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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1916.
Das mittelmeerische Frankreich hat sein hauptsächliches Regenmaximum
durchweg im Oktober, und zwar beginnt die Hauptregenzeit im September und
geht im November zu Ende, ein zweites, sekundäres Maximum finden wir im
allgemeinen im April, aber auch März und Mai sind noch ziemlich reich an
Niederschlägen. Der Sommer ‘ist die Trockenzeit; der trockenste Monat ist
der Juli mit nur 10 bis 24 mm Niederschlag; bedeutend feuchter sind die Winter-
monate, vor allem Dezember und Januar,
Mitten durch das französische Zentralplateau erstreckt sich im Winter
von den Alpen her nach der Mitte der Pyrenäenhalbinsel eine Brücke hohen
Luftdrucks, der überwiegend nördliche Winde entströmen, die in das über dem
westlichen Mittelmeere gelegene. Gebiet niedrigen Luftdrucks abfließen. Es
herrschen somit im Winter am häufigsten Nord- und Nordwestwinde im mittel-
meerischen Frankreich, das durch diese mindestens ebenso stark abgekühlt wird
wie das Östliche Spanien, weil es dem erkältenden Einfluß - des Hinterlandes in
gleicher Weise ausgesetzt ist wie dieses, Wir finden daher an dieser Stelle das
typische Mistralklima in seiner reinsten Ausprägung, und es ist ohne weiteres
klar, daß der Winter nicht die Hauptregenzeit für das mittelmeerische Frank-
reich sein kann, wenn auch die flache französische Hochdruckbrücke während
des Winters von Tiefdruckwirbeln, die ihren Weg von der Biskayasee nach dem
Mittelmeer nehmen und dem Lande Niederschläge bringen, öfters durch-
furcht wird!),
Aber auch im Sommer herrscht im größten Teile des mittelmeerischen
Frankreich der Nordwind vor, weil eine Zunge hohen Luftdrucks vom Azoren-
hoch her sich bis Mitteleuropa ausdehnt. Nur die Küste macht eine Ausnahme,
weil wir über dem nördlichen Teil des westlichen Mittelmeerbeckens ebenfalls
als Fortsetzung des Azorenhochs eine Zunge höheren Druckes vorfinden, so daß
das Küstengebiet des mittelmeerischen Frankreich von einer flachen Tiefdruck-
furche bedeckt wird. Aus diesem Grunde ist hier im Sommer derjenige Wind
am meisten vertreten, bei dem es am seltensten regnet: der Westwind.
Schon aus dieser allgemeinen Charakteristik der Luftdruckverteilung in
den beiden extremen Jahreszeiten geht deutlich hervor, daß im Hinterlande des
mittelmeerischen Frankreich, im Lyonnais-Gebirge, das sich westlich von Lyon
erhebt und das Departement Rhone bildet, die Winde aus polarer Richtung das
ganze Jahr hindurch vorherrschen.
Das Minimum der nördlichen Winde fällt in den Herbst, das Hauptmaximum
in den Winter, während der Sommer durch ein sekundäres Maximum aus-
gezeichnet”) ist. Aus diesen Tatsachen geht aber der regenfeindliche Charakter
der extremen Jahreszeiten so deutlich hervor, daß wir uns auf eine weitere Be-
gründung gar nicht einzulassen brauchen. Es bliebe uns demnach nur noch
übrig, die Ursachen zu erörtern, die der Entstehung der hauptsächlich in den
Übergangsjahreszeiten fallenden Niederschläge günstig sind. Zum Teil haben
wir auch diese schon kennen gelernt. N
Was die Luftdruckverteilung in den UÜbergangsjahreszeiten anlangt, so
zeichnet sich diese vor allem dadurch aus, daß der Luftdruck über dem nörd-
lichen Teile des westlichen Mittelmeerbeckens nicht nur absolut, sondern auch
relativ fast durchweg der niedrigste über ganz Mittel- und Südeuropa ist.
Schon diese Tatsache an sich spricht bis zu einem gewissen Grade für einen
zyklonalen Witterungscharakter in jenen Gegenden. Außerdem aber kommen
noch folgende Umstände hinzu, durch die die Zyklonenbildung daselbst ge-
fördert werden muß. Im Laufe des Frühlings sinkt der Luftdruck infolge der
hier einsetzenden stärkeren Erwärmung über ganz Südwest- und Mitteleuropa
verhältnismäßig stark, während er über dem Nordmeere ansteigt, zum Teil auch
über Nordeuropa selbst. Das für Südfrankreich ausschlaggebende Tief ist im
April am kräftigsten entwickelt und liegt mit seinem Kern zwischen Marseille
und Korsika. Dadurch aber werden Bedingungen geschaffen, die für den Durch-
‘') Vgl. hierüber auch: Gh. Houzel, Climatologie de France. Paris 1913.
2) Vgl. hierüber: A. Supan, Statistik der unteren Luftströmungen. Leipzig 1881, 8. 65.