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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1916.
nicht sagen, worauf bereits A. Supan!) frühzeitig aufmerksam gemacht, daß
im ganzen Umkreis des Mittelmeergebietes der ozeanische Typus durchaus rein
zu finden sei”). Denn dazu gehört auch, daß der Frühling verhältnismäßig
trockner ist als der Herbst, und daß an den Küsten dieser Gegensatz besonders
ausgebildet ist. Dem großen Subtropengebiete der Alten Welt sind zwar Winter-
regen und trockene Sommer gemeinsam, in den übrigen Jahreszeiten verhalten
sich aber vorzugsweise die Küsten- und die Binnenlandschaften ganz abweichend
voneinander, Denn die ersteren haben, wie alle Küsten mittlerer und höherer
Breiten, Herbstregen, die letzteren Frühlingsregen, und darin ist, wie Supan mit
Recht meint, ein Äquivalent der Sommerregen höherer Breiten zu finden, wie
ich. weiter unten zeigen werde. A. Supan ist der erste gewesen, welcher die
jahreszeitliche Verteilung der Niederschläge in Europa, Westasien und Nord-
afrika dergestalt zum Gegenstand einer Untersuchung machte, daß er die
Regenmengen innerhalb der einzelnen Jahreszeiten in Prozente der Jahres-
summe umrechnete und dann das Nebeneinander, wie es einzig und allein
in der kartographischen Darstellung zum Ausdruck gelangt, beachtete, Auch
hat Supan mit wenigen, aber treffenden Bemerkungen einige Hauptursachen
des jahreszeitlichen Ganges der Niederschläge in jenem Gebiete kurz gekenn-
zeichnet. In etwas eingehender Weise oder im Zusammenhang ist jedoch bis
jetzt nach dieser Richtung hin noch kein größeres Gebiet der Erde behandelt
worden. Es soll daher unsere Aufgabe sein, die Ursachen dieser eigentümlichen
jahreszeitlichen Verteilung im Gebiet des Mittelmeeres, und zwar zunächst im
Bereich der Iberischen Halbinsel, bzw. ihrer Umgebung, zu erörtern, indem wir
unser Augenmerk in erster Linie naturgemäß auf die Luftdruckverteilung richten.
Es leuchtet ohne weiteres ein, daß wir der Lösung des Problems nur dann mit
Erfolg werden näher treten können, wenn wir zugleich auch die Frage kurz
beantworten, warum es in den betreffenden Gegenden in den anderen Jahres-
zeiten nicht oder weniger regnet.
Die Ursachen der verschiedenen Besonderheiten der jahreszeitlichen Regen-
fälle, wie ihre Dichte, Häufigkeit usw. zu untersuchen, soll jedoch nicht unsere
eigentliche Aufgabe sein. Auch soll es nicht im Sinne unserer Arbeit liegen,
daß wir zugleich auch die Grenzen der jahreszeitlichen Regenfälle, wie sie bei
Darstellung in Prozenten der Jahressumme sich ergeben, genau festlegen, Denn
einmal sind trotz des weitmaschigen Netzes der Beobachtungsstationen und trotz
anderweitiger Mangelhaftigkeit der Regenbeobachtungen in dieser Beziehung die
einzelnen Landschaften, speziell auch der Iberischen Halbinsel, für das Hauptziel
unserer Arbeit bereits genügend gekennzeichnet *); anderseits aber bedarf es zu
einer genauen Festlegung dieser Grenzlinien noch einer geraumen Beobachtungs-
zeit und eines viel engmaschigeren Stationsnetzes der Regenbeobachtungen, da
es ein Charakterzug im Klima der Mittelmeerländer ist, daß die Niederschlags-
mengen auf verhältnismäßig kleinen Gebietsteilen sowohl absolut wie relativ sehr
verschieden sind. Es gibt also für spätere Spezialunternehmungen hier noch
lohnende Arbeit genug *).
Was speziell die Unterschiede im Wesen der kontinentalen Frühlingsregen
von den maritimen Typus widerspiegelnden Herbstregen anlangt, so sind diese
selbstverständlich in der verschiedenen Beschaffenheit der Zyklonen in diesen
ya, a. O. Über das Klima der Mittelmeerländer im allgemeinen vgl. auch die Ab-
handlungen: 1, Th. Fischer, Studien über das Klima der Mittelmeerländer. Petermanns Mitteilungen.
Erg. Heft 58. Gotha 1879; 2. A. Philippson, Das Mittelmeergebiet. II. Aufl. Leipzig 1907;
3. H, Krugler, Die Windverhältnisse im östlichen Mittelmeere und seinen Randgebieten, Inaug.
En Berlin 1912; 4. J. v. Hann, Die Verteilung des Luftdrucks über Mittel- und Südeuropa,
Wien 1887,
') Thorbecke hat in seiner Abhandlung: »Das ozeanisch-subtropische Klima und die Ge-
biete der Etesien und Winterregen« (Geogr. Zeitschr. 1910, Heft 5 u. 6) die Polargrenze des Sub-
tropengebietes der Alten Welt näher bestimmt, indem er das Übergangsgebiet mit dem Maximum der
jährlichen Niederschlagsmenge im Oktober noch zu den Subtropen rechnete und die Nordgrenze der
Polargrenze der regenarmen Sommer gleichsetzte.
3) Vgl. unten S. 196, Anmerkung 1,
4) Siehe hierüber auch unten 8. 205 den Schlußabsatz des Teiles über die Iberische Halbinsel.