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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 44 (1916)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1916. 
Auch im Herbst herrschen in den Atlasländern noch teilweise ähnliche 
Verhältnisse wie im Sommer. Denn die Atlasländer zeigen den merkwürdigen 
Temperaturgang, wie er für das ganze nordafrikanische Küstengebiet charakte- 
ristisch ist und sich dadurch auszeichnet, daß sich auch das Festland nur sehr 
Jangsam abkühlt. Ja, in Kap Juby und Mogador in Marokko, tritt das Temperatur- 
maximum überhaupt erst im September ein, und der Oktober ist fast so warm 
oder gar wärmer als der Juni. Im September liegt eben noch ganz Nordwest- 
afrika im Wirkungsbereich des verlängerten Passates, der erst im Laufe des 
Oktober in das Innere der Atlasländer zurückweicht. Erst dann bildet die 
Zyklone des westlichen Mittelmeeres ihren für die kühlere Jahreszeit typischen, 
nach der Meerenge von Gibraltar sich erstreckenden »Regenwinkel« aus, wie wir 
ihn z. B. auf Karte 15 bis 17 auf Tafel 5 in Einzelfällen so deutlich ausgeprägt 
finden, wie das auf den von J. v. Hann entworfenen Karten!) der mittleren 
Luftdruckverteilung des Oktober der Fall ist. 
Ein großer Teil der Atlasländer schmachtet daher auch noch zu Beginn 
des Herbstes aus denselben Gründen wie im Sommer unter der Trockenheit. 
Im Laufe dieser Jahreszeit beginnt sich jedoch besonders in den Küstengebieten, 
also da, wo das nunmehr am höchsten temperierte Meer mit dem allmählich er- 
kaltenden Festland unmittelbar in Berührung tritt, der ozeanische Typus der 
Herbstregen einzustellen. Ein Blick auf die Isobarenkarten des März und 
Oktober, wie sie Teisserenc de Bort entworfen hat, zeigt denn auch ohne 
weiteres die Ähnlichkeit, die zwischen den beiden Monaten besteht. Denn eine 
verhältnismäßige kräftige Rinne niedrigen Luftdrucks setzt sich im Oktober 
gleichwie im März von der algerisch-tunesischen Küste über die Nordspitze 
Marokkos hinweg noch ein Stück in den Atlantischen Ozean hinein fort, während 
höherer Luftdruck im Nordwesten lagert, Wir haben es demnach gleichwie im 
zeitigen Frühjahr und im Herbst wieder mit einer ziemlich weit südlich sich 
geltend machenden und gesteigerten Zyklonentätigkeit über dem Küstengebiet 
zu tun, das um diese Jahreszeit natürlich viel wärmer ist als im Frühling. 
Ganz ähnlich müssen auch die Verhältnisse im östlichen Tunesien liegen, 
Denn während hier der Regen im Winter und Frühling namentlich bei Nord- 
westwind fällt, bringen hauptsächlich Winde aus Norden und Nordosten die 
gelegentlich im Sommer fallenden Regen sowie die regelmäßigen Herbstnieder- 
schläge, die ebenso wie erstere zwar von kurzer Dauer, aber von beträchtlicher 
Intensität sind. Wenn wir einen Blick auf die Isobarenkarten Hanns werfen, 
so sehen wir, wie gerade an der Nordostecke der Atlasländer im September und 
Oktober die Isobaren einen eigentümlichen Verlauf aufzuweisen haben, der diese 
Erscheinung erklären kann und auf einen ziemlich weit im Süden stattfindenden 
Zug flacher Tiefdruckgebiete hindeutet. Speziell im September erstreckt sich 
südlich von Sizilien bis in die Gegend der kleinen Syrte verhältnismäßig hoher 
Luftdruck, während über Tunesien und dem östlichen Algerien tiefer Luftdruck 
lagert, der durch eine flache Rinne mit dem westlich von Italien lagernden Tief 
in Verbindung steht, also wohl jedenfalls den Effekt einer Zugstraße von baro- 
metrischen Tiefdruckgebieten darstellt. Noch eigenartiger aber sind die Luftdruck- 
verhältnisse im Oktober, wo zwar der Luftdruck über den Bergländern wieder 
stärker steigt, während an der algerischen Küste sowie in der Gegend der beiden 
Syrten der Verlauf der Isobaren größere Unregelmäßigkeiten in Gestalt mehrerer 
Ausbuchtungen aufzuweisen hat. So kommt es, daß die marokkanische Küste 
sowie weite Teile der algerischen und tunesischen Küste auch im Herbst reich- 
liche Regenfälle erhalten, die bei weiterer Abkühlung des Festlandes und Zurück- 
weichen des Passates allmählich auch den Binnenlandschaften zugute kommen, 
so daß wir in manchen Teilen der Atlasländer ein zweites Maximum der Nieder- 
schläge im Herbst finden. Doch kommt es in dem Gebiet der eigentlichen 
Frühlingsniederschläge trotz der außerordentlichen Ähnlichkeit in der Luftdruck- 
verteilung zwischen März und Oktober im Herbst wohl in der Hauptsache aus 
dem Grunde nicht zu einer allgemeinen eigentlichen Regenzeit, weil diese Land- 
* Vgl. auch die Karten von Teisserene de Bort. a. a. 0.
	        
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