minimum auf dem Adriatischen Meere, von dem keine orographische Schranke 
scheidet, als Aspirationsgebiet in Kraft tritt. Es sind jedoch auch hier die 
Niederschläge verhältnismäßig gering, und sie würden noch geringer sein, wenn 
nicht das Gebirge die von zeitweiligen Seewinden herbeigeführten Wasserdämpfe 
zu etwas reichlicherer Kondensation zwänge. Denn am Abhange des Karstes 
wie.in Friaul herrschen infolge der Luftdruckverteilung die Nord- und Nord- 
ostwinde in außerordentlich hohem Grade vor. 
In der Landschaft Emilia und in den Marken herrschen im Winter west- 
liche Luftströmungen vor, d.h. es weht der Wind vom Land zum Meere, Dieser 
Zustand ist ganz natürlich: Es sind die erkalteten schweren Luftmassen der 
Poebene und des apenninischen Gebirgslandes, die der warmen Adria, über der 
Tiefdruck lagert, zuströmen. Supan dachte bereits 1881 in seinem mehrfach 
genannten Buche »Statistik der unteren Luftströmungen« (S. 111) an’ die Mög- 
lichkeit, daß diese Westwinde aus Nordwestwinden entstünden, Die später von 
Hann entworfenen Isobarenkarten Süd- und Mitteleuropas bestätigten diese Auf- 
fassung vollkommen, da sich im Winter von der Poebene her südwärts, den 
Rumpf der Halbinsel entlang, zungenförmig hoher Luftdruck ausbreitet, 
Im Frühjahr erweist sich auch auf einem großen Teile der Apenninen- 
halbinsel die fortschreitende Erwärmung für die Entstehung der Niederschläge 
als günstig, denn. fast ganz Nord- und Mittelitalien haben so gut wie ausnahms- 
los ein sekundäres Maximum der Niederschläge in dieser Jahreszeit aufzuweisen, 
Am 'auffallendsten tritt die Erscheinung der kontinentalen Regen in der Poebene 
sowie am Südrande der Alpen zutage. Der Grund hierfür ist leicht einzusehen; 
er besteht darin, daß sich hier ein in beträchtlicher Ausbreitung sich erweiterndes 
Tiefland an den eigentlichen Festlandsrumpf anschmiegt, das überdies durch die 
Alpenmauer gegen Kälterückfälle im allgemeinen vortrefflich geschützt ist. Das- 
jenige Gebiet, von dem die Erwärmung der Poebene ausgeht, ist das auch im 
Winter wärmere Südtirol, über dem sich im Frühjahr ein lokalisiertes Barometer- 
minimum bildet, das sich im Mai über die ganze Poebene ausbreitet, Gileich- 
zeitig hat sich auch das Minimum über dem westlichen Mittelmeerbecken bereits 
vom März ab vertieft und hat sich weiter nach Norden gezogen. Ein Randtief 
an seiner Nordostseite, von der Isobare von 760 mm gebildet, greift über den 
ligurischen Apennin und die Meeralpen hinweg bis in die Gegend von Mailand 
und Modena. Aus diesem Grunde verzweigen sich im Frühjahr die über das 
Mittelmeergebiet hinwegführenden Zyklonenbahnen derart, daß sie nicht nur 
mitten durch die Halbinsel hindurch führen, sondern daß auch über die Poebene 
selbst sowie am Südabhang der Alpen entlang zahlreiche Tiefdruckwirbel nord- 
ostwärts ziehen. Da aber trotz dieser über dem Norden der Halbinsel statt- 
findenden gesteigerten Zyklonentätigkeit Mittelitalien noch in annähernd dem- 
selben Maße wie im Winter von Tiefdruckwirbeln durchzogen wird, so finden 
wir auch in diesen Gebietsteilen ein sekundäres Maximum. der Niederschläge im 
Frühling, Dabei ist bemerkenswert, daß. zwischen der Ost- und Westseite der 
Halbinsel, wie überhaupt, so auch im Frühjahr die Niederschlagsverhältnisse im 
allgemeinen keine besonders großen Unterschiede aufzuweisen haben. Immerhin 
1] Vel. Jedina a. a. 0. ;
	        
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