Podestä: Die Bedeutung der Farbensinnstörungen für den Seemannsberuf usw. 13
eine andere sicherere Methode nachkontrolliert werden. Überhaupt sind sich darin
sämtliche Beurteiler einig, daß man wegen dieser Unvollkommenheiten der zur Zeit
gebräuchlichen Pigmentproben Zweifel und Irrtümer nur dadurch ausschließen kann,
daß man sich nicht auf den Ausfall einer Probe allein verläßt, sondern so lange die
endgültige Entscheidung von dem einhelligen Ergebnis verschiedener Proben abhängig
macht, als es noch an einer allseitig befriedigenden und zuverlässige Ergebnisse
zeitigenden Methode fehlt.
Es ist daher wohl verständlich, daß die Versuche, eine sicherere Methode
zur Untersuchung des Farbenunterscheidungsvermögens mittels Pigmentfarben zu
finden, nicht geruht haben. In folgendem soll einer solchen das Wort geredet werden,
die vor allem den Zwecken der Massenuntersuchungen im unmittelbaren Anschluß
an die Feststellung des Sehvermögens dienen soll, wie sie bei den Personal-
einstellungen zu bestimmten Berufen, z. B. dem seemännischen, als Bedürfnis
empfunden wird. Dabei stellt diese Methode!) weder an den Untersucher noch an
den Untersuchten besondere Anforderungen und Vorkenntnisse und verzichtet daher
auch auf die praktisch wertlose Feststellung der Art und des Grades der Farbensinn-
störung. Ihr Zweck ist auch nicht der, die oben genannten Prüfungsarten auszu-
schalten, sondern neben ihnen als sichernde und vervollständigende Probe in An-
wendung gezogen zu werden, so weit es sich nicht lediglich um ein erstes vorläufiges
und. schnell zu erzielendes Untersuchungsergebnis handelt. Auch sie erheischt wie
alle die anderen mehr oder weniger unvollkommenen Pigmentproben in zweifel-
haften und Grenzfällen, sowie in solchen, bei denen eine gutachtliche Entscheidung
erforderlich ist, die Nachprüfung und Kontrolle mit dem Nagelschen Anomalo-
skop. Sie lehnt sich im großen und ganzen an die bewährten Prinzipien der
Anwendung von Verwechslungsfarben wie bei den bisherigen Methoden an, sucht
aber unter möglichster Vermeidung von deren Mängeln und Fehlern durch größere
Mannigfaltigkeit der Farbenzusammenstellungen, der einzelnen Leseproben in Gestalt
von Wortbildern, die sich aus verschiedenfarbigen lateinischen Buchstaben und
Buchstabenteilen zu verschiedenen, nur an der Farbe erkennbaren Worten zusammen-
setzen, einerseits diejenigen Farbenuntüchtigen herauszufinden, die bei den bisherigen
Proben unerkannt durchschlüpften, anderseits die Farbentüchtigkeit derjenigen
festzustellen, die bisher fälschlich als farbenuntüchtig erkannt waren. Dabei ist
sine neue Anwendung der Helligkeitsunterschiede sonst gleichartiger Farbentöne
in der Weise versucht worden, daß die Verschiedenheiten der Hellig-
keitsgrade ein und derselben Farbe gegen die Verschiedenheit von
Farbentönen ein und derselben Helligkeitausgespielt werden. Zu
diesem Zwecke sind auf 8 Tafeln Buchstaben so zu Worten zusammengestellt,
daß in einem Wortbild neben einem Wort in einem bestimmten Farbenton von
verschiedener Helligkeit sich ein zweites Wort von einem bestimmten Helligkeitsgrad
in mehreren verschiedenen Farben verbirgt. (Siehe die als Probe beigegebene
Tafel 1.) Der Farbentüchtige wird nun ohne Schwierigkeit auf entsprechende Auf-
forderung aus dem Wortbild das einfarbige Wort auf Grund der vorwiegenden
Farbenqualität herauslesen, während der Farbenuntüchtige auf Grund der bei ihm
vorherrschenden Empfindlichkeit für Helligkeitsunterschiede nur das zwar gleich
helle bzw. dunkle, aber verschiedenfarbige Wort herauszufinden imstande ist, das
ar als einfarbig bezeichnen wird, da ihm infolge seines mangelhaften Farbensinns
die Einfarbigkeit des wirklich einfarbigen, z.B. grünen oder roten Wortes ver-
borgen bleibt. Ein Blick auf die am Schluß beigefügte Probetafel wird das Prinzip
besser als Worte zum Verständnis bringen. Hiernach ist farbentüchtig, wer die
Buchstaben bzw. Worte in ein und der selben Grundfarbe (grün oder rötlich) richtig
entziffert und als einfarbig entsprechend dem gezeigten Farbstreifen am oberen
ader unteren Rande der Tafel (s. u.) erkennt; dahingegen farbenuntüchtig,
wer nur die verschiedenfarbigen, aber als dunkel auf hellem Grunde für jeden,
also auch den Farbenuntüchtigen erkennbaren Mischworte liest. Auf einigen
anderen Tafeln sind je drei Verwechslungsfarben in der Weise zur Anwendung ge-
1) Erscheint demnächst unter dem Titel: Podestä, Wandtafeln zur Prüfung des Farben-
sinns im Verlage von L. Friederichsen & Co.. Hamburg.