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Annalen der Hydrographie und Maäritimen Meteorologie, April 1916.
ziehenden Tiefdruckwirbel ihren Wirkungsbereich auf die sich hier zum Ozean
abdachenden Landschaften ausdehnen, während die unmittelbar im Regenschatten
dieser Gebirgszüge liegenden Landschaften und das kontinentale Innere ver-
hältnismäßig trocken bleiben. Denn von den feuchten Südwestwinden werden
diese Landschaften weniger berührt, und die im Winter von den ziemlich warmen
nördlichen Meeresteilen auf der Rückseite der passierenden Zyklonen wehenden
West- bis Nordwestwinde haben ihre Feuchtigkeit größtenteils bereits an die
nördlichen Gebirgsländer abgegeben. Dieselbe Regel gilt natürlich auch mehr
oder weniger für die übrigen Jahreszeiten, wenn der Zyklonenzug ein ähnlicher
ist, wie z. B. Karte 4 (Tafel 4) zeigt.
Wenn in der winterlichen Regenzeit auf der Iberischen Halbinsel der
Februar vielfach etwas geringere Niederschlagsmengen aufweist als die übrigen
Monate, so hat diese Erscheinung nicht etwa darin ihren Grund, daß der Februar
um 10%, kürzer ist als seine Nachbarn, denn sie zeigt sich auch, wenn wir uns
im Sinne von Angots pluviometrischen Koeffizienten die Zahlen vergegenwärtigen,
die die Abweichung der mittleren Monatssummen von jener darstellen, welche
einer ganz gleichförmigen Regenverteilung über das Jahr entsprechen würde.
Es handelt sich hier vielmehr um eine auf fast ganz Europa sich erstreckende
Allgemeinerscheinung. Diese kann daher ihre Ursache auch nur in der allge-
meinen Luftdruck- und Temperaturverteilung über einem größeren Teil der Erd-
oberfläche ihren Grund haben. Die Ursache hiervon ist jedoch noch nicht ge-
nügend geklärt; sie hängt aber zweifellos damit zusammen, daß in diesem Zeit-
raum Festland wie Ozean verhältnismäßig gleich stark abgekühlt sind, so daß
die Kondensationsbedingungen zu dieser Zeit des Winters im allgemeinen am
wenigsten günstig sind, Auch ist wohl zu bedenken, daß im Februar häufig
hoher Druck das Mittelmeer selbst bedeckt und in Mittel- und Nordeuropa
föhnige, also vorwiegend trockene Witterung hervorruft, wie es z. B. besonders
ausgesprochen 1914 der Fall war. Hinsichtlich der geographischen Verteilung
des Niederschlags an sich ist jedoch der Februar vom Vormonat sonst nur wenig
verschieden, Erst im März ändert sich die Niederschlagsverteilung nament-
lich insofern, als das im Januar und Februar trockene Gebiet zwischen dem Fluß-
gebiet des Guadiana und dem Bergland von Granada nunmehr ebenfalls reich-
lichere Niederschläge empfängt, während der Osten und Nordosten Spaniens
noch immer Trockengebiete bleiben. Im April rückt die Zone reichlicherer
Niederschläge von Südwesten weiter in das Innere der Halbinsel, so daß das
Tajogebiet über den östlichen Teil der Sierra Morena hin bis zum Bergland von
Murcia besser bewässert ist, während die andalusische Ebene sowie der westliche
und niedrigere Teil der Sierra Morena bereits trockener werden. In diesen
Landschaften würde die Regenzeit des Winters vom Februar ab ganz allmählich
in die Trockenperiode des Sommers übergehen, wenn nicht der stürmische und
yewitterreiche März die Regensumme dieses Monats erheblich steigern würde,
ohne die Regenhäufigkeit zu vermehren. In dem für den Monat April geltenden
Zustand verharren die zuletzt genannten Gebietsteile der Iberischen Halbinsel
im wesentlichen auch im Monat Mai, doch dehnt sich nunmehr das Gebiet reich-
licherer Niederschläge gleichzeitig weiter über den ganzen Nordosten aus; nur
das von Gebirgsketten rings umgebene Hochland von Altkastilien sowie der
obere Tajo und das Ebrotal bleiben wohl hauptsächlich infolge ihrer orographi-
schen Lage verhältnismäßig trocken, ebenso die Küstengegenden des Ostens.
Gleichwie im Winter empfangen auch das ganze Frühjahr hindurch die West-
und Nordküste der Halbinsel noch ziemlich gleichmäßige und reichliche Regen-
fälle. Charakteristisch ist demnach für den kontinentalen Typus der
Frühlingsregen der Iberischen Halbinsel die Wanderung des Regen-
gebietes von Südwesten, wo es im Januar und Februar nur einen
schmalen Küstenstreifen bedeckt, landeinwärts in nordöstlicher Rich-
tung, indem die Küstenlandschaften selbst immer trockener werden.
So ist es eine unverkennbare Eigentümlichkeit der jahreszeitlichen
Regenverteilung der Iberischen Halbinsel, daß mit der Entfernung
von der Küste die Frühlingsregen immer mehr hervortreten.