200 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1916,
wärmung stattfindende Luftauflockerung muß, wie gesagt, für ihre Fortbewegung
günstig sein. (Vgl. hier auch die Wetterlagen des Mai in den Karten 10 bis 14,
Tafel 4 und 5). Es kommt hinzu, daß im Laufe des Frühlings der barische Gradient
über der Halbinsel im allgemeinen geringer wird; daher können sich größere
Unregelmäßigkeiten im Isobarenverlauf der Tiefdruckgebiete einstellen, wie wir
sie im Winter kaum finden. (Vgl. Karte 8, Tafel 4.) Auch kommt im Frühling
der Zug von Tiefdruckgebieten von der Biskayasee nach dem westlichen Mittel-
meerbecken mehr in Betracht als im Winter, wie Karte 15 (Tafel 5) zeigt. Es
handelt sich hier in der Hauptsache um Tiefdruckgebiete geringerer Ausdehnung,
wie sie für niedere Breiten charakteristisch sind. Ähnlich wie März und April
verhält sich auch noch der Mai, obwohl dieser Monat sonst im allgemeinen schon
sommerlichen Charakter aufzuweisen hat. Doch müssen wir zunächst erst die
Eigentümlichkeiten des Sommerklimas der Iberischen Halbinsel ins Auge fassen,
um zu einem vollen Verständnis der Ursachen der Regenverteilung im Mai ge-
langen zu können.
Fast das genaue Gegenteil hinsichtlich der Temperatur- und Luftdruck-
verteilung des Januar ist auf der Iberischen Halbinsel der Juli, wo wir im
Innern Spaniens zwischen Madrid und Sevilla einen von der Isotherme von 29°
umschlossenen Wärmeherd finden. Das stark erhitzte Innere der Halbinsel ist
jedoch auf allen Seiten von kühleren, im Westen und Nordwesten sogar von auf-
fallend kühlen Luftmassen umgeben, so daß auf einem verhältnismäßig kleinen
und in ziemlich niedrigen Breiten liegenden Erdgebiet ein für sommerliche Ver-
hältnisse ziemlich ungewöhnlicher thermischer Gradient besteht.
Im Nordwesten, wo es am kühlsten ist, finden wir auch den höchsten
Luftdruck, während sich infolge der durch die starke Erwärmung bewirkten
Luftauflockerung über dem Innern der Halbinsel ein barometrisches Tiefdruck-
gebiet (unter 761 mm) entwickelt, Es liegt ungefähr zentral über der Halbinsel.
Über dem westlichen Mittelmeerbecken ist zu dieser Jahreszeit der Luftdruck
überhaupt am höchsten. Gegen das Alpenmassiv hin sowie gegen Algier nimmt
der Luftdruck ab. Ja, über Nordafrika finden wir etwa südwestlich von Algier
ein Minimum unter 758 mm. Es ist also das thermische Minimum Spaniens von
dem afrikanischen niedrigen Druck nur durch eine sehr flache Zunge hohen
Druckes, die sich über den kühleren südlichen Meeresteilen aufwölbt und nach
dem westlichen Mittelmeer erstreckt, getrennt.
Aus der im Juli über der Iberischen Halbinsel vorhandenen Luftdruck-
verteilung sowie vor allem derjenigen ihrer Umgebung geht aber ohne weiteres
hervor, daß, falls die Halbinsel nicht vorhanden wäre, sondern an ihrer Stelle
sich eine Meeresfläche ausdehnen würde, über ihrem Gebiete eine Hochdruck-
zunge langsam abnehmenden Druckes sich bis in das westliche Mittelmeerbecken
fortsetzen würde. Die Folge davon wäre, daß über Nordafrika die Winde aus
Norden zu noch unumschränkterer Herrschaft im Sommer gelangen müßten, als
es tatsächlich der Fall ist, ohne diesem Lande mehr Feuchtigkeit zuzuführen,
als es unter den gegebenen Verhältnissen empfängt. Wohl mit Rücksicht hierauf
sagt auch Teisserene de Bort'!): »Lorsqu'un centre d’action n’oceupe pas sur
la terre une grande Etendue ou ne pPresente pas une activite tres considerable, il est
toujours sous la dependance de la circulation generale. Un pays generalement chaud
ou froid ne fait que modifier la circulation generale dans un certain sens.«
„ Nun verstehen wir auch ohne Schwierigkeit die Frage, warum sich selbst
die Aquatorialseite des spanischen Minimums durch äußerste Regenarmut aus-
zeichnet. Die atmische Windrose von Madrid?) gibt teilweise darüber Aufschluß,
Südsüdwest- bis Westwinde, die im Winter Feuchtigkeit bringen, treten im
Sommer als trockene Winde auf, ja der herrschende Südwest erscheint sogar
(wegen seiner höheren Temperatur) als der trockenste Wind, der die mittlere
relative Feuchtigkeit (50%) um 7%, erniedrigt. Es läßt sich dieser auffallende
Charakter des Südwest nur daraus erklären, daß er überhaupt kein eigentlicher
‘a. a. O. S. 18.
2) Sitzungsberichte der Wiener Akademie. Math. Naturw. Klasse. Bd. 64, S. 416.