Li8
Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1916,
Wie man sieht, wird der auf Sauerstoffgehalt näher untersuchte Teil der Nord-
see ungefähr von einer Linie von Flamborough Head nach Bergen begrenzt, und man
weiß bis auf weiteres nichts Quantitatives über die jährlichen Perioden der Sauer-
stoffverhältnisse in dem nordwestlichen Teil der Nordsee außerhalb dieser Linie.
Anfänglich wurde über-
all der Sauerstoffgehalt
des Wassers volumetrisch
bestimmt; späterhin wur-
den so gut wie alle
Sauerstoffanalysen aus der
eigentlichen Nordsee nach
Winklers Verfahren titri-
metrisch ausgeführt. Dies
führte u. a. den Vorteil
mit sich, daß die Anzahl
der Sauerstoffanalysen be-
trächtlich vermehrt wurde.
Das Material ist dennoch
trotz alledem etwas zer-
streut, und es kann sich
somit nur um einen ersten
Überblick über die Haupt-
züge handeln. Einen sol-
chen erhält man vermeint-
lich am besten, wenn
man als Vertreter der
Sauerstoffverhältnisse den
„Sauerstoffprozent-
satz‘ wählt; wir werden
ihn im folgenden der Kürze
halber oft als w@ bezeichnen,
VE . . . und er bedeutet die Anzahl
Fig. 1. (Von den dänischen Stationen im Kattegat und Großen Belt „on Prozenten, die der tat-
sind nur einige wenige angeführt.) 112 9
sächliche Sauerstoffgehalt
des Wassers von der Sauerstoffmenge beträgt, die das Wasser enthalten würde, wenn
es bei der vorhandenen Temperatur und dem vorhandenen Salzgehalt mit einer
trockenen und kohlensäurefreien Atmosphäre von 760 mm Druck in freier Ver-
bindung stände. Die derart definierte Standardatmosphäre weicht allerdings von
den mittleren Zuständen in der tatsächlich über dem Meere vorhandenen Atmo-
sphäre etwas ab; aber die durchschnittlichen Wirkungen davon können, was die
im folgenden behandelten Fragen betrifft, als ganz unwesentlich im Vergleich mit
den Wirkungen der biologischen Faktoren im Meere betrachtet werden.
Zur Berechnung der für die „Sättigung‘“ notwendigen Sauerstofimenge
liegen zwei Tabellen vor, nämlich die titrimetrische von Dr. J. P. Jacobsen?!) und
die volumetrische von Dr. Charles J. J. Fox?). Obgleich die benutzten Methoden
ganz verschieden sind, weichen die Resultate doch nur sehr wenig voneinander
ab; die im folgenden benutzten Werte für @ wurden in der Weise berechnet, daß
Jacobsens Tabelle überall dort verwendet worden ist, wo der tatsächliche Sauer-
stoffgehalt O0, des Wassers titrimetrisch bestimmt ist, aber Fox’ Tabelle, wenn
O, volumetrisch gemessen wurde; die im „Bulletin‘“ mitgeteilten w’s sind eventuell
dieser Regel gemäß umgerechnet worden, insofern die bei den Analysen verfolgte
Methode sich mit Sicherheit ausfindig machen ließ. Wo im folgenden nicht aus-
drücklich bemerkt ist. daß die w’s volumetrisch sind. sind sie titrimetrisch.
1) Meddelelser fra Kommissionen for Havundersogelser,
Kobenhavn 1905,
2) Publieations de Cireonstance Nr. 41. Koebenharn 1907.
Serie: Hydrogzrafi, Bd. I. Nr. 8.