Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1916.
Da die Schallsignale auch aufgenommen werden mußten, ohne daß die
Aufnehmer das Schiff sehen durften, waren sämtlichen Herren die Augen
verbunden. Die Schallsignale wurden mittels des Megaphons aufgenommen,
indem dasselbe gegen das Ohr gehalten wurde und sodann die wahrgenommene
Stärke und die Richtung des Schalles sofort notiert wurden. Nach einiger Übung
konnten alle bereits auf ein paar Kompaßstriche genau die Richtung des Schalles
angeben. Durch Beschreibung eines kleinen Bogens mit dem Megaphon in hori-
zontaler Lage und in der Richtung des Schalles war deutlich wahrnehmbar der
Schall am stärksten in der genauen Richtung nach dem Dampfer »Dordt«.
Aus den Beobachtungen Nr. I vom 14. Dezember ergibt sich, daß das
Mittel der wahrgenommenen Richtungen sehr nahe der wahren Richtung des
Schalles liegt. Die Maximumabweichungen betrugen von den 27 Fällen noch drei
Kompaßstriche, welches allein der Ungeübtheit der Beobachter zugeschrieben
werden muß,
Aus den Beobachtungen Nr. II vom 14. Dezember ergibt sich, daß
Signale von ungleicher Stärke mehrmals gleichstark gehört wurden, teils
infolge von Ungeübtheit, teils infolge der hinderlichen Geräusche der sich auf
2 m Abstand brechenden Brandung. Besonders der dritte Offizier L. Bakker
hörte nicht scharf, was aber gänzlich seiner Ungeübtheit zugeschrieben werden
muß, da er am folgenden Tage auch nicht einen Fehler machte.
Für die Versuche am 15, Dezember wurden die verschiedenen Offiziere
auf der Brücke des amerikanischen Dampfers »Maverick«, liegend im Vorhafen
von Tandjong Priok, aufgestellt. Hier hatte man nicht das hinderliche Geräusch
der Brandung, also waren die Umstände für Versuche günstiger, was sich deutlich
aus den Aufzeichnungen ergibt,
Aus den Beobachtungen Nr. I vom 15. Dezember (siehe die Tabelle) er-
gibt sich wieder, daß die Offiziere, welchen wiederum die Augen verbunden waren,
schon sehr genau die Richtung des Schalles angeben konnten. Der Durchschnitt
der gehörten Richtung beträgt nur einen Unterschied von 1 Kompaßstrich mit
der wahren Richtung. Die Maximumabweichung beträgt nur einmal 21/, Strich
von den 32 Aufnahmen, alle anderen sind stets kleiner. Außerdem ist noch
zu bemerken, daß Kapitän de Boer die ersten 13 Signale mit dem Megaphon
aufnahm, die weiteren ohne dieses Instrument, wodurch er sofort bemerkbare
Unterschiede in der Richtung des Schalles erhielt,
In den Beobachtungen Nr. II vom 15. Dezember fällt es auf, daß außer
dem Kapitän de Boer auch der dritte Offizier L. Bakker und P,. Lieben keinen
einzigen Fehler machten in dem Wahrnehmen der Schallstärke, Die beiden
letzteren hatten sich also scheinbar bereits einige Routine während des vorigen
Tages angeeignet. Kapitän P. H. Donck hatte nur einmal einen Unterschied,
was allerdings verständlich ist, da das Schallsignal in diesem Augenblick gerade
von stark-schwach auf schwach-stark verändert war, also der Unterschied in Stärke
in der Tat sehr gering war, Daß das Schallsignal Nr. 15 durch vier Personen
gleich oder beinahe gleich gehört wurde, ist eine Folge des Zurückprallens vom
Steuerbord-Schallsignal gegen den Dampfer »Iserlohn«, welcher in diesem Augen-
blick gerade den Hintergrund des Dampfers »Dordt« bildete.
Um nun den Versuch in allen Teilen zu machen, wurden nach vorher-
gegangener Absprache mit dem Kapitän des »Dordt« die mit einem Kreuz an-
gezeichneten Signale verkehrt gegeben (also erst Backbord-, danach Steuerbord-
signale, ohne Mitwissen der Aufnehmer). Nur der dritte Offizier Weynman
wurde einmal hierdurch getäuscht, die anderen Herren irrten sich kein einziges Mal,
Das Vorstehende wird meine Leser zweifellos überzeugt haben, daß das
durch mich angegebene System nicht allein praktisch sehr gut ausführbar ist,
sondern sie werden auch mit mir den Wunsch aussprechen, daß diese Methode
baldmöglichst international festgestellt werde, was ohne finanzielle Opfer
geschehen kann, da das Anbringen eines Schalltrichters an der Dampfpfeife sowie
eines Schallbrettes vor dem Schornstein auf jedem Schiff mit geringen Kosten
vorzunehmen ist.
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