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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 44 (1916)

Podestä: Die Bedeutung der Farbensinnstörungen für den Seemannsberuf usw. 13 
eine andere sicherere Methode nachkontrolliert werden. Überhaupt sind sich darin 
sämtliche Beurteiler einig, daß man wegen dieser Unvollkommenheiten der zur Zeit 
gebräuchlichen Pigmentproben Zweifel und Irrtümer nur dadurch ausschließen kann, 
daß man sich nicht auf den Ausfall einer Probe allein verläßt, sondern so lange die 
endgültige Entscheidung von dem einhelligen Ergebnis verschiedener Proben abhängig 
macht, als es noch an einer allseitig befriedigenden und zuverlässige Ergebnisse 
zeitigenden Methode fehlt. 
Es ist daher wohl verständlich, daß die Versuche, eine sicherere Methode 
zur Untersuchung des Farbenunterscheidungsvermögens mittels Pigmentfarben zu 
finden, nicht geruht haben. In folgendem soll einer solchen das Wort geredet werden, 
die vor allem den Zwecken der Massenuntersuchungen im unmittelbaren Anschluß 
an die Feststellung des Sehvermögens dienen soll, wie sie bei den Personal- 
einstellungen zu bestimmten Berufen, z. B. dem seemännischen, als Bedürfnis 
empfunden wird. Dabei stellt diese Methode!) weder an den Untersucher noch an 
den Untersuchten besondere Anforderungen und Vorkenntnisse und verzichtet daher 
auch auf die praktisch wertlose Feststellung der Art und des Grades der Farbensinn- 
störung. Ihr Zweck ist auch nicht der, die oben genannten Prüfungsarten auszu- 
schalten, sondern neben ihnen als sichernde und vervollständigende Probe in An- 
wendung gezogen zu werden, so weit es sich nicht lediglich um ein erstes vorläufiges 
und. schnell zu erzielendes Untersuchungsergebnis handelt. Auch sie erheischt wie 
alle die anderen mehr oder weniger unvollkommenen Pigmentproben in zweifel- 
haften und Grenzfällen, sowie in solchen, bei denen eine gutachtliche Entscheidung 
erforderlich ist, die Nachprüfung und Kontrolle mit dem Nagelschen Anomalo- 
skop. Sie lehnt sich im großen und ganzen an die bewährten Prinzipien der 
Anwendung von Verwechslungsfarben wie bei den bisherigen Methoden an, sucht 
aber unter möglichster Vermeidung von deren Mängeln und Fehlern durch größere 
Mannigfaltigkeit der Farbenzusammenstellungen, der einzelnen Leseproben in Gestalt 
von Wortbildern, die sich aus verschiedenfarbigen lateinischen Buchstaben und 
Buchstabenteilen zu verschiedenen, nur an der Farbe erkennbaren Worten zusammen- 
setzen, einerseits diejenigen Farbenuntüchtigen herauszufinden, die bei den bisherigen 
Proben unerkannt durchschlüpften, anderseits die Farbentüchtigkeit derjenigen 
festzustellen, die bisher fälschlich als farbenuntüchtig erkannt waren. Dabei ist 
sine neue Anwendung der Helligkeitsunterschiede sonst gleichartiger Farbentöne 
in der Weise versucht worden, daß die Verschiedenheiten der Hellig- 
keitsgrade ein und derselben Farbe gegen die Verschiedenheit von 
Farbentönen ein und derselben Helligkeitausgespielt werden. Zu 
diesem Zwecke sind auf 8 Tafeln Buchstaben so zu Worten zusammengestellt, 
daß in einem Wortbild neben einem Wort in einem bestimmten Farbenton von 
verschiedener Helligkeit sich ein zweites Wort von einem bestimmten Helligkeitsgrad 
in mehreren verschiedenen Farben verbirgt. (Siehe die als Probe beigegebene 
Tafel 1.) Der Farbentüchtige wird nun ohne Schwierigkeit auf entsprechende Auf- 
forderung aus dem Wortbild das einfarbige Wort auf Grund der vorwiegenden 
Farbenqualität herauslesen, während der Farbenuntüchtige auf Grund der bei ihm 
vorherrschenden Empfindlichkeit für Helligkeitsunterschiede nur das zwar gleich 
helle bzw. dunkle, aber verschiedenfarbige Wort herauszufinden imstande ist, das 
ar als einfarbig bezeichnen wird, da ihm infolge seines mangelhaften Farbensinns 
die Einfarbigkeit des wirklich einfarbigen, z.B. grünen oder roten Wortes ver- 
borgen bleibt. Ein Blick auf die am Schluß beigefügte Probetafel wird das Prinzip 
besser als Worte zum Verständnis bringen. Hiernach ist farbentüchtig, wer die 
Buchstaben bzw. Worte in ein und der selben Grundfarbe (grün oder rötlich) richtig 
entziffert und als einfarbig entsprechend dem gezeigten Farbstreifen am oberen 
ader unteren Rande der Tafel (s. u.) erkennt; dahingegen farbenuntüchtig, 
wer nur die verschiedenfarbigen, aber als dunkel auf hellem Grunde für jeden, 
also auch den Farbenuntüchtigen erkennbaren Mischworte liest. Auf einigen 
anderen Tafeln sind je drei Verwechslungsfarben in der Weise zur Anwendung ge- 
1) Erscheint demnächst unter dem Titel: Podestä, Wandtafeln zur Prüfung des Farben- 
sinns im Verlage von L. Friederichsen & Co.. Hamburg.
	        
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