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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 44 (1916)

Eckardt, W. R.: Über die Ursachen der jahreszeitl, Regenfälle in d. westlichen. Mittelmeerländern. 261 
Während. also. im... Winter die ..vom Mittelmeere und .vom Atlantischen 
Ozean ‚kommenden Luftmassen ihre. Feuchtigkeit zu. einem. guten Teile schon 
über den selbst flachen und niedrig gelegenen Küstengegenden verdichten, weil 
sie hier bereits eine kräftigere Abkühlung erfahren, ändern sich die Verhältnisse 
zum Frühling. derartig, daß .die vom Ozean herangeführte Feuchtigkeit. in. den 
nunmehr wärmeren Küstengebieten seltener. ausgeschieden wird!); es sei.denn, 
daß eine allgemein stärkere Zyklonentätigkeit, die oft Gewittererscheinungen zur 
Folge hat, herrscht, und die somit auch diesen Gebietsteilen stärkere Regenfälle 
zukommen lassen kann. Im allgemeinen werden daher die vom Meere kommenden 
Winde . über . diesen warmen. und: niedriger, gelegenen. Küstengebieten ihre 
Feuchtigkeit nicht abgeben können; sie werden sie.vielmehr erst beim Empor- 
steigen an den kühleren Gebirgsmassen des Innern zu. Geländeregen. verdichten. 
Anderseits aber dürfen wir auch nicht vergessen, daß gerade. bei einem so viel- 
gestaltigen Relief, wie es die Atlasländer aufzuweisen haben, die ungleich er- 
wärmten Luftmassen starke Vertikalströmungen ‚erzeugen und gerade in den 
Plateauländern und Einsenkungen Veranlassung zu häufigen Gewitterregen geben 
müssen, ganz abgesehen davon, daß..der im Frühjahr zumeist vorhandene labile 
Gleichgewichtszustand der .Luft der‘ Entstehung der Niederschläge überhaupt 
sehr förderlich ‚ist. Die Vermutung, daß im Frühling die vom Winter her an 
Ort und Stelle oder in der weiteren Umgebung — in diesem Falle in den nörd- 
lichen . Küstengebieten — noch vorhandene Feuchtigkeit auf dem. Lande eine 
Rolle dabei spielen dürfte, ist natürlich hier mehr als irgendwo berechtigt. 
Denn sie ist ja eine Voraussetzung für das Zustandekommen. des. kontinentalen 
Regentypus überhaupt. . 
Zum Sommer hin ändern sich in.den Atlasländern :die klimatischen Ver- 
hältnisse insofern, als die von Süden her weiter stark zunehmende Temperatur 
selbst in den höheren Gebirgslandschaften.der Atlasländer, und der: südlicheren 
Lage entsprechend naturgemäß viel. früher als in Spanien, dem Kondensations- 
prozeß hinderlich wird, wenngleich naturgemäß auf den höchsten Erhebungen 
immer noch. zeitweise die Bedingungen für Regen gegeben sind. So haben auch 
die Atlasländer im Sommer. ihre Trockenheit, Denn nachdem der Regenreich- 
tum bereits im April nachgelassen hat, hören die. allgemeiner verbreiteten und 
ergiebigen Regenfälle in der Regel bereits im Mai auf. Die Atlasländer kommen 
dann in das Gebiet des verlängerten Passates zu liegen, der vom Mittelmeer und 
vom Atlantischen Ozean im Westen vorwiegend als Nord oder Nordwest niederen 
Breiten .zuströmt,. ohne daß jedoch diese Winde aus polarer Richtung während 
des Sommers zu ausschließlicher Herrschaft gelangten... Aber gleichwie wir an 
dem Beispiel Spaniens gesehen haben, ist der zu. einem Südwest- oder Westwind 
umgelenkte Passat im allgemeinen auch in den Atlasländern aus denselben Gründen 
ebensowenig imstande, dem Gebiet, das er überweht, im Sommer verbreitete oder 
ergiebigere Regenfälle zu bringen, wenngleich wie in Spanien, so. auch hier, die 
inneren und höher gelegenen Teile relativ doch noch besser. benetzt als die 
Küsten erscheinen, wenn wir uns die folgende, sehr lehrreiche Tabelle betrachten.?), 
Die Regenperiode der Binnenländer ist hier in Differenzen der Periode an der 
Küste ausgedrückt. Die für das Küstenland selbst geltenden Zahlen sind die 
monatlichen Regenmengen in Prozenten. der Jahressumme. ... 
Jan: | Febr. März! April | Mai | Juni! Juli ’ı Aug, | Sept. | Okt, |'Nov. | Dez. 
Algerisches Küstenland 
CK 
Tell-Atlas (16 St.) . . 
Hochebene und Sahara- 
rand (6 St). 00. 
EN 
0.408 —+0.4/+ dr +0.7| 08 + —2.6/—40 
_33l_25 0.1] 43.64 5.442.214 1:5 42.91-46.11 40.4 — 6.61 — 9,8 
1) Vgl. Raulin, »Über das Regensystem Algeriens.« Österr, Met. Zeitschr., Bd. V, S, 499. 
2) Österr. Meteor. Zeitschr. 1884, S. 69. Vgl. auch Heft IV S. 201 die Tabelle. für Spanien.
	        
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