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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 44 (1916)

260 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1916. 
druck- und Temperaturverhältnisse den Zyklonen, oder doch wenigstens den 
warmen, regenbringenden Aquatorialseiten dieser, einen ziemlich weit südwärts 
gelegenen Weg auf ihrem ostwärts gerichteten Fortschreiten wiesen. So ist es 
kein Wunder, wenn gerade vom Dezember bis zum Frühjahr der Nordwesten 
Afrikas, also Marokko und vor allem auch die sich zum Mittelmeere abdachenden 
Gebiete der Atlasländer, auf weiten Gebieten die meisten Niederschläge empfangen 
und im allgemeinen besser bewässert sind als Spanien, Daß hierin die der Küste 
benachbarten Landschaften besonders bevorzugt sind, liegt auf der Hand, denn 
einerseits sprechen dabei die thermischen Verhältnisse zwischen Festland und 
Meer mit, anderseits aber kommt auch noch der Umstand mit in Betracht, daß 
sich, wie auf allen größeren Gebirgsmassen, so auch hier, die Neigung zur Aus- 
bildung eines Gebietes höheren Druckes in der kühleren Jahreszeit geltend 
machen muß. Diese Erscheinung wird in den Atlasländern aber noch dadurch 
verstärkt, daß die Hochlandschaften der Schotts größtenteils von Gebirgen um- 
rahmte Hochflächen darstellen, in denen die Luft zeitweise stagniert und daher 
leicht durch Ausstrahlung erkaltet. Daher sind gerade diese Landschaften im 
Winter verhältnismäßig weniger niederschlagsreich, Die Südabhänge des Hohen 
und des Sahara-Atlas leiten dann allmählich über zum regenlosen Wüstengebiet, 
über dem der Passat so gut wie ständig herrscht. 
Wenn in der winterlichen Regenzeit in den Atlasländern, gleichwie auf 
der Iberischen Halbinsel, der Februar vielfach etwas geringere Niederschlags- 
mengen aufzuweisen hat, so ist das eine nicht nur auf Nordafrika, sondern auf 
ganz Europa sich erstreckende Allgemeinerscheinung, auf die wir schon bei Be- 
frachtung der Iberischen Halbinsel hingewiesen haben. 
Der März zeigt dagegen auch in den Atlasländern hinsichtlich der 
Feuchtigkeitsverteilung wieder größere Ähnlichkeit mit den Wintermonaten 
Dezember und Januar. Es kann daher keinem Zweifel unterliegen, daß die 
steigenden Temperaturen auch in weiten Teilen der Atlasländer auf den Reichtum 
der Niederschläge zunächst eine günstige Wirkung ausüben, wie wir sie schon auf 
der Iberischen Halbinsel feststellen konnten insofern, als weite Gebiete des Innern 
der Atlasländer unter die Herrschaft des kontinentalen Typus der Frühlings- 
regen gelangen. Das südwestliche Spanien und das nordwestliche Marokko sind 
im März gegenüber dem Januar bereits um einige Grade wärmer geworden, 
während die Temperatur über dem Mittelmeere nördlich der algerischen Küste 
etwa dieselbe geblieben ist, wie im Winter. | 
Gleichzeitig findet jedoch im Mai eine Änderung in der Luftdruck- 
verteilung derart statt, daß mit der von Süden und besonders von Südosten her 
vor sich gehenden Erwärmung der Luftdruck über der Sahara stärker sinkt, 
so daß der niedrigste Luftdruck südlich der Atlasländer liegt. Die Bedingungen 
für das vorherrschende Auftreten von Winden, die aus nördlicher Richtung 
kommen, sind somit für die Atlasländer gegeben. 
In der Tat konnte Theobald Fischer‘) für das marokkanische Küsten- 
gebiet feststellen, daß im April und Mai fast täglich mit steigender Sonne west- 
liche und nordwestliche Winde eintraten und an Stärke zunahmen, In der 
Hauptsache wird dieser Umstand wohl noch dadurch verstärkt, daß an der 
Küste von Marokko infolge der ablandigen Winde kühle Auftriebwasser zutage 
treten, und zwar wie auf Grund von Untersuchungen der Deutschen Seewarte 
gezeigt wurde?), an der Küste des äußersten Nordwest-Marokko das ganze Jahr 
hindurch. Freilich kann sich dieses Wasser nur im Sommer als thermisch wirksam 
erweisen. Unter solchen Umständen ist die Feuchtigkeit der von diesem Meeres- 
teile kommenden Luftströmungen im allgemeinen nur im Winter oder Spätherbst, 
bzw. auch sehr zeitig im Frühjahr, wo das Land kühler oder doch nur wenig 
wärmer als das benachbarte Festland sich erweist, noch genügend, um bei ge- 
eigneten Wetterlagen beim Überwehen des Landes als Regen ausgeschieden 
werden zu können. 
1) Zur Klimatologie von Marokko. Zitschr. der Gesellsch, für Erdkunde zu Berlin 1900. 
2) Vgl. hierüber auch: Wind, Strom, Luft- und Wassertemperatur auf den wichtigsten 
Dampferwegen des Mittelmeeres. Beilage zu den »Ann. d. Hydr. usw.« 1905, mit 14 Karten.
	        
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