Eckardt, W.R.: Über die Ursachen der jahreszeitl. Regenfälle in d. westlichen Mittelmeerländern. 203
druckwirbeln hat zur Folge, daß in Süd- und Südwestspanien im Frühling die
Windrichtungen viel ausgeglichener sind als in den beiden extremen Jahreszeiten.
Es gibt sich jedoch ein Vorherrschen der Winde aus westlicher Richtung,
die als Regenbringer von dem um diese Zeit wärmsten Meeresteile aus der
Umgebung der Halbinsel stammen, teilweise sogar im Mai noch kund, wenn
auch in diesem Monat an der Südostküste die landeinwärts gerichteten Luftströmungen
infolge der stark fortschreitenden Erwärmung bis zu einem gewissen
Grade überwiegen müssen.
So ist der Mai noch recht günstig für die Entstehung verbreiteterer Regenfälle;
besonders ist auf der Iberischen Halbinsel Kastilien typisch für die Festlandsregen
des Mai, die z. B. ein Analogon in der Regenzeit des Hochsommers
(Juli, August) in Nordindien und Abessinien bilden. Es folgt dann die sommerliche
Trockenzeit, deren Ursache wir erörtert haben. Während dieser empfangen
nur die höheren Teile der Nordküste der Halbinsel mäßige, und zwar hinsichtlich
ihrer Menge die geringsten Regenfälle während des Jahres. Erst im Laufe
des September, wo der hohe Druck in der Umgebung der Pyrenäenhalbinsel
wieder geringer wird, indem die Herrschaft des verlängerten Passates zu Ende
geht, treten wieder andere Verhältnisse ein, die in ursächlichem Zusammenhang
mit der großen Luftdruckumlagerung stehen, die im Herbst auf dem europäischen
Festland stattfindet, indem der Luftdruck über dem osteuropäischen Festland
stark steigt, während er im Westen und Südwesten stärker fällt. Auf diese
Weise wird hier im Herbst, ähnlich wie im Frühling, wieder die Möglichkeit für
einen zyklonalen Witterungscharakter geschaffen.!) Da im Herbst auch die
nördlichen Teile des Atlantischen Ozeans stark erwärmt sind, beginnt auf dem
Ozean eine rege Zyklonentätigkeit, die sich oft weit in die Subtropenzone hinunter
erstreckt und das westliche Europa sowie vor allem auch die spanische
Halbinsel stark in ihren Wirkungsbereich zieht, wie z. B. Karten 6 und 7 (Tafel 4)
zeigen. Aber auch das westliche Mittelmeerbecken hat denn gleichzeitig eine sehr
lebhafte Zyklonentätigkeit aufzuweisen,
Die Iberische Halbinsel beginnt im Nordwesten wieder feuchter zu werden,
vor allem von Norden her bis zur Gebirgskette der Sierra de Guadarrama,
gleichzeitig aber auch von Osten her, und zwar im Gegensatz zum Frühjahr
nun gerade auch in den Niederungen der Küstengebiete selbst. Ganz ähnlich
liegen die Verhältnisse im Oktober, so daß die Ostküste Spaniens im Herbst
überhaupt ihre eigentliche Regenzeit hat, Da aber auch gleichzeitig von Südwesten
her die Feuchtigkeit wieder zunimmt, so gewinnt die Regenverteilung
über der Halbinsel wieder eine ziemlich große Ähnlichkeit mit den Verhältnissen
des Frühjahrs, vor allem auch deshalb, weil die Berg- und Plateauländer
des Innern im Herbst wieder besser benetzt werden, wenn auch teilweise nicht
ganz in dem Maße, wie im Frühjahr. Die Ursachen dieser Übereinstimmung
und Abweichung der Regenverhältnisse in den beiden Übergangsjahreszeiten liegt
ohne weiteres auf der Hand: Im Frühling schreiten die Regenfälle mit der von
Südwesten her erfolgenden Erwärmung nach Nordosten; die Erwärmung erweist
sich hier für die Niederschläge zunächst als ein förderliches Moment, um jedoch
im Sommer aus Gründen der Temperatur- und Luftdruckverteilung auf der
Halbinsel selbst wie in der Umgebung aufzuhören, Im Herbst aber erlöschen
die kaum begonnenen Regenfälle deshalb bald wieder, weil von hier aus die
Erkaltung und somit das der Halbinsel im Winter eigene antizyklonale Regime
wieder seinen Ursprung nimmt. Aus dem gleichen Grunde ist der Dezember
die Zeit, wo die Herrschaft der Regenfälle auch am oberen Guadiana und am
Gebirgsstock der Sierra Nevada aufhört, und im Januar und Februar ist das
Gebiet der Winterregen wieder auf den äußersten Südwesten und Süden der
Halbinsel beschränkt. weil in diesen beiden Wintermonaten der Hoehdruckwetter-1)
Vgl. die Karten des Luftdrucks in J. von Hann, Die Verteilung 'des Luftdrucks usw.
a. a. O., sowie die Abhandlung von Prof. O0. Freybe, Verteilung und Anderung des mittleren Luftdrucks
über Europa nach Tagfünften und ihre Verwertung zur Erklärung des Witterungsverlaufs und
zur Wettervorhersage. Landwirtschaftliche Jahrbücher. Zeitschr. für wissensch. Landwirtschaft.
Berlin 1915. S. 814/817.