Eckardt, W. R.: Über die Ursachen der jahreszeitl. Regenfälle in d. westlichen Mittelmeerländern, 201
Monsun sein kann, weil er inmitten der Zone .des verlängerten Passates selbst
nur ein umgelenkter Passat ist, der nicht aus dem tropischen Atlantischen Ozean,
sondern aus der unmittelbaren Umgebung stammt, der also von vornherein die
ursprüngliche Eigenschaft, nämlich die der Trockenheit, mit den echten ’Passatwinden
teilt und auf so kleinem Raum diese seine Eigenschaft auch nicht ändern
kann, ja sie wird im Gegenteil noch verstärkt durch die verhältnismäßig kühlen
Meeresräume der Umgebung. Die Luft ist im Sommer so trocken, daß trotz der
teilweise recht starken zyklonalen Bewegung und trotz des auch im Sommer
häufigen Zu- und Durchzuges von ozeanischen Tiefdruckgebieten!) selbst auf den
höchsten Kämmen der Gebirge die Kondensation eine verhältnismäßig recht beschränkte
bleibt.
Aus diesem Grunde ist der Sommer der Iberischen Halbinsel überall
regenarm bis regenlos.®) Zwar kommen auch mitten im Sommer Regenfälle vor,
aber sie sind teils sehr unergiebig, teils aber auch wolkenbruchartig, also exzessiv,
und stets sehr unregelmäßig. Trotzdem sind, wenn wir das Bild der prozentuellen
Niederschlagsverteilung ins Auge fassen, die Niederschläge auch auf der
Iberischen Halbinsel in den warmen Monaten, und zwar selbst noch im Sommer,
gleichmäßiger verteilt als im Winter, so daß relativ die Binnengegenden sogar
beträchtlich feuchter erscheinen als die Küstendistrikte®, Folgende Tabelle nach
Supan*), in der die Regenperiode der Binnenländer in Differenzen der Periode
an der Küste ausgedrückt ist, während die für das Küstenland selbst geltenden
Zahlen die monatlichen Regenmengen in Prozenten der Jahressumme darstellen,
gibt darüber. Aufschluß:
Jan.
Febr. | März | April
Mai
Juni | Juli | Aug.
Septr. | Okt. |
Nor.
Dez.
sıl 34' ı9l 22| 64| 108| 1241 1200
—221—08|-444|-442|-41.3|+0.9 +30 00|-—1.61—28
Ostküste 48188 Bl 112001081 ELSE 473457) —3.6|— 34
Selbst in subtropischen Regengebieten kommt demnach der Gegensatz von
kalter und warmer Jahreszeit in der gleichen Weise zum Ausdruck wie in den
Ländern mit normaler Regenperiode. Nur darin besteht ein Unterschied, daß
der Überschuß hauptsächlich auf den Spätfrühling und Frühsommer fällt; aber
die Ursache ist in beiden Fällen, wie Supan®) auseinandergesetzt hat, die gleiche,
In den subtropischen Breiten erreicht die Temperatur früher als bei uns die nötige
Höhe, um eine kräftige Verdampfung zu erzeugen, und anderseits sind die
Kondensationshemmnisse noch nicht zur vollen Entfaltung gelangt. Im September,
bzw. Oktober, je nach der Breitenlage, scheinen die letzteren, wenigstens im westlichen
Mittelmeere, wieder im Schwinden begriffen zu sein, da ein zweites Überschußmaximum
der binnenländischen Niederschläge eintritt. ;
Absolut am feuchtesten ist im Sommer auf der Iberischen Halbinsel nur
die -Nordküste, weil diese nicht selten von Rand- oder Teilwirbeln berührt wird,
\)) Teisserenc de Bort, a. a. O0. Vgl. die Kärtchen auf Tafel 28 und 29. £
?) Wie wichtig die sommerlichen Wärme- und Luftdruckverhältnisse Spaniens übrigens auch
für das Wetter des westlicheren Mitteleuropa sind, geht z, B, daraus hervor, daß die über Spanien
liegende Wärmezyklone nicht selten von atlantischen Tiefdruckwirbeln, die im Norden vorüberziehen,
angesogen: wird und so zu einem Rand- oder Teilgebilde einer ozeanischen Depression werden kann,
die dann auch unsere Witterung beeinflußt. Das ist z, B. der Fall gewesen in der Zeit vom 12, bis
15. Juli 1913, wie die Figuren 22 bis 24 (Tafel 5) zeigen. Solche Tatsachen lassen den Wunsch mehr
als berechtigt erscheinen, daß nach dem Kriege möglichst auch einige spanische Orte in das Stationsnetz
unseres öffentlichen Wetterdienstes aufgenommen würden.
3) Vgl. auch die Tabelle beim Abschnitt »Die Atlasländer«, die zeigt, daß dasselbe auch in den
Atlasländern .der Fall ist.
4) Die Verteilung des Niederschlags auf der festen Erdoberfläche. Erg. Heft Nr. 124 zu Petermanns
Mitteilungen. Gotha 1898. Vgl. auch Österr. Met, Z. 1884, S. 69.
5) Petermanns Mitteilungen. 1890, S. 296.