Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1916.
da das Wasser an D 6 noch im November an der Oberfläche bedeutend süßer zu sein
pflegt als am Boden; am 26. November 1907 fand doch augenscheinlich ein (nicht
absolut vertikaler) Konvektionsprozeß statt, der bis auf eine Tiefe von über 75 m
unter die Oberfläche reichte. Es ist also möglich, daß das Bodenwasser an D 6
dann und wann bereits früh im Winter mit der Oberfläche in direkte Verbindung
kommen kann, und dann werden wir ein recht plötzliches Ansteigen des w des Boden-
wassers von ziemlich niedrigen bis auf hohe Werte erwarten müssen.
E. Die Sauerstoffverhältnisse der Unterschicht im zentralen Teil der Nordsee.
Die Sauerstoffverhältnisse der Unterschicht von D 6 bilden einen Über-
gang zu den Verhältnissen in dem kalten Bodenwasser im zentralen Teil der
Nordsee nördlich der Doggerbank, wo man bei weitem die größten, jährlichen
Schwankungen antrifft, denen die Sauerstoffprozentsätze überhaupt in irgendeinem
Teil und in irgendeiner Tiefe der hier behandelten Gebiete unterliegen.
Hier liegen die drei Stationen D Nordsee 3 (dicht nördlich der Doggerbank),
D Nordsee 4 und D Nordsee 5 (letztere auf der Großen Fischerbank); die Tiefen,
in denen das @ des Bodenwassers gemessen wurde, schwanken an D 3 zwischen
621/, und 71 m, an D 4 zwischen 76 und 94 m und an D ‚5 zwischen 59 und 68 m.
Im Winter kann man in diesem Gebiet nicht zwischen Ober- und Unterschicht
sondern, und an allen Stationen steht das Bodenwasser durch kräftige Mischungs-
prozesse thermischer und mechanischer Art in lebhafter Verbindung mit der Ober-
fläche. Im Frühjahr beginnt ein Unterschied des spezifischen Gewichtes zwischen
den oberen und unteren Schichten sich zu entwickeln, und im Sommer ist die Unter-
schicht durch die bedeutend leichtere Oberschicht gänzlich von der Atmosphäre
abgesperrt. Im Herbst werden wiederum die Oberflächenabkühlung und die durch
die unruhigen Witterungsverhältnisse hervorgerufene Steigerung der mechanischen
Mischungsprozesse eine vorwärtsschreitende Homogenisierung verursachen, die sich
allmählich &bwärts auf immer größere Tiefen unter der Oberfläche verbreitet,
In der untenstehenden Tabelle bezeichnet „November I“ den ersten Teil des
Herbstes, in dem noch ein deutlicher Unterschied zwischen der oberen und niederen
Wasserschicht besteht; dagegen bezeichnet „November II“ den Rest des Herbstes,
in dem die Konvektionsströme ganz bis auf den Boden reichen. Der Zeitpunkt,
an dem der Übergang zwischen den beiden Zeiträumen stattfindet, schwankt an
jeder Station bedeutend Jahr um Jahr, und schwankt auch in demselben Jahr
von Station zu Station je nach der Bodentiefe. So gehört an D 3 der 17. November
1905 zu „November II“, aber der 30. November 1907 zu „November I“; und der
15. November 1904 gehört an D 4 zu „November I“, an D 5 zu „November II“.
In den Fällen, wo im „November I‘ Messungen von w@ stattfanden, betrug
die Temperaturdifferenz zwischen 5 m und dem Boden 2°6 bis 1°3; aber im „No-
vember II“ sowie im Winter war die Temperaturdifferenz zwischen 5 m und dem
Boden nur einmal positiv (nämlich + 0° 10), und in den übrigen Fällen lag sie im
Intervall 0°00 bis — 0°06, war also von ganz derselben Größenordnung wie die rein
zufälligen, kurzwierigen Temperaturschwankungen.
ı Nordsee 3 : D Nordsee 4 D Nordsee 5 (und 5 A)
ı November ar 1a} November | ; 1 | November z
Aug. LH | Febr.| Mai ' Aug.! rim | Febr.| Mai | Aug. I | | Febr.| Mai
70
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»„Februar« umfaßt auch eine Messung vom 7. März: »Mai« drei Messungen vom 28. bis 29, April.
Die Sauerstoffprozentsätze haben also eine sehr ausgeprägte jährliche Periode,
und was namentlich auffällt, ist der große Unterschied des Sauerstoffgehaltes des
Bodenwassers vor und nach der Verwischung der vertikalen Schichtung.
1902— 1903
1903—1904
L904-—1905
1905—1906
1906—1907
1907 — 1908
J5
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94
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bo | 97