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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 44 (1916)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1916. 
Winter, im Innern der Frühling, im Osten der Herbst die Hauptregenzeiten 
bedeuten, Wenn wir nun bedenken, daß auch weite Gebiete der Atlasländer zu 
denselben Jahreszeiten ihre hauptsächlichsten Niederschläge empfangen, so liegt 
ohne weiteres auf der Hand, daß auch die Ursachen sowohl in räumlieh- 
geographischem, wie physikalisch-meteorologischem Sinne in der Hauptsache ver- 
mutlich dieselben sein werden. 
Was nun die jahreszeitliche Verteilung des Regenfalles in rein geogra- 
phischer Beziehung anlangt, so kann man sagen, daß die für das Mittelmeer 
charakteristische periodische Regenverteilung, sowohl bei den marokkanischen 
Küstenstationen, wie auch in dem algerischen und tunesischen Küstengebiet ganz 
besonders ausgesprochen ist: es besteht ein Maximum der Niederschläge im 
Winter und ein tiefes Minimum im Sommer. Mit der Zunahme der Höhe wird 
jedoch die Regenarmut des Sommers etwas gemildert und die Hauptregen ver- 
schieben sich nach dem hoch gelegenen Innern zu nach dem Frühling, oder es 
kommt doch die Menge der Frühlingsregen wenigstens der des Winters sehr 
nahe, wie es z. B. in der Gegend von Marrakesch der Fall ist, wo auf den Winter 
37°. auf den Frühling 35%, entfallen. Nach der der Abhandlung von Knoch 
beigefügten Karte schließt das Gebiet mit ausgesprochenen Frühlingsregen in 
Algerien die südlichen Ketten des Tell-Atlas, die Hochplateaus und den Sahara- 
Atlas, in Tunesien den zentralen Teil südlich von Medjerdah bis zum Schott 
Djerid in sich ein sowie im Westen den marokkanischen hohen und mittleren 
Atlas, Manche Gegenden weisen auch ein doppeltes Maximum, andere auch ein 
einfaches Maximum im Herbst auf, So hat z. B. Tunis ein Maximum im März 
und im Dezember, während Mactar, Kaironan und Sousse sich durch starke 
Herbstregen auszeichnen. Dasselbe ist der Fall in den Küstenregionen zwischen 
Algier und Tunis, Es sind aber auch Teile der algerischen und marokkanischen 
Küste mit Herbstniederschlägen gesegnet, doch treten diese deshalb nicht so 
charakteristisch hervor, weil der Winter oder das Frühjahr größtenteils noch 
reicher an Niederschlägen sind. Dasselbe gilt von der marokkanischen Küste, 
und zwar von Mogador bis Tanger (ohne Kap Juby), wie aus den Zahlen der 
mittleren jährlichen Regenverteilung hervorgeht*): 
Januar | Februar| März | April | Mai | Juni | Juli | August| Sept. | Ort. | 
> 
3 
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122 | ı6 | 9 
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ol 83 | 
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Nov. | Dez. 
5 | 13 
Die Verteilung in den einzelnen Monaten weist auch hier deutlicher als 
nach der Küste zu ein Herbstmaximum im November und ein Frühlingsmaximum 
im März auf, vorausgesetzt, daß die kurze Beobachtungsreihe von sechs Jahren 
zu Marrakesch genügt, um diese als sicher annehmen zu können. Es scheint 
hier also dieselbe Verschiebung stattzufinden, wie von der algerischen und 
tunesischen Küste nach dem Innern dieser Landschaften. Die Regenverhältnisse 
des marokkanischen Binnenlandes sind infolge Mangels an meteorologischen 
Stationen noch lange nicht genügend erforscht, um ein gut begründetes Urteil 
über die jahreszeitliche Regenverteilung oder gar die Ursachen dieser abzugeben. 
Wir sind da nur auf Vermutungen angewiesen, bei deren Äußerung wir große 
Vorsicht walten lassen müssen, da das wenige Beobachtungsmaterial sowie die 
Beobachtungen von Forschungsreisenden sich in verschiedenen wichtigen Punkten 
geradezu zu widersprechen scheinen. 
Nach der allgemeinen Luftdruckverteilung über dem westlichen Mittelmeer 
und seiner Umgebung, wie wir sie bisher kennen gelernt haben, zu schließen, 
kann kein Zweifel darüber bestehen, daß auch für einen größeren Teil der Atlas- 
länder mindestens im Winter die Winde aus westlicher Richtung es sind, die 
dem Lande Regen bringen. Wie jedoch K. Knoch?) ausgeführt hat, bewirkt die 
ij) Hann, Handbuch der Klimatologie. 3. Aufl. III. Bd. 8, 58. 
23a. a. 0. 85.24.
	        
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