Eckardt, W.R.: Über die Ursachen der jahreszeitl. Regenfälle in d. westlichen Mittelmeerländern. 265
zug von Tiefdruckwirbelin am ‚günstigsten in dem provencalischen Tiefland
liegen. In der Tat wird die Gegend des nördlichen Mittelmeergebietes zwischen
dem Golf von Biskaya und der Balkanhalbinsel in dieser Jahreszeit am meisten
von Tiefdruckwirbeln durchzogen, wie bereits van Bebber!) eingehend ge-
zeigt hat.
5 Ähnlich liegen die Verhältnisse für das südliche Frankreich im Herbst.
Auch zu dieser Jahreszeit ist der Luftdruck über Südwesteuropa niedrig. Die
thermischen Unterschiede zwischen dem Festland und den beiderseitigen Meeren
sind in dieser Jahreszeit am allergeringsten. Eine flache Hochdruckbrücke
zwischen Spanien und Mitteleuropa ist Zwar auch jetzt noch erkennbar. Doch
hat diese infolge ihrer schwachen Ausbildung weit mehr den Charakter einer
Furche niedrigen Druckes. Denn sie wird besonders im Oktober häufiger von
Tiefdruckwirbeln als. »Zugstraße« benutzt als in jedem der drei Wintermonate,
wenn auch allem Anschein nach nicht so stark wie im Frühjahr. Da jedoch das
Meer im Herbst wärmer ist, so ist die Regendichte eine viel größere; die Herbst-
niederschläge sind daher ergiebiger.,
Daß die warmen Vorderseiten der Zyklonen vom Mittelmeer her ihre
Feuchtigkeit erhalten, geht aus der Regenwindrose hervor, die Charles Martin?)
für Montpellier bezüglich der Richtung des Wolkenzuges aufgestellt hat:
' wo | o | so | s | sw | wo | sw
3% | 197 | 13 | 259 [66 | u [10 [| %
Es ist demnach der Hauptregenwind der Wind aus östlicher Richtung im
allgemeinen, während bei Südwestwind am seltensten Regen fällt, Im Departe-
ment Heörault (zu Montpellier) herrscht aber der Südostwind vornehmlich im
April und Mai und dann im August und September, während die Windrichtungen
aus Nord, Nordost und Nordwest fast ausschließlich in den Monaten November
bis Februar vertreten sind.
Die Apenninenhalbinsel?).
Die Apenninenhalbinsel hat unter den Mittelmeerländern zweifellos das
günstige Klima infolge ihrer maritimen Lage und ihrer geringen Breite. Denn
infolge dieser geographischen Beschaffenheit kommt es im Inneren nicht zu
extremen Temperaturverhältnissen, wie auf, der Iberischen Halbinsel, der Balkan-
halbinsel oder in Kleinasien. Im Innern wird die Apenninenhalbinsel von
Gebirgsketten durchzogen, deren Streichen, wenigstens im großen und ganzen,
zu den Küstenumrissen parallel erfolgt. Über diesem Bergland, welches auch
im Sommer Veranlassung zu regelmäßigeren Niederschlägen gibt, wölbt sich im
Vergleich zur Umgebung ein flacher Rücken höheren Druckes auf.
Was die jährliche Regenverteilung in Italien anlangt, so ist nach Hann%)
der Typus am verbreitetsten, welcher ein sekundäres Frühlingsmaximum, ein
Hauptmaximum im Herbst, ein Hauptminimum im Sommer und ein zweites
schwaches Minimum im Winter aufzuweisen hat. Ihm gehört der größte Teil
Norditaliens an.
1) Die Zugstraßen der barometrischen Minima. Met. Ztschr. 1891, Heit 10. Vgl. auch die
Karten 15 und 16 auf Tafel 5.
2) Met. Zeitschr. 1892 8. 300/304 und 1905 S. 40. Vgl. auch Met. Zeitschr. 1906 S. 426 und
1903 S. 458 über das Klima und den Regenfall zu Perpignan.
3) Italien ist, abgesehen vom mittelmeerischen Frankreich, unter den Mittelmeerländern hin-
sichtlich seiner Regenverhältnisse am besten erforscht, Das hervorragende Werk von Filippo Eredia,
Le precipitazioni atmospheriche in Italia dal 1880 al 1905, Roma 1908, enthält 315 Seiten ausführ-
lichen Text sowie Regenkarten für die Monate, Jahreszeiten und das Jahr, ferner die Monatssummen
des Regenfalls von 214 Orten nach den einzelnen Jahren aufgeführt, die mittleren Monatssummen,
dieselben in Prozenten der Jahressumme ausgedrückt usw. Derselbe Gelehrte hat auch die Windver-
hältnisse Italiens bearbeitet: I Venti in Italia Revista Tecnica di Aeronautica und Boll d. Soc. Aeron.
Italiana 1907, 1908, 1909 Roma 1909.
4) Vgl. hierüber; Handbuch der Klimatologie, 3. Aufl., III. Bd,, S. 134/136.
Anz. d. Hrdr. usw. 1918. Heatt V