Eckardt, W. R.: Über die Ursachen der jahreszeitl. Regenfälle in d, westlichen Mittelmeerländern. 195
beiden Jahreszeiten begründet. Vor allem ist die Zyklonentätigkeit polwärts der
Passatgürtel über den warmen Meeren im Herbst lebhafter als im’ Frühling,
Der Wärmeüberschuß des Meeres über das Land ist im Herbst am größten.
Dieser ist daher in den Küstengebieten regenreicher als der Frühling. Ferner
erwärmen sich im Frühling die Festlandsmassen auch in niedrigeren Breiten, wie
in den Subtropen, durchaus nicht vollkommen gleichmäßig, sondern es treten
auch dort Kälterückfälle ein, die in der Regel um so empfindlicher sind, je
früher eine intensive Erwärmung einsetzt. Erwärmungen und. Kälterückfälle
sind aber im wesentlichen nichts anderes als die Folgen des besonders in den
Übergangsjahreszeiten stattfindenden wechselvollen Spieles der Zyklonen und
Antizyklonen, indem. eben nicht nur die warmen Luftmassen der niederen und
die kälteren der höheren Breiten, sondern auch die stärker erwärmten erdnahen
Luftschichten mit den im Frühjahr noch kalten Schichten der höheren. Atmosphäre
zu einer kräftigen Mischung angeregt werden. Es liegt aber nun infolge des
im Frühjahr vorhandenen unstabilen Gleichgewichtszustandes der Luft, die über-
dies zugleich eine große Diathermansie aufzuweisen hat, auf der Hand, daß die
einzelnen Luftsäulen der Vorder- und Rückseite der Zyklonen zu dieser Jahres-
zeit sowohl hinsichtlich ihrer Temperatur- wie auch Feuchtigkeitsverhältnisse
im allgemeinen große Unterschiede aufzuweisen haben, Eine derartige Beschaffen-
heit der Zyklonen und des Luftmeeres im Frühjahr muß aber für die. Auinahme
einer größeren Wasserdampfmenge im allgemeinen ungünstiger sein, als es die
herbstlichen Verhältnisse zeigen, wo die allgemein fortgeschrittene Erwärmung
des Luftmeeres viel geringere thermische Gradienten, vor allem auch auf der
Rückseite der Zyklonen bedingen muß, .Vor allem aus diesem Grunde pflegen die
herbstlichen Regenfälle verbreiteter und ergiebiger zu sein; die Regendichte ist
eine viel größere, während die Zahl der Regenfälle und Regentage trotz durch-
schnittlich größerer Niederschlagsmenge des Herbstes eine geringere sein kann
als im Frühjahr. Die größte Regenhäufigkeit gehört zwar auch im Mittelmeer-
gebiet zu einem großen Teil dem Winter an; dagegen pflegt auch hier der Herbst
den Winter hinsichtlich der Regenmenge zu übertreffen, weil eben die Herbst-
regen wegen der größeren Wärme dieser Jahreszeit und des damit verbundenen
größeren Dampfgehaltes der Luft ergiebiger sind als die Winterregen!).
Die Hauptaufgabe der vorliegenden Untersuchung soll es sein, an der
Hand einer Anzahl synoptischer Witterungskarten eine etwas tiefer greifende
Auffassung von den Ursachen der jahreszeitlichen Regenfälle zu geben, als sie
mit bloßer Zuhilfenahme der rein klimatologisch-statistischen Methode möglich
ist. Denn lediglich mit Hilfe des Studiums von Wetterkarten wird die restlose
Lösung des von mir hier nur angeschnittenen Problems in späteren Zeiten ein-
mal möglich sein: eine Auffassung, die auch A, Hettner in seiner Betrachtung
»Die Klimate der Erde« vertritt?)
Die Iberische Halbinsel.
Bezüglich der jahreszeitlichen Regenverteilung herrschen auf der Iberischen
Halbinel große Verschiedenheiten, Übereinstimmung herrscht nach J. v, Hann‘)
nur darin, daß die drei Sommermonate, besonders aber Juli und August, über-
all sehr trocken sind, und daß April, oder Mai. und Oktober, fast überall naß
sind. Nur im Nordwesten, so besonders zu Santiago, ist der jährliche Gang des
Regenfalls ziemlich einfach: mit einem Maximum im Dezember und Januar und
einem Minimum im Sommer; doch nehmen die Regenfälle erst südlich von Cabo
da Rosa einen subtropischen Charakter an. An der Atlantischen Westküste zeigt
sich daneben ein Märzmaximum im Innern, in den beiden Kastilien treten zwei
Maxima auf: eines im Mai, das andere im Herbst, und zwar in der Regel im
Oktober. Im Osten, etwa von Cabo da Gata bis zur französischen Grenze, wird
das Herbstmaximum das Hauptmaximum, gegen welches das Frühlingsmaximum
‘) Vgl. hierüber auch Thorbecke: »Das ozeanisch-subtropische Klima und die Gebiete der
Etesien und Winterregen« a, a. O0.
23) Geogr. Zeitschr. 1911 S. 426/29.
3) Handbuch der Klimatologie. III. Bd. 3. Aufl,
SS 1,03