Eckardt, W. R.: Über ’die Ursachen der jahreszeitl. Regenfälle in d. westlichen Mittelmeerländern., 263
massen zu dieser Jahreszeit von ihrer Feuchtigkeit während des Sommers stark
verloren haben. Daß die Ausdehnung des Meeres gerade bei dem ozeanischen
Typus der Herbstregen mit am meisten zur Geltung kommt, liegt auf der Hand,
Denn die Verteilung . der relativen Regenmengen an der Küste Algeriens steht
in deutlichem Zusammenhang mit der Breite des westlichen Mittelmeerbeckens,
nach den Meridianlinien betrachtet: je weiter wir uns ostwärts wenden, um so
feuchter wird das Gebiet. Die breite Wasserfläche erzeugt die Dünste, deren
Verdichtung der Grund des Regens ist, während die westlichen. Atlasländer bei
Winden nördlicher Herkunft im Regenschatten Spaniens liegen,
Bei der je nach der Jahreszeit mehr oder weniger gesteigerten oder teil-
weise auch fast gänzlich ruhenden Zyklonentätigkeit und ihren Folgen, den
Niederschlägen, ist demnach für die Windverhältnisse der Atlasländer in ihrem
Zusammenhang mit den Regenfällen im großen und ganzen folgendes charakte-
ristisch.
Im Winter treten von Süden nach Norden die West- und Südwestwinde
immer häufiger auf und erlangen im Norden sogar die völlige Vorherrschaft;
im Sommer herrschen über dem größten. Teil des Gebietes die Winde aus nörd-
lichen Richtungen stark vor, teilweise so gut wie ausschließlich, Je weiter wir
nach Süden gehen, um so länger und regelmäßiger weht die passatische Wind-
richtung. So herrschen z.B. in Marokko am Kap Juby acht Monate hindurch
Nordnordostwinde; von November bis Februar sind hier die Winde veränder-
lich, aber der Nordost herrscht vor. In Mogador sind ebenfalls Nordnordost-
und Nordost die vorherrschenden Windrichtungen von Mai bis Oktober. Im
Winter hingegen sind von November bis März oder April südwestliche, westliche
oder auch südliche Winde nicht gerade selten. Gehen wir in den äußersten
Osten der Atlasländer, so herrscht im nördlichen Teile Tunesiens im Winter
Westnordwest vor, dann dreht sich der Wind mehr nach Norden. Denn im
Frühling herrscht der Nordwest und im Sommer und Herbst der Nordnordwest
in erster Linie, Im mittleren, östlichen Teile von Tunesien unter 36° bis 35° N-Br.,
herrscht im Winter auch noch der Nordwest vor, dann wird der Wind östlich,
nämlich Nordnordost im Frühjahr, Nordost im Sommer und Ostnordost im Herbst,
Im südlichen Teile, etwa südlich von Sfax, herrscht dagegen das ganze Jahr der
Nordost). -
Zwar fällt im weitaus größten Teile der Atlasländer auch im Winter das
Maximum der Häufigkeit auf den Wind aus nördlicher Richtung, aber man er-
kennt an dieser Tatsache wiederum deutlich, wie ein Klima u. a. nicht immer durch
vorherrschende Winde charakterisiert wird, sondern daß man sich gewöhnen muß,
viel mehr die Gesamtheit der Winde zu berücksichtigen, um deren Beziehungen
zu den übrigen meteorologischen Elementen zu verstehen. So wehen z.B. im
Herbst, wo die marokkanische Küste reichlichere Regen empfängt, die Winde aus
südlicher bis westlicher Richtung nur in 18 Fällen, der Nordostwind aber in
nicht weniger als 84 Fällen, der doch auch für die übrigen Jahreszeiten ab-
wechselnd mit dem reinen Nordwind durchaus der vorherrschende ist,
Das mittelmeerische Frankreich,
Ganz Frankreich hat, mit Ausnahme der nordwestlichen Küstenzone, Mai-
und Oktoberregem; doch stellen die letzteren zusammen mit den September- und
Novemberregen die eigentliche Regenzeit dar, wie ja überhaupt die Herbstregen
eine allgemeine Erscheinung des westeuropäischen Seeklimas, sind, Wenn auch
im Innern des Landes die Sommerregen reichlicher werden und die Winter-
niederschläge abnehmen, so ist doch der Juli, der Hochsommermonat, im größten
Teile Frankreichs verhältnismäßig trocken. Wir haben daher in Frankreich
einen Übergang zu den Regenverhältnissen Südeuropas. Uns kann natürlich, dem
Gegenstand unserer Untersuchung entsprechend, in der Hauptsache nur das
Klima der mittelmeerischen Küste Frankreichs hier näher interessieren, also des-
jenigen Teiles, der direkt unter dem Einfluß des Mittelmeeres steht.
u J. v Hann. a. a. O. 8. 80.